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Wiesbaden Rathauschef statt Stadtdekan

25.04.2006 ·  Die Wiesbadener SPD will einen Priester zum Rathauschef machen. Der katholische Pfarrer und Stadtdekan Ernst-Ewald Roth wird Kandidat für die Wahl des Oberbürgermeisters.

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Die Wiesbadener SPD hat ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im nächsten Jahr gefunden. Der Vorstand schlug einstimmig Ernst-Ewald Roth vor, er ist seit 1996 Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Bonifatius und Wiesbadener Stadtdekan.

Nachdem Roth das Angebot offiziell angenommen hatte, entband ihn Bischof Franz Kamphaus mit sofortiger Wirkung von der Ausübung seiner priesterlichen Dienste. Gleichzeitig nahm er den von Roth angebotenen Verzicht auf die Pfarrei St. Bonifatius und das Amt des Stadtdekans an. Roth war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die SPD hat mit der Entscheidung für den 53 Jahre alten Priester ihre Suche nach einem Gegenspieler für den designierten CDU-Kandidaten, Kämmerer Helmut Müller, beendet. „Roth könnte die Stadt gut voranbringen, er paßt zur SPD und hätte gute Chancen, die Wahl zu gewinnen“, hatte der Wiesbadener SPD-Vorsitzende Marco Pighetti seine Empfehlung für den Stadtdekan begründet. Roth könne auf die Bürger zugehen und Vorhaben verwirklichen, ohne die großen Linien aus den Augen zu verlieren.

Kirchenrechtliche Konsequenzen

Anfänglich habe er auch außerhalb Wiesbadens nach einem Kandidaten gesucht, sagte Pighetti. „Aber ein Import bringt immer Nachteile mit sich.“ Bevor Roth im Kampf um das Oberbürgermeisteramt antreten kann, muß er noch auf dem SPD-Parteitag Mitte Mai bestätigt werden. „Ich rechne mit einer breiten Zustimmung,“ sagte Pighetti.

Daß zwischen Roth und der SPD Anknüpfungspunkte vorhanden sind, ergibt sich aus Roths Tätigkeit. So kümmert sich der gebürtige Westerwälder als Chef des Caritasverbandes Wiesbaden und Vorsitzender des Verwaltungsrates des St.-Josef-Hospitals um soziale Belange. Der Gegner einer Teilnahme Deutschlands am Irak-Krieg hatte Theologie in Frankfurt und Innsbruck studiert und war 1980 im Limburger Dom zum Priester geweiht worden. Nach Stationen als Kaplan in Frankfurt und Bad Homburg wurde er 1985 Stadtjugendpfarrer in Wiesbaden, 1990 dann Diözesanjugendpfarrer und 1996 Stadtdekan.

Für das Bistum Limburg kommt die Kandidatur von Roth nicht überraschend, wie es in einem Schreiben des Bistums von gestern abend heißt. Es habe bereits seit einiger Zeit Gespräche zwischen Roth und Kamphaus gegeben; dem Stadtdekan seien frühzeitig die kirchenrechtlichen Konsequenzen seines Handelns verdeutlicht worden.

Regelverstoß

Katholischen Priestern ist es nach dem Kodex des kanonischen Rechts untersagt, „öffentliche Ämter anzunehmen, die eine Teilhabe an der Ausübung weltlicher Gewalt mit sich bringen“. Für solch einen Regelverstoß gibt es keine festgelegte Sanktion. Verläßt ein Priester nach einer Ermahnung des Bischofs aber nicht seinen Irrweg, droht als letzte Konsequenz die Suspendierung, sagte Thomas Schüller, Kirchenrechtler im Bistum Limburg, auf Anfrage.

„Und das wird in einem solchen Fall auch stante pede geschehen.“ Auch Ulrich Rhode, Professor für Kirchenrecht an der Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt, sagte: „Eine Suspendierung wäre als Strafe am naheliegendsten.“

Die CDU hat Roths Kandidatur als Ausdruck dafür gewertet, daß die SPD nicht in der Lage sei, einen Bewerber aus ihren Reihen zu finden. Roth müsse seine Entscheidung vor sich und seiner Kirche verantworten, gleichwohl werde ihm die CDU weiterhin mit Respekt begegnen. In den nächsten Wochen werde er aber politisch und inhaltlich Farbe bekennen müssen.

Quelle: olko., F.A.Z., 26.04.2006
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