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Wetteraukreis gibt Dokumentation zur Zwangsarbeit heraus

 ·  Es begann mit dem Ende der neunziger Jahre gegründeten Fonds der Industrie zur Entschädigung überlebender Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in deutschen Betrieben. Um eine Grundlage dafür zu schaffen, ließ auch der Wetteraukreis nach einst hier eingesetzten Zwangsarbeitern suchen.

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Es begann mit dem Ende der neunziger Jahre gegründeten Fonds der Industrie zur Entschädigung überlebender Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in deutschen Betrieben. Um eine Grundlage dafür zu schaffen, ließ auch der Wetteraukreis nach einst hier eingesetzten Zwangsarbeitern suchen. Bei den Recherchen kam heraus, daß fast 30000 Männer, Frauen und Jugendliche, überwiegend aus Osteuropa, in der Wetterau unfreiwilligen Einsatz leisten mußten.

Weil sich bei den Nachforschungen auch herausgestellt hatte, daß dieses dunkle Kapitel der jüngeren Wetterauer Geschichte bislang noch kaum behandelt worden war, beschloß der Kreisausschuß, eine umfassende Dokumentation zur Zwangsarbeit und über Verschleppte in Auftrag zu geben. Nach rund drei Jahren hat ein Team von 14 Autoren - Historiker, Archivare und Juristen - ein fast 600 Seiten umfassendes Buch vorgelegt. Tatsächlich existieren für kleinere Städte und Landkreise bislang in Deutschland nur wenige Publikationen, die sich dieses sensiblen Themas in dieser Ausführlichkeit und mit wissenschaftlichem Anspruch annehmen.

Beginnend mit einem Artikel über Grundlagen und Strukturen des Systems von Zwangsarbeit unter der nationalsozialistischen Herrschaft, gibt das Buch in den folgenden Beiträgen einen Überblick über den Einsatz von Verschleppten und Kriegsgefangenen für alle Wetterauer Ortschaften. Für Städte und Gemeinden wie Friedberg, Butzbach, Nieder-Mörlen oder Wöllstadt, wo sich in Archiven noch Unterlagen fanden und auch Zeitzeugen über Zwangsarbeiter berichten konnten, liegen eigene, ins Detail gehende Untersuchungen vor.

In den ehemaligen Kreisen Friedberg und Büdingen waren noch kurz vor Kriegsende Zivilarbeiter, Häftlinge und Kriegsgefangene aus fast einem Dutzend Länder in mehr als 50 Barackenlagern untergebracht, die fern der Heimat Frondienste in Industriebetrieben, Land- und Forstwirtschaft leisten mußten. In ihren Beiträgen haben sich die Autoren weniger auf die Organisation dieser Einsätze und die Wiedergabe von Namenslisten fixiert. Vielmehr schildern die in den verschiedenen Kapiteln aufgegriffenen Einzelschicksale die Komplexität, Vielschichtigkeit und bisweilen auch die Widersprüchlichkeiten des Zwangsarbeitereinsatzes. Das wird insbesondere deutlich, wenn es um die Behandlung dieser Menschen ging. Von rücksichtsloser Ausbeutung bis zu humaner Aufnahme in den Kreis der Familie - "wer mit uns arbeitet, sitzt auch mit am Tisch" - reichte da das Spektrum.

Schon der Blick auf Fotos aus der Zeit läßt die Vielschichtigkeit von Zwangsarbeit in der Wetterau erkennen. Da marschieren Uniformierte mit Sack und Pack auf der Friedberger Kaiserstraße, eine Gruppe von Frauen, russische Musikinstrumente unter den Habseligkeiten, posiert zum Foto vor einem Lager. Das Bild eines Jungen mit dem Abzeichen "Ost" auf dem Revers steht für die bedrückenden Schicksale vieler Kinder, die auch hierzulande zu Einsätzen gezwungen wurden. Ausgemergelte Männer in Lumpen warten vor einer Baracke auf die Essensausgabe. Der Ausschnitt aus einer Anzeige gegen einen polnischen Zwangsarbeiter dokumentiert, wie Verschleppte oft schon bei nichtigen Anlässen in die Mühlen der staatlich organisierten Verfolgung gerieten.

Nach dem Konzept des Kreisausschusses soll diese Dokumentation insbesondere Jugendlichen als Anschauung dienen. Von den 1500 Exemplaren des Buches stellt der Kreis deshalb fast zwei Drittel für den Unterricht in den Schulen zur Verfügung. Der Rest ist über den Buchhandel zu beziehen. was.

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Von Matthias Alexander

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