Helga Frank hat allen Grund entspannt zu lächeln. Ihr Weihnachtsgeschäft läuft hervorragend – wohl auch wegen der Temperaturen. Die handgestrickten Strümpfe, Mützen und Schals, die sie auf ihrem kleinen Tisch an der Frankfurter Schillerstraße anbietet, sind jedenfalls so begehrt, dass ihr kaum Zeit bleibt zu reden. Kein Wunder, acht Euro für ein paar bunte warme Wollstrümpfe sind ein fairer Preis, zwölf Euro für einen Wollschal, der auf Bestellung in verschiedenen Farben zu haben ist, auch. Der erzielte Gewinn kommt Kindern in ihrem Heimatort bei Gießen zugute, die beispielsweise ein Instrument lernen möchten, sich aber keines leisten können. Weihnachtlicher kann ein Geschäft kaum sein.
Den Deutschen steht in diesem Jahr aber nicht nur bei Selbstgestricktem der Sinn nach Geldausgeben: 93 Prozent der Bevölkerung kaufen in diesem Jahr Weihnachtsgeschenke, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt hat. Im Durchschnitt geben sie dabei jeweils 245 Euro aus. Niedrige Arbeitslosigkeit und ein unerwartet kraftvoller Aufschwung heben die Stimmung deutlich.
„Oh, das Geschäft geht wirklich sehr, sehr gut“
Auch im Parterre der Galeria Kaufhof an der Frankfurter Hauptwache herrscht Andrang – vor allem an den Verkaufsinseln, an denen Uhren von Modemarken zu bekommen sind. Die Kundschaft ist an diesem Mittag jung und ausgelassen, die Weihnachtsferien haben begonnen. „Ich schenke mir lieber gleich selbst die richtige Uhr, dann spar‘ ich mir das Umtauschen nach Weihnachten“, kommentiert ein Mädchen ihre Kauflaune und lacht hell und laut im Verein mit ihren vier Begleiterinnen.
Weiter oben im Haus ist weniger los. Höchstens zwei Dutzend Kunden befinden sich im Stockwerk, das der Bekleidung vorbehalten ist. „Wie das Weihnachtsgeschäft geht? Na, es geht heute so. Das hängt immer sehr vom Wetter ab“, meint die Frau an der Kasse, faltet die neue Jacke eines Kunden und lässt sie mit geübtem Schwung aus dem Handgelenk in einer grün-weißen Tüte verschwinden.
Ein paar hundert Meter weiter die Zeil hinunter, bei Peek und Cloppenburg, ist schon am Freitagmittag reichlich Betrieb. An der Zentralkasse wandert die Ware fast gleichzeitig mit der Abrechnung in eine Tragetasche. Das alles machen die Mitarbeiterinnen mit einer geradezu ansteckenden Freundlichkeit. Und dann erhält der Kunde auch noch den unverhofften Hinweis, dass noch einmal 20 Prozent von dem ausgewiesenen Preis für das schon im Preis halbierte Sakko von Armani abgehen. Wenn das keine vorweihnachtliche Freude auslöst. „Oh, das Geschäft geht wirklich sehr, sehr gut“, antwortet die Frau an der Kasse zwischen zwei Handgriffen, mehr Zeit hat sie nicht.
„Gewinner des Jahres ist Rolex“
Sehr ordentlich entwickelt sich das Weihnachtsgeschäft offenbar auch in der Landeshauptstadt. So berichtet Juwelier Wolfgang Stoess davon, dass die vergangenen Samstage sehr erfreulich gelaufen seien. Stoess leitet ein 1886 gegründetes Traditionshaus in Wiesbaden. „Gewinner des Jahres ist Rolex“, sagt er. Die Kunden griffen gerne wieder zu den hochwertigen Uhren, die wertbeständig, robust und zeitlos seien. Gut verkauften sich auch Uhren der Marke Panerai, die ursprünglich einmal der italienischen Marine vorbehalten waren.
Zu schwärmen beginnt er aber, wenn er von potentiellen Weihnachtsgeschenken berichtet, die aus dem eigenen Goldschmiedeatelier kommen. Da ist etwa ein Ring mit einem Diamanten in der Farbe Fancy Yellow. Der zertifizierte Stein hat stattlichen 3,68 Karat und ist in dieser Qualität selten, wie der Fachmann versichert. Der Preis von 69 000 Euro spricht dafür. Überhaupt stehe Brillantschmuck, wenn es um Geschenke gehe, nach wie vor hoch im Kurs, sagt Stoess. Im Trend sei auch Roségold.
„Gnadenlos gut“ waren die Samstage
Neben Kleidung, Schmuck und Parfüm kaufen die Deutschen an Weihnachten gerne große Fernsehgeräte und andere Elektroartikel. Das stellt auch Georg Lackner fest. Der Manager des Nordwestzentrums in Frankfurt jubelt geradezu, wenn er von den Umsätzen der vergangenen Wochen berichtet – ohne allerdings konkret zu werden. „Die Samstage waren alle gnadenlos gut“, sagt er. Dabei sei die Stimmung im Einzelhandel vor Jahresfrist noch geradezu depressiv gewesen.
Mit ihm hofft Frank Albrecht, Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands, dass der heutige Samstag und die nächste Woche weiter gute Umsätze bringen. Ihn ärgert dabei, dass derzeit die Zeil an etlichen Stellen in grauem Matsch versinke, während etwa Münchener Händler davon berichteten, wie perfekt die dort zuständigen Betriebe für einen matschfreien Weg zum Weihnachtseinkauf sorgten.

