05.03.2010 · Wiesbaden investiert in seine Bushaltestellen. Dafür ist aber nicht nur Geld, sondern auch Geduld erforderlich. Vor allem, wenn ein Anlieger etwas einzuwenden hat.
Von Ewald Hetrodt, WiesbadenWie schwierig es sein kann, ein einfaches Wartehäuschen aufzustellen, belegt ein langwieriger Fall im Wiesbadener Wohngebiet Weidenborn. Dort befindet sich der Unterstellplatz an der falschen Straßenseite. Er wird immer nur von den wenigen Bürgern genutzt, die stadtauswärts fahren. Kein Dach über dem Kopf hat hingegen die große Gruppe derjenigen, die regelmäßig auf der anderen Seite stehen, um ins Zentrum zu gelangen.
Das städtische Verkehrsunternehmen der Eswe AG und Andreas Knüttel (CDU), der Ortsvorsteher des Stadtbezirks Südost, würden der Mehrheit der Bürger gern den Gefallen tun, die kleine Halle auf die andere Straßenseite zu stellen. Doch bis heute lässt sich das so plausibel erscheinende Vorhaben nicht verwirklichen. Auch für Wartehäuschen benötigt man nämlich eine Baugenehmigung. Und bevor die erteilt werden kann, muss der Anlieger gefragt werden. Doch der will kein Wartehäuschen vor seinem Grundstück sehen und lässt seine Mitbürger buchstäblich im Regen stehen. Die Hoffnung, dass er sich die Sache noch anders überlegt, haben seine Nachbarn allerdings anscheinend noch nicht ganz aufgegeben.
324 von 800 mit kleinem Haus
Erst angesichts derartiger Konstellationen lässt sich ermessen, was es bedeutet, dass von ungefähr 800 Wiesbadener Bushaltestellen immerhin 324 mit einem kleinen Haus ausgestattet sind, das Schutz gegen Wind und Regen sowie eine Sitzgelegenheit bietet.
22 werden gerade durch eine „neue Generation“ ersetzt. „Unkompliziert und gradlinig zeigt sich das Satteldach in transparenter Leichtigkeit“, heißt es in dem Prospekt der Firma Kienzler Stadtmobiliar.
Der Biebricher Ortsvorsteher Wolfgang Gores (CDU) fühlt sich durch das Design an die Pariser Innenstadt erinnert. Planungsdezernent Joachim Pös (FDP) übte sich am Freitag bei der Besichtigung des Vorführmodells in nüchterner Zurückhaltung: „nicht spektakulär, aber wichtig“.
Rund 16.000 Euro kostet die 2,20 Meter hohe „Wartehallenkonstruktion“ pro Stück. Im Preis inbegriffen sind Stromanschluss, Deckenleuchte, drei Drahtgitter-Sitzelemente und zwei Vitrinen mit silberfarbig eloxiertem Rahmen. In der einen hängt der Fahrplan, die andere stellt eine durchsichtige Investition in die Zukunft dar. Sie ist für die Reklame gedacht.
Regelmäßige Reinigung
Die Stadt bereite gerade eine Ausschreibung aller öffentlichen Werbeflächen vor, berichtete Pös. Dabei würden zumindest teilweise auch die Wartehäuschen berücksichtigt. Manche der potentiellen Geschäftspartner statteten die Unterstellplätze nicht nur mit Werbung aus. Sie kümmerten sich auch um die regelmäßige Reinigung.
Eswe-Geschäftsführer Stefan Burghardt schätzt, dass sich die Investitionen an den Haltestellen durch die Reklame in zehn bis 15 Jahren amortisierten. Wartehäuschen erfordern nun mal ein wenig Geduld.