Dieser Wein ist in jeder Hinsicht eine Besonderheit. Darauf weist schon der Schriftzug hin. „Inter Toutonos“ steht auf dem langen beigen Etikett der Flasche – in der gleichen, etwas ungelenken Art wie auf dem berühmten Miltenberger Toutonenstein. Der wurde 1878 auf dem Greinberg oberhalb der unterfränkischen Stadt gefunden, liegt inzwischen im Museum und gibt den Archäologen bis heute Rätsel auf.
Vor allem die Inschrift: Nur die ersten beiden Zeilen mit den Worten „Inter“ und „Toutonos“ sind vollendet, in den folgenden sind nur die Anfangsbuchstaben C, A, H und I in den fast fünf Meter langen Stein geschlagen. Ob er tatsächlich ein Relikt aus der Römerzeit ist und möglicherweise als Grenzstein dienen sollte, ist ungeklärt.
Kraft und Schmelzigkeit
Ganz so geheimnisvoll wie dieses Miltenberger Unikum ist der „Inter Toutonos“ vom Weingut Otto Knapp nicht. Aber er verdankt ihm nicht nur seinen Namen, sondern ist – zumindest im Sortiment dieses Familienbetriebs – ebenso einzigartig. Während Johannes Knapp seine vielen verschiedenen Weißweine (vom einfachen Müller-Thurgau über Silvaner und Riesling bis zur Gewürztraminer-Spätlese) nämlich normalerweise sortenrein im Edelstahltank ausbaut, lässt er diese anspruchsvolle Cuvée aus Weißburgunder und Faber 24 Monate im kleinen Barrique-Fass reifen. Das gilt zwar auch für das rote Pendant, die „Inter Toutonos“-Cuvée aus Spätburgunder, Domina und Dornfelder. Die besondere Stilistik und das im Vergleich zu den anderen Weinen des Gutes vollkommen eigenständige Geschmacksbild treten bei der weißen Variante aber viel deutlicher hervor.
Goldgelb schimmert sie im Glas, die Nase ist würzig und zeigt neben den zu erwartenden Vanille- und Röstaromen auch Anklänge an getrocknetes Heu. Im Mund kommt dann die ganze Kraft und Schmelzigkeit mit einer leichten Süße im Hintergrund zum Tragen. Wem in Eichenholz ausgebaute Weine gefallen, der hat an diesem Tropfen seine Freude – am besten nicht zu kalt und zu einem mediterranen Essen getrunken.
„Das ist nichts für den Mainstream“, weiß Johannes Knapp, der das 5,5-Hektar-Weingut gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Claudia Widmaier führt. Eher ein Minderheitenprogramm für jüngere, international ausgerichtete Kunden. Aber die wissen es zu schätzen, dass der „Inter Toutonos“ nicht nur außergewöhnlich schmeckt, sondern auch ausgesprochen langlebig ist. Zehn Jahre mindestens gibt Knapp diesem Tropfen, von dem er erst zwei Mal etwa 800 Flaschen gefüllt hat: 1999 und 2003. In diesem Jahr soll der dritte „Inter Toutonos“ dazukommen – aber nur, wenn die Qualität der Trauben stimmt. „Unter Ausleseniveau geht es nicht.“

