05.03.2007 · Albrecht Schaal gerät beim Anblick der Narzissen ins Staunen: Der Frankfurter hat in seinem Vorgarten erste Frühlingsblumen entdeckt. Viele Menschen fragen sich, ob ihr Garten nach dem warmen Winter eine besondere Behandlung braucht.
Von Stefanie Wehr und Christoph RechWann hat es das zuletzt gegeben? Albrecht Schaal gerät beim Anblick der Narzissen ins Staunen: Der Frankfurter hat in seinem Vorgarten in Bockenheim erste Frühlingsblumen entdeckt. „Die sind zwei bis drei Wochen zu früh“, sagt der Landschaftsgärtner und Gartenplaner. In den Innenstädten trieben die Pflanzen wegen der geschützten Lage zwar für gewöhnlich früher aus als etwa in der Rhön oder im Odenwald. „Aber dieses Jahr toppt sich das nochmal wegen der allgemein milden Temperaturen – alles sprießt etwas früher.“ Eine Entwicklung, die vor allem bei Hobbygärtnern Fragen aufwirft.
Deshalb klingelt das Telefon von Martin Breidbach in diesen Tagen häufiger als üblich. Beim Verband Wohneigentum in Oberursel fragen immer mehr Menschen nach, ob ihr Garten nach dem warmen Winter eine besondere Behandlung brauche. „Es ist nicht unbedingt so, dass das milde Wetter Schädlingen nutzt“, erklärt Breidbach, der Gartenfachberater des Verbandes: „Denn auch ihre natürlichen Feinde, wie zum Beispiel Vögel, sind aktiv.“ Larven und Puppen dürften in diesem Jahr allerdings wohl vermehrt Pilzen zum Opfer fallen, die sich bei dem feucht-warmen Wetter gut entwickelt hätten. Auch bei Pflanzen sei ein verstärkter Pilzbefall zu befürchten: Apfelbäume könnten von Apfelschorf befallen werden, Rosen seien durch Sternrußtau gefährdet.
„Es wird vermutlich ein heftiges Schneckenjahr“
„Blattläuse und Frostspanner können sehr früh aktiv werden, da muss man ein Auge drauf werfen“, warnt Breidbach. Und noch etwas werde die Hobbygärtner sicherlich beschäftigen: „Es wird vermutlich ein heftiges Schneckenjahr.“ Schließlich hätten viele „erwachsene“ Schnecken den Winter überlebt und Eier gelegt. Die Erde werde sich in den nächsten Wochen vermutlich schneller erwärmen als sonst, so dass die nächste Schnecken-Generation sehr bald schlüpfen und sich über das Saatgut hermachen könne.
Breidbach empfiehlt allen davon betroffenen Gartenbesitzern Bierfallen und Schneckenzäune aufzustellen, um die Weichtiere fernzuhalten. Und auch Verkäufer von Pflanzenschutzmitteln dürften demnächst einiges zu tun bekommen. Für Landschaftsgärtner ist das milde Wetter hingegen von Vorteil. „Wir arbeiten deutlich mehr, die Auftragseingänge sind gut“, sagt Immo Herbst, ein Frankfurter Landschaftsgärtner. Einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel sieht er nicht. Schon gar nicht, wenn er an den kalten Winter des Vorjahres denkt. Wochenlang warteten seine Mitarbeiter damals auf wärmere Tage.
Noch zu früh zum Rasenmähen
Obwohl diese nun da sind, greifen Hobby- und Kleingärtner wie Heinz Kremer aus Oberursel derzeit noch nicht zu Schaufel und Harke. Es sei noch zu nass. Niemand solle übereifrig handeln. Denn wer jetzt den Rasen mähe, laufe Gefahr, die Wurzeln aus dem feuchten Boden zu ziehen. Zum Mähen müsse es trocken sein. Kremers Kleingartenverein werde die Saison – so wie immer – erst im April eröffnen. Dann erst will er die Erde in seinen Blumenbeeten lockern, den Vertikutierer aus der Hütte holen und den Rasen lüften. „Allerdings hat der Rasen nach der kurzen Winterpause einen erhöhten Nährstoffbedarf“, erklärt Breidbach vom Verband Wohneigentum. Daher solle man nicht erst Mitte April, sondern schon Ende März mit dem Düngen beginnen.
„Die Natur ist ihrer Zeit um mindestens drei Wochen voraus“, sagt Peter Lukas von der gleichnamigen Frankfurter Baumschule. Deshalb geht er davon aus, dass die Pflanzzeit ebenfalls drei Wochen früher enden werde als üblich. Alles, was „frosthart“ sei, könne auf jeden Fall schon jetzt in die Erde eingebracht werden – so Obstgehölze, Schlingpflanzen und Rosen, aber auch andere Pflanzen. Seinen Kunden empfiehlt er, sich vom Regen nicht täuschen zu lassen: „Die Pflanzen gehören so früh wie möglich in den Boden.“ Obwohl durchaus noch mit späten Frösten zu rechnen ist. Gartenplaner Schaal sieht das ebenso: Der März bleibe der klassische Pflanzmonat etwa für Pfingstrosen und Glockenblumen. Wer bei Gemüse und Kräutern auf Nummer Sicher gehen wolle, sollte beispielsweise Tomaten und Paprika im Frühbeet oder auf der Fensterbank vorziehen.