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Weine der Region Rieslingexoten und Weinpersönlichkeiten

19.11.2007 ·  Immer mehr Winzer erzeugen Tropfen, die nicht ins traditionelle Schema des Weinrechts passen. In einer neuen Serie stellen wir eine Auswahl solcher Weinpersönlichkeiten vor.

Von Oliver Bock
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Wenn ausländische Weinjournalisten oder Weinhändler die deutschen Anbaugebiete an Rhein und Main bereisen, verbinden sie ihr Lob für heimischen Riesling und Burgunder fast immer mit der Forderung nach einer Vereinfachung des komplizierten deutschen Bezeichnungsrechts. Einer der wichtigsten amerikanischen Importeure deutscher Weine, Rudi Wiest, nannte aus Anlass seiner Auszeichnung mit der Silbernen Ehrennadel der Prädikatsweingüter erst vor kurzem in Mainz die deutschen Etiketten einen Hemmschuh für die Verbreitung der „besten Weißweine der Welt“.

Im Zentrum dieser Kritik stehen dabei die weinrechtlichen Bestimmungen und das deutsche Prädikatsweinsystem, das im Ausland häufig schwer verständlich ist. Dass beispielsweise Spät- oder Auslesen nicht nur süß, sondern auch feinherb oder trocken sein können, ruft unter Weinfreunden im Ausland regelmäßig großes Unverständnis hervor. Gerade die weltweit kaum erreichte Vielseitigkeit des Rieslings, der sehr alt oder ganz jung, knackig-trocken oder edelsüß, als Solist oder als Essensbegleiter getrunken werden kann, erweist sich bei der Vermarktung häufig als Hindernis, weil sie einem klaren Profil entgegensteht.

Weinmacher führen eigene Systematik ein

Das komplexe deutsche Weinrecht legt die Latte für das Verständnis deutschen Weins im Ausland noch höher. Stand beispielsweise der Begriff „Cabinet“ einst für ausgesuchte Tropfen aus dem für Spitzenweine reservierten „Cabinetkeller“ eines Weinguts, steht die Bezeichnung „Kabinett“ seit der grundlegenden Reform des Weinrechts in den siebziger Jahren nur noch für eine bestimmte Oechsle-Schwelle, die der Most überwunden hat. Das fällt den Winzern in Zeiten des Klimawandels immer leichter, und wo Kabinett drauf steht, ist deshalb gerade im Rheingau häufig Spätlese drin.

Die Verwirrung wird durch neue Kategorien immer noch größer, weil neue Bezeichnungen alte nicht ersetzen, sondern neben sie treten. Beispiele dafür sind die vor allem in Rheinhessen häufig verwandten „Classic“ und „Selection“, aber auch Rheingauer Begriffe wie „Charta“ und „Erstes Gewächs“. Außerdem gewinnen Cuvées stetig an Bedeutung.

Gerade weil immer mehr Winzern das althergebrachte Prädikatsweinsystem nicht mehr geeignet erscheint, die hauseigene Qualitätspyramide treffend abzubilden, Besonderheiten herauszustellen, spezielle Bedürfnisse zu befriedigen und Innovationen zu kennzeichnen, führen viele Weinmacher ihre eigene Systematik ein. Weinpersönlichkeiten, die in kein Schema passen und die nicht selten mit dem deutschen Bezeichnungsrecht in Konflikt geraten, sind den staatlichen Weinkontrolleuren häufig ein Ärgernis. Allerdings stecken hinter den auffälligen Namen solcher Tropfen fast immer außergewöhnliche Ideen, eine innovative Strategie oder eine kluge Philosophie. Eine Auswahl solcher Weinpersönlichkeiten aus der Rhein-Main-Region stellt die Redaktion von nun an in wöchentlichem Turnus vor.

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