11.10.2009 · Ikea will in Hofheim ein Fachmarktzentrum bauen. Doch gefällt das nicht jedem. In Hofheim ist man aber überrascht über den Widerstand der Nachbarn gegen die Pläne des schwedischen Möbelhauses.
Von Mechthild HartingWallau ist nicht Weiterstadt. Dabei liegen beide Kommunen unmittelbar an Autobahnen und haben in der Vergangenheit ausschließlich mit ihren Handelsangeboten von sich reden gemacht. Das schmerzt Wolfgang Winckler. Der Planungsdezernent der Stadt Hofheim hätte gerne 2011 im Hofheimer Stadtteil Wallau die Erweiterung der Ikea-Deutschlandszentrale gefeiert – ergänzt durch ein stattliches Fachmarktzentrum. Das würde zusammen von der Verkaufsfläche auch nicht größer werden als das am Freitag in Weiterstadt bei Darmstadt eröffnete Einkaufszentrum „Loop 5“. Doch die regionalplanerischen Voraussetzungen sind unterschiedlich.
Der SPD-Politiker Winckler, selbst Mitglied der Regionalversammlung Südhessen, weiß darum und rechnet nicht mehr damit, dass Ikea und damit Hofheim seine Wünsche unverändert realisieren kann. „Wir hoffen, das am Ende ein Konzept regionalpolitisch Bestand hat, das für Ikea noch ausreichend attraktiv ist.“
Bedeutender Gewerbesteuerzahler
Hofheim hat mit Ikea viel zu verlieren. Das schwedische Möbelhaus ist ein bedeutender Gewerbesteuerzahler für die 40.000-Einwohner-Stadt und wichtig für das Image. „Wir wollen, dass sich Ikea am Standort wohl fühlt“, sagt der Politiker. Dazu gehöre, dass Wallau der Vorzeigestandort für Ikea bleibe. Schließlich hat das Unternehmen sein neues Konzept, unmittelbar neben dem Möbelhaus ein Fachmarktzentrum zu etablieren, einen „Homepark“, bereits an einigen Standorten verwirklicht, wenn auch in einer kleineren Ausführung – etwa in Koblenz, Mannheim, Ulm und Köln. Nun soll Wallau in größerem Stil folgen.
Anders als bei „Loop 5“ sollen im „Homepark“ nicht an die 170 Geschäfte untergebracht werden, sondern einige große Ladenlokale. Gedacht ist an ein Geschäft für Unterhaltungselektronik, ein Fahrradgeschäft, einen Fachmarkt für den Bedarf von Tierhaltern und einen für Babyprodukte. Und es soll zusätzliche Möbelgeschäfte geben. Fast die Hälfte der Fläche des „Homeparks“ von 24 000 Quadratmetern wollen die Schweden anderen Möbelgeschäften und damit der Konkurrenz anbieten. Offenbar sind die Erfinder der Billy-Regale überzeugt, dass dies das Geschäft belebt.
„Homepark“ ist „nicht unproblematisch“
Genau das befürchten die großen Nachbarn Hofheims. Frankfurt, Mainz und Wiesbaden lehnen das Fachmarktzentrum ab mit dem Hinweis, dessen Sortiment beeinträchtige den Einzelhandel in ihren eigenen Innenstädten. In Hofheim ist man angesichts dieser Reaktion überrascht. Dass die Nachbarstädte nicht begeistert sein würden, damit hatten die Kommunalpolitiker am Taunus gerechnet, nicht aber mit einem solch starkem Widerstand. Zumal Frankfurt selbst am Flughafen mit dem Airrail-Center und Gateway Gardens Projekte entwickelt, die in der Region nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Und Wiesbaden in der Regionalversammlung kürzlich einen Möbelstandort in Mainz-Kastel durchgesetzt hat, der erst nach einer Verschlankung die Gremien der Regionalversammlung passierte.
Von den Ansiedlungen in Weiterstadt entlang der Autobahn 5 – gleichgültig ob das vor fünf Jahren errichtete Möbelhaus Segmüller oder das Einkaufszentrum „Loop 5“ – ganz zu Schweigen. Beide Vorhaben sind regionalplanerisch nicht diskutiert worden. Sie sind nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches, der eigentlich für Baulücken gilt, genehmigt worden. Und niemand von den Regional- und Landesplanern hat aufbegehrt. Im Fall der Ikea-Pläne ist dies anders. Die Geschäftsstelle der Regionalversammlung hat den Antrag der Stadt Hofheim vorliegen, nun haben die 99 Mitglieder, Politiker aus ganz Südhessen, das Wort. Die Geschäftstelle hat bereits wissen lassen, die reine Erweiterung des Möbelhauses um 4000 Quadratmeter sei unproblematisch, nicht aber der „Homepark“. Dessen Konzept müsse wohl abgespeckt werden.