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Wächtersbacher Messe Wirtschaftsschau und Unterhaltung

 ·  Bei der nun eröffneten Wächtersbacher Messe präsentieren sich Unternehmen aus dem Osten Hessens - und tönerne Krieger aus dem Reich der Mitte.

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„Haben die wirklich alle gelebt?“, wollte ein Knirps von vielleicht neun Jahren von seinem Vater wissen. Der kam aus dem Staunen kaum heraus und sagte, ohne auf die Frage einzugehen: „Wahnsinn! Das haben die Chinesen alles nachgemacht und hierhergebracht.“ Dabei hatten Vater und Sohn die Hauptattraktion, die tönernen Soldaten in Lebensgröße aus der Grabanlage des ersten chinesischen Kaisers Qin, noch gar nicht gesehen, sondern standen erst kurz hinter dem Eingang vor den 1500 in Schlachtformation aufgestellten Miniatur-Infanteristen.

Die auf ein Fünftel der Größe reduzierten, aber in allen Details haarklein nachgebildeten Krieger beanspruchten schon einen großen Teil der riesigen Zelthalle für sich. Wie aus dem Nichts tauchten dann ein Stück weiter aus dem dunklen Raum, raffiniert angestrahlt von Scheinwerfern, rund 100 Krieger der Terrakotta-Armee auf, so mächtig ausschauend wie die echten, die Qins 56 Quadratkilometer große, erst zu einem kleinen Teil von Archäologen erschlossene Grabanlage am Berg Li bewachen.

Blick in vergangene Welten

Die insgesamt 20 Tonnen schweren Repliken aus der Ton-Armee des ersten Kaisers von China, der von 221 bis 206 vor Christus als Gewaltherrscher regierte und 700.000 Bauern beim Bau seines Mausoleums als Zwangsarbeiter einsetzte, sind zweifelsohne das Glanzstück der 59. Wächtersbacher Messe. Sie wurde am Samstag von Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) eröffnet und dauert bis zum 20. Mai. Als größte Verbraucherausstellung für Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Neuheiten, Bauen und Wohnen zwischen Frankfurt und Fulda gilt sie nicht nur als Barometer der regionalen Wirtschaft, sondern bietet auch viel Kultur und Unterhaltung.

Imposante Schauen, deren Besuch im normalen Messepreis eingeschlossen ist und einen aufregenden Blick in vergangene Welten ermöglichen, haben sich als Publikumsmagneten erwiesen. Das trifft auch auf die Ton-Armee zu. Bei Führungen erfahren die Besucher allerlei über die 1974 entdeckte, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhobene und oft gar als achtes Weltwunder bezeichnete Grabanlage.

Ausstellungsmacher Christian Rode aus dem hessischen Lauterbach legte auf Nachfrage Wert auf die Feststellung, dass die Schau in Zusammenarbeit mit chinesischen Institutionen zustande gekommen sei. Die Exponate stammten aus zertifizierten Museumswerkstätten nahe der mittelchinesischen Stadt Xiang, die heute allein die originalgetreuen Repliken herstellen dürften. Diese kann, mit dem Signaturstempel der Werkstätten versehen, der Messebesucher auch kaufen: diverse etwa 35 Zentimeter hohe Figuren für 30 Euro, lebensgroße für 1500 Euro.

Virtuelle Radtour nach Peking

Eine Halle weiter schlagen sportliche Menschen auf ganz andere Weise eine Brücke zu dem Land, aus dem die Ton-Armee stammt. Auf sechs sogenannten Indoor-Cycling-Rädern strampeln sich Hobbyradler und sportlich Ambitionierte für einen guten Zweck ab, um während der neun Messetage insgesamt – virtuell – die Strecke von 10.000 Kilometern bis nach Peking zurückzulegen. Mehr als 300 Fahrer sollen sich in die Sättel schwingen, um das Ziel zu erreichen. Zuschauern wird per Bildschirm vermittelt, wo die Radler der Aktion „Räder ohne Grenzen – 10.000 Kilometer als Botschafter der Region“ wären, wenn sie tatsächlich unterwegs wären.

Den 860 Kilometer entfernten polnischen Partnerkreis Lublin des Main-Kinzig-Kreises hatten sie schon nach wenigen Stunden hinter sich gelassen und näherten sich am Abend des ersten Tages schon stark der Wächtersbacher Partnerstadt Troizk in Russland, während der Messebetrieb ebenfalls kräftig Fahrt aufnahm und zu bestätigen schien, was mehrere Politiker bei der Eröffnung im Bürgerhaus dank günstiger Konjunkturprognosen erwarteten. Weimar warnte allerdings vor übertriebenen Erwartungen. An eine positive Entwicklung glaubte aber auch er, wobei Messen wie die Wächtersbacher wichtig für die Binnenkonjunktur seien, dienten sie doch nicht nur dazu, Bedarf zu befriedigen, sondern auch zu schaffen.

Landrat Erich Pipa (SPD) stellte den Auftritt vieler regionaler mittelständischer Firmen heraus, die – zum Teil sogar als Marktführer in Deutschland – mit dafür gesorgt hätten, dass der Main-Kinzig-Kreis mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an alternativen Energien versorgt werde. Während dieser bundesweit nur zwölf Prozent betrage, seien es im Main-Kinzig-Kreis 25 Prozent. Pipa will dazu beitragen, dieses Ergebnis nochmals kräftig zu steigern. „Ich glaube, mehr als 50 Prozent sind in zehn Jahren zu schaffen.“ Ein ehrgeiziges Ziel für die nahe Zukunft gab der Landrat auch für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aus. Mit 6,7 Prozent stehe der Kreis im Moment in Hessen am zweitbesten da. Er will sie unter fünf Prozent drücken und den Main-Kinzig-Kreis zur Nummer eins in Hessen machen.

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