Home
http://www.faz.net/-gzl-yw5o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Wiesbaden Eier-Werfer attackierte auch schon Wulffs Vorgänger

 ·  Mit rohen Eiern hat ein 48 Jahre alter Mann in Wiesbaden Bundespräsident Wulff beworfen. Es war nicht sein erster Angriff auf ein deutsches Staatsoberhaupt: Vor dreieinhalb Jahren hatte er schon Horst Köhler in Frankfurt attackiert.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (29)

Vielen der 40 Mädchen, die Bundespräsident Christian Wulff zum „Girls‘ Day“ einen begeisterten Empfang in Wiesbaden bereiten wollten, stand der Schreck ins Gesicht geschrieben. Gleich nach dem Aussteigen aus seiner Limousine auf dem Schlossplatz der hessischen Landeshauptstadt war das Staatsoberhaupt am Donnerstagmittag mit zwei Eiern beworfen worden.

Ein Sicherheitsbeamter, der schützend vor den Bundespräsidenten sprang war, wurde von einem der Wurfgeschosse getroffen, ein zweites landete auf der Hose des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier; Wulff selbst bekam lediglich einige Spritzer aufs Jackett. Abweichend vom Programm, das eigentlich ein gemeinsames Foto mit den wartenden Jugendlichen vorgesehen hatte, zogen sich Wulff und Bouffier zunächst zusammen mit Landtagspräsident Norbert Kartmann ins Parlamentsgebäude zurück, um ihre Kleidung notdürftig zu säubern.

Der Täter wurde von Sicherheitskräften überwältigt und abgeführt. Bei dem Mann handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 48 Jahre alter Ingenieur aus Offenbach, der im Oktober 2007 vor der Paulskirche in Frankfurt den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler von hinten umfasst hatte. Das gegen ihn eingeleitete Strafverfahren wegen versuchter Nötigung war im Februar dieses Jahres eingestellt worden, weil der Täter sich bereiterklärte, 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten. Jetzt droht ihm ein neues Ermittlungsverfahren wegen versuchter Körperverletzung.

Keine Kritik an Sicherheitsvorkehrungen

Als Wulff wenige Minuten nach der Attacke wieder aus dem Landtag heraustrat, kam es noch zu dem vereinbarten Foto mit den Mädchen. Er habe keinen Anlass, Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen zu üben, sagte er auf Nachfrage von Journalisten. Er selbst sei es schließlich, der Wert auf möglichst engen Kontakt zu den Bürgern lege. In diesem Bestreben werde er sich durch Eierwürfe nicht beirren lassen. Am Ende seines kurzen Antrittsbesuchs in Wiesbaden konnte der Bundespräsident dem Angriff auf seine Person sogar etwas Positives abgewinnen. Sein jüngster Sohn wolle immer wissen, warum sich so viele Polizisten seiner Nähe aufhielten, sagte er. Die Antwort auf diese Frage werde ihm künftig leichter fallen: „Die passen alle auf, dass ich nicht von Eiern getroffen werde.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

Jüngste Beiträge

Integration durch Religion

Von Ralf Euler

Die Einführung von islamischem Religionsunterricht in Hessen ist eine Erfolgsgeschichte der FDP. Die CDU betont zwar, dass das Fach nur „versuchsweise“ unterrichtet werde. Doch das sind belanglose Rückzugsscharmützel. Mehr 17 3