14.04.2008 · Die meisten Behördengänge können die Wiesbadener jetzt im Luisenforum erledigen. Bei allem Lob dafür - das „Brückenbauwerk“ finden die Wiesbadener misslungen.
Von Heidi Müller-Gerbes„Einfach klasse“ sei das Zentrale Bürgerbüro geworden, findet Ordnungsdezernentin Birgit Zeimetz-Lorz (CDU). Und auch ihr Magistratskollege Joachim Pös (FDP) lobte das Ambiente der im Einkaufszentrum Luisenforum untergebrachten städtischen Einrichtung bei deren Eröffnung in höchsten Tönen: „Fast erschlagen“ habe ihn das Ambiente, so der Stadtentwicklungsdezernent; alles sei „viel heller und schöner geworden, als ich es mir aufgrund der Pläne vorgestellt habe“.
In dem Zentralen Bürgerbüro bietet die Stadt alle Leistungen des Einwohnermeldeamtes. Dazu zählen An- und Abmeldungen (auch von Hunden), Ausweis- und Passangelegenheiten, die Ersterteilung von Fahrerlaubnissen, die Ausstellung Internationaler Führerscheine oder auch von Ausweisen für das Bewohnerparken und von Aufenthaltsbescheinigungen für Bürger der Europäischen Union. Wer in der Innenstadt wohnt und derartige Behördengänge zu erledigen hatte, musste dazu bislang in der Regel an der Stadtperipherie im Europaviertel die jeweils zuständige Stelle ansteuern. Was aus den jetzt dort verwaisten Räumlichkeiten werden soll, war noch nicht zu erfahren.
RMV-Mobilitätszentrale im Erdgeschoss
Die wichtigsten Dienstleistungen der Stadtverwaltung in die City zu verlagern, wie es beispielsweise in Mainz und Offenbach gang und gäbe ist, hatten vor allem Grüne und SPD seit Jahren gewünscht. Konkret wurden die Planungen aber erst, nachdem deutlich geworden war, dass sich das ursprünglich vorgesehene Konzept für einen Umsteigeplatz für Busse und Bahnen im Erdgeschoss des zum Luisenforum gehörenden Parkhauses nicht verwirklichen ließ. Die Stadt hatte mit Karstadt als Eigentümerin der Immobilie für den Busbahnhof bereits ein 99 Jahre währendes Nutzungsrecht ausgehandelt. Und nach Aufgabe der entsprechenden Planungen wurde schließlich vereinbart, dass die Stadt die 2000 Quadratmeter große Fläche für die Dauer von 20 Jahren zu einem symbolischen Preis an Karstadt vermietet und davon eine Teilfläche ebenfalls für einen Euro pro Monat für städtische Dienstleistungen zurückmietet.
Für das Zentrale Bürgerbüro stehen jetzt im Erdgeschoss und im Obergeschoss 550 Quadratmeter zur Verfügung. Im Erdgeschoss ist auch die Mobilitätszentrale des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und der Eswe-Verkehrsgesellschaft untergebracht, im Obergeschoss gibt es unter anderem eine Anlaufstelle der Wiesbadener Wohnungsgesellschaft GWW.
Ordnungsdezernentin Zeimetz-Lorz sprach in dem Zusammenhang von einer wegweisenden Zusammenarbeit. Für neue Bürger, so die Stadträtin, könne sie sich „keine bessere Eintrittskarte als dieses schöne Bürgerbüro und seine tollen Mitarbeiter“ vorstellen. In der Mobilitätszentrale, versprachen der neue RMV-Geschäftsführer Knut Ringat und Eswe-Geschäftsführer Uwe Kramer, würden alle Dienstleistungen rund um den Öffentlichen Personen-Nahverkehr angeboten – angefangen vom Fahrscheinverkauf bis hin zu Beratung etwa über Carsharing-Angebote.
Haupteingang an der Dotzheimer Straße
Der Haupteingang des Bürgerbüros befindet sich an der Dotzheimer Straße. Das Luisenforum selbst ist noch nicht bezugsbereit, wird aber wohl im Herbst mit gut einjähriger Verspätung eröffnet. Dann kann das Bürgerbüro auch unmittelbar von dem neuen Parkhaus aus angesteuert werden oder über das tunnelartige Brückenbauwerk, das die beiden ehemaligen Karstadt-Gebäude miteinander verbindet.
Kommentare zu der gewaltigen Kaufhaus-Brücke, die in Wiesbaden bereits mit einem Hochgeschwindigkeitszug verglichen und allgemein als überdimensioniert empfunden wird, haben sich die offiziellen Redner verkniffen. Stadtentwicklungsdezernent Pös ließ sich am Rande der Eröffnungsveranstaltung nur ein: „Geht doch“ entlocken, während sich der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Schickel immerhin verwundert darüber zeigte, „was alles sich Architekten heute leisten dürfen“. Eine Wiesbadenerin, die den kolossalen „D-Zug“ höchst kritisch in Augenschein nahm, fand „das Ding nur scheußlich“. Dass die Stadtverwaltung so etwas zu genehmigen bereit sei, meinte die Frau im Vorübergehen – dazu falle ihr nichts mehr ein.