23.11.2007 · Gesundheitsvorsorge auf Wiesbadener Art: 4800 städtische Mitarbeiter sollen künftig unentgeltlich im Fitnessstudio trainieren dürfen.
Von Heidi Müller-GerbesDie 4800 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der städtischen Eigenbetriebe sollen künftig unentgeltlich Wiesbadener Fitness-Einrichtungen besuchen können. Für das vorerst auf zwei Jahre befristete Projekt werden im Haushalt jährlich 450.000 Euro eingeplant. Im Stadtparlament hat lediglich die Fraktion der Bürgerliste Wiesbaden (BLW) „das Weihnachtsgeschenk der Verwaltung an die Verwaltung“ kritisiert.
Der Antrag der Fraktion, die Magistratsvorlage von Personal- und Organisationsdezernent Detlef Bendel (CDU), die ja nicht eilbedürftig sei, zunächst im Gesundheitsausschuss behandeln zu lassen, wurde von der schwarz-gelb-grünen Koalition zurückgewiesen. Die SPD-Opposition, obgleich sie die Überweisung an den Ausschuss befürwortet hatte, stimmte dem Vorhaben dann ebenfalls zu.
„Überdurchschnittliche Krankheitsquote“ der städtischen Mitarbeiter
„Unfair und skandalös“ findet der Vorsitzende der Bürgerliste Wiesbaden, Michael von Poser, die Entscheidung. Jeder Wiesbadener, der nicht in städtischen Diensten stehe, müsse den Besuch von Fitness-Einrichtungen aus eigener Tasche bezahlen; dass die Bürger jetzt mit ihren Steuern dazu beitragen sollten, dass Beamte und Angestellte der Stadt nichts dafür bezahlen müssten, sei nicht einzusehen.
Neben dem unentgeltlichen Besuch in Fitness-Studios plant die Stadt die Entwicklung eines „Integrierten Gesundheitsmanagements“. Mit dieser Aufgabe soll unter Leitung des Personal- und Organisationsamts eine Projektgruppe befasst werden.
Begründet hat Bendel die Initiative an erster Stelle mit einer im Vergleich zu anderen Kommunen „leicht überdurchschnittlichen Krankheitsquote“ der städtischen Mitarbeiter. Jeder Krankheitstag aber sei nicht nur für die Betroffenen eine hohe Belastung, sondern auch mit erheblichen finanziellen Kosten für die Stadt verbunden, heißt es in seiner Vorlage. Deshalb müsse die Stadt in die Gesunderhaltung der Beschäftigten investieren - um so „Produktivität und Dienstleistungsqualität für die Bürger zu erhalten beziehungsweise zu steigern“.
Unterstützung von Oberbürgermeister Müller
Bendel verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, denen zufolge sich die Investition in die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern auch finanziell lohnen könne. Außerdem verspricht sich der Stadtrat von der Initiative einen „hohen Imgagegewinn“ für die Stadt - ein, wie es heißt, „nicht unbeachtlicher Nebeneffekt“.
Unabhängig von dem noch zu erarbeitenden „Integrierten Gesundheitsmanagement“ - unter den Mitarbeitern soll dazu ein Wettbewerb über ein passendes Logo samt „eingängiger Bezeichnung“ ausgelobt werden - soll den Beschäftigten laut Vorlage „sehr kurzfristig“ die Möglichkeit eröffnet werden, „etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu tun“. Außerhalb ihrer Arbeitszeit sollen sie in lizenzierten Fitness-Einrichtungen unentgeltlich nicht nur deren „Trainingsgerätepark“ nutzen, sondern auch an Übungen und Kursen aller Art teilnehmen können - angefangen bei ebenso speziellen Herz-Kreislauf-Trainings über Wirbelsäulengymnastik bis hin zu Kursen zum Erlernen von Entspannungsübungen und für gesunde Ernährung.
Welche Wiesbadener Einrichtungen dafür in Frage kommen, steht noch nicht fest. Laut Bendel hofft man, den „geeigneten Partner“ mit einem Vergabeverfahren zu finden. Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) hat Bendels Vorlage ausdrücklich unterstützt. In seiner Stellungnahme als Kämmerer heißt es dazu: „Im Rahmen der Auslegung der Fürsorgepflicht der Stadt gegenüber ihren Bediensteten ist die Bereitstellung von Mitteln zum Zweck der Gesunderhaltung beziehungsweise der Gesundheitsverbesserung der Bediensteten zu vertreten.“