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Weinlese Das trübste Jahr seit 1998

09.11.2008 ·  Die Rheingauer Winzer klagen über das Klima: Der Sommer fiel deutlich zu nass aus, die Sonne hat sich hingegen zu selten gezeigt. Mit nur 1158 Sonnenscheinstunden war das Jahr 2008 im Rheingau das trübste Jahr seit zehn Jahren.

Von Oliver Bock
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Das war ein durchwachsenes Weinjahr: Mild, trüb und viel Regen im Sommer, so bilanzieren der Geisenheimer Wetterdienst und das Eltviller Weinbauamt nach Abschluss der Weinlese das Weinklimajahr 2008. Bei „leicht überdurchschnittlicher Wärme, aber „viel zu wenig Sonne“ sei der „überreiche Sommerregen“ das „prägende Witterungselement“ gewesen, heißt es in der Rückschau.

Nach einem milden Winter haben demnach die etwas zu kühlen Monate März und April die bis dahin gute Entwicklung der Natur gebremst. Der Austrieb Ende April lag noch im langjährigen Mittel. Der sommerlich-sonnige und warme Mai beschleunigte jedoch die Rebentwicklung stark. Mit 236 Sonnenstunden war der Mai der sonnigste Monat des ganzen Jahres im Rheingau – und mit einem „Wärmeüberschuss“ von mehr als drei Grad wich er am stärksten vom langjährigen statistischen Mittel ab.

Falscher Mehltau bereitete Winzern große Sorgen

Die Folge dieses Frühstarts in den Sommer war die mit nur 37 Tagen „zweitkürzeste“ Zeitspanne zwischen Austrieb und Blüte seit Beginn regelmäßiger phänologischer Aufzeichnungen im Jahr 1955. Das Weinbauamt registrierte die „Vollblüte“ in ihren ausgewählten Referenzweinbergen beim Spätburgunder am 4. und beim Riesling am 6. Juni, was einem Vegetationsvorsprung von zwei Wochen entspricht. Nach einer zügigen Blüte und der „Schafskälte“ Mitte Juni kam der Regen: Juni, Juli und August fielen laut Statistik „deutlich zu nass“ aus. Das begünstige vor allem die Ausbreitung des falschen Mehltaus (Oidium), was nicht wenigen Winzern große Sorgen bereitete.

Die Sommermonate Juni, Juli und August brachten in der Summe zwar leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse, doch waren die Schwankungen laut Wetterdienst ungewöhnlich groß. Die Reife setzte beim Spätburgunder am 4. und beim Riesling am 10. August ein. Der zu kühle und trübe September bremste die Entwicklung. Die Lese begann für Rotwein am 2. und für Riesling am 4. Oktober.

Temperatur lag durchschnittlich bei 15,2 Grad

Wegen der hohen Niederschläge und hoher Luftfeuchtigkeit stagnierte das Mostgewicht ab Mitte Oktober in vielen Lagen zwischen 80 und 85 Grad Öchsle. Die für die Ernte höherer Qualitäten erforderliche längere Schönwetterperiode stellte sich nicht ein. Das Weinbauamt vergleicht das Weinjahr am ehesten mit 2004. Die Durchschnittstemperatur für den Zeitraum von April bis Oktober lag in diesem Jahr bei 15,2 Grad. 2004 waren es 15,4 Grad Celsius. Zum Vergleich: 2007 waren es 15,7 Grad, 2006 sogar 16,6 Grad. Insgesamt war die Vegetationsperiode mit 14,6 Grad zwar wärmer als der langjährige Durchschnitt, doch wurde dieser Wert zuletzt 1996 unterschritten.

Bei der Sonnenscheindauer ist das Bild eindeutig: Danach war 2008 das trübste Jahr seit zehn Jahren. Mit nur 1158 Sonnenscheinstunden wurde der Durchschnitt von 1308 Stunden weit verfehlt. Zuletzt war dieser Wert im Jahr 1998 mit 1060 Stunden unterboten worden. Das war damals der Negativrekord der Nachkriegszeit. Trotz der hohen Regenmengen im Sommer täuscht laut Wetterdienst der Eindruck eines viel zu nassen Jahres: Von April bis Oktober fielen insgesamt 340 Millimeter, was fast exakt dem Rheingauer Mittelwert entspricht.

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