12.05.2009 · Im Prozess um veruntreute Fernseh-Werbemillionen ist der angeklagte Werbemanager Alexander Ruzicka zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wiesbaden befand ihn in 68 Fällen der Untreue für schuldig.
Im Prozess um veruntreute Fernseh-Werbemillionen ist der angeklagte Werbemanager Alexander Ruzicka zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wiesbaden befand ihn am Dienstag in 68 Fällen der Untreue für schuldig.
Ein Mitangeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, weil er sich in 41 Fällen der Beihilfe schuldig gemacht habe. Ruzicka saß seit Herbst 2006 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre und sechs Monate Haft für Ruzicka gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert.
Aegis Media vermittelt Fernseh-Werbezeiten; Ruzicka war Chef für Deutschland und Zentraleuropa. Der Schaden entstand, indem Ruzicka Gratis- Sendezeiten, die Fernsehsender dem Großkunden Aegis Media einräumten, auf eigene Rechnung vermarktete.
Media-Agenturen vermitteln Werbung in die Medien
Media-Agenturen wirken als Mittler zwischen der Wirtschaft, die Werbung veröffentlichen will, und den Medien. Die Agenturen bewegen in Deutschland ein Werbevolumen von geschätzt 20 Milliarden Euro jährlich. Aufgabe der Media-Agenturen ist nicht die kreative Seite von Werbung, sie schreiben keine Slogans und drehen keine Fernsehspots. Als Dienstleister beraten sie Firmen, wann und in welchen Medien ihre fertige Werbung geschaltet werden soll (Mediaplan). Zudem übernehmen sie auch die Buchung (Mediaeinkauf). Für diese Leistung ist eine Provision von 15 Prozent des Anzeigenpreises üblich, wenn kein festes Honorar vereinbart ist.
Gegenüber Rundfunkstationen und Verlagen bündeln die Agenturen die Aufträge vieler Firmen und treten als Großabnehmer von Sendezeit oder Anzeigenraum auf. Deshalb gewährten die Medien den Agenturen Rabatte, zum Beispiel in Form von zusätzlichen Sendeminuten. Diese Rückvergütungen (Kick-backs) werden von den Media-Agenturen manchmal an die Kunden weitergegeben, manchmal behalten die Agenturen die Rabatte für sich.
Um die Grauzone der Kick-backs geht es in dem Wiesbadener Untreue-Prozess gegen den Werbemanager Alexander Ruzicka. Seit 2004 hat sich die Werbewirtschaft eine Verhaltensregel gegeben, die für die Rückvergütungen größtmögliche Transparenz fordert.
Gut
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 12.05.2009, 17:54 Uhr
keine schwere Kindheit, keine Migration?
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 12.05.2009, 19:05 Uhr