24.04.2005 · Mit dem Wunsch nach einem eigenen Pferd hat es angefangen. Carolin Diel dachte an ein Mädchen, das ein Pferd gewinnt in einem Preisausschreiben. Ein Mädchen so ganz wie sie selbst, denn ein eigenes Pferd hätte die zwölf Jahre alte Carolin auch gern.
Mit dem Wunsch nach einem eigenen Pferd hat es angefangen. Carolin Diel dachte an ein Mädchen, das ein Pferd gewinnt in einem Preisausschreiben. Ein Mädchen so ganz wie sie selbst, denn ein eigenes Pferd hätte die zwölf Jahre alte Carolin auch gern. Deswegen hat sie schon jede Menge Pferdebücher gelesen. Vor zwei Jahren, im Sommerurlaub in der Bretagne, sagte Carolin, damals war sie zehn, zu ihren Eltern, sie habe da eine Geschichte im Kopf, die werde sie jetzt mal aufschreiben. Als sie dann abends anfing, auf einem Schmierblock zu schreiben, haben Carolins Eltern sich noch nichts weiter dabei gedacht.
Doch als die Familie wieder zu Hause in Oberursel war, schrieb Carolin weiter, jetzt auf dem Computer. Denn sie dachte immer noch an dieses Mädchen und das Pferd, das das Mädchen gewonnen hat. Nach und nach sei ihr dann eingefallen, wie die Geschichte weitergehen könne, erzählt Carolin. Immer wenn ihr etwas eingefallen sei, habe sie geschrieben, mal eine Woche lang gar nichts, dann am Wochenende zwei Stunden, auch mal monatelang wieder nichts. Nach einem halben Jahr waren 50 Seiten fertig, nach einem weiteren halben Jahr war aus der ausgedachten Geschichte ein Buch geworden, das jetzt in einem kleinen Verlag erschienen ist: "Das Geheimnis des schwarzen Pferdes".
Und weil Carolin viel Harry Potter gelesen hat, mußte auch etwas Magisches und Geheimnisvolles in ihre Geschichte: Das Pony aus dem Preisausschreiben ist mit einem Fluch belegt. Am Schluß wird es dann gerettet. Und bis dahin verbringen die junge Heldin der Geschichte und ihre beste Freundin sehr, sehr viel Zeit auf dem Reiterhof bei dem Pferd. Die Eltern in dem Buch sind übrigens sehr tolerant und erlauben das, auch bis spät abends. "Die Eltern in der Geschichte mußten eben mitspielen", sagt Carolin.
Ihre eigenen Eltern haben auch mitgespielt, während aus der Geschichte im Kopf ein Buch geworden ist: Zum Beispiel wenn Carolin so vertieft war, daß sie bis elf Uhr abends schreiben wollte, haben die Eltern es erlaubt, wenn es am Wochenende war. Oder wenn es mal Tränen gab, weil die junge Autorin 20 Seiten im Computer verloren glaubte und der Vater auf der Festplatte die Datei suchen mußte. Um Tips fürs Schreiben, etwa wie man der Geschichte einen Dreh geben könnte, um sie noch spannender zu machen, habe seine Tochter aber nie gebeten, das berichtet der Vater Markus Diel nicht ohne Stolz. Dabei hätte er seinem Kind durchaus mit ein paar Kunstgriffen helfen können, schließlich ist er von Beruf Journalist.
Auf die Idee, das Werk seines Kindes zu veröffentlichen, sei er aber gar nicht selbst gekommen, sagt Diel. Als die Geschichte fertig war, habe ein Kollege angeboten, sie mal im Urlaub Korrektur zu lesen.
Dann habe der Kollege sie seinen Kindern vorgelesen, und denen habe das Buch so gefallen, daß die Eltern von Carolin sich sagten: Warum nicht drucken lassen? Als "Low-Budget-Produkt", wie Diel sagt, ist es dieser Tage erschienen, in einem kleinen Kelkheimer Verlag, den ein Freund als Hobby betreibe. "On Demand" sei das Buch erhältlich, bei www.amazon.de und www.libri.de könne man das Buch finden, wenn man den Namen Carolin Diel eingebe.
Während die Tochter schrieb, bekamen die Eltern nur Bruchstücke des Textes zu sehen. In dem fertigen Buch, das sie zusammen mit Carolins Schwester Christina, acht Jahre alt, gelesen haben, haben die Eltern in der Hauptfigur sofort ihre Tochter wiedererkannt. Nicht nur, weil sie sich ein Pferd wünscht. Ein Schulwechsel, mit dem Carolin nicht glücklich war, die Einsamkeit im Schulbus, spiegelt sich in der Geschichte.
Bis zu dem Moment, in dem die stolzen Eltern eine Runde aus Journalisten, auch Kollegen von Fernsehen und Radio, in die Wohnung in Oberursel eingeladen haben, war es so etwas wie Carolins Geheimnis, daß sie ein Buch geschrieben hat. Ihre Klassenkameraden wissen von dem Buch noch nichts, Carolin wollte nicht als Angeberin gelten. Nur der besten Freundin hatte sie erzählt, daß sie eine Geschichte aufschreibe.
Ein "Streberkind" sei ihre Tochter aber keineswegs, sagen die Eltern. Sie habe viele ganz normale Hobbys, Geräteturnen, Computerspiele und Gitarrespielen. Und Reitstunden nimmt Carolin jetzt auch, auf einem Reiterhof in Bad Soden. Die hat sie sich zum letzten Geburtstag gewünscht. JAN SCHIEFENHÖVEL