31.12.2007 · Zahlreiche Versorgungsunternehmen der Rhein-Main-Region haben höhere Strompreise angekündigt. Der Wechsel kann sich mehr denn je lohnen: Ein Vier-Familien-Haushalt im Taunus spart dabei 100 Euro oder mehr im Jahr.
Von Manfred KöhlerWie fast immer steigen mit Beginn des neuen Jahres vielerorts auch die Strompreise. Die Eswe Versorgungs AG in Wiesbaden verlangt von Januar an gut sechs Prozent mehr, die Süwag Energie AG will sogar neun Prozent zusätzlich, und auch in Hanau wird man für Strom mehr zahlen müssen. Die Mainova AG hat zwar zugesagt, die Preise im ersten Quartal konstant zu halten. Das Frankfurter Unternehmen hatte seine Tarife allerdings auch erst im Juli kräftig hochgesetzt, um sechs Prozent.
Die Kunden sind den örtlichen Unternehmen aber längst nicht mehr ausgeliefert. Sie können zwischen einer Vielzahl von Anbietern wählen - der heimische Versorger ist verpflichtet, den Strom durchzuleiten. Je stärker die Preise steigen, desto mehr kann sich ein solcher Wechsel lohnen. Im Taunus etwa sind bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden - das entspricht ungefähr dem eines Vierpersonenhaushalts - 100 Euro im Jahr und mehr an Einsparungen möglich, wie bei den Preisvergleichen des Heidelberger Unternehmens Verivox im Internet zu sehen ist (siehe Tabelle).
Ins Kleingedruckte schauen lohnt sich
Die Branche hat in den vergangenen Monaten einen Prozess vollzogen, den man schon vom Telefonieren her kennt. Der Wettbewerb wird härter, aber damit werden die Tarife auch unübersichtlicher. Es empfiehlt sich mithin unbedingt, das Kleingedruckte zu lesen. So sind in den Preisvergleichen von Verivox Bonuszahlungen beim Gesamtpreis für ein Jahr bereits berücksichtigt - deshalb schneidet zum Beispiel der Ökotarif der Entega Vertrieb GmbH & Co. KG in Frankfurt so gut ab. Die gemeinsame Vertriebstochter der Heag Südhessische Energie AG aus Darmstadt und der Stadtwerke Mainz AG schreibt Neukunden einmalig 50 Euro gut. Außerdem gilt der Tarif nur bei der Erteilung einer Einzugsermächtigung und bei der Kontaktaufnahme mit dem Anbieter ausschließlich über das Internet.
Die beiden letztgenannten Punkte mögen den meisten Kunden als unwichtig erscheinen. Wie stark das Interesse der Versorger aber daran ist, dass die Kundschaft eine Einzugsermächtigung erteilt, so dass umstandslos an deren Geld zu kommen ist, zeigt sich am deutlichsten bei der Mainova: Ohne eine solche Ermächtigung zahlt man beim Online-Angebot „Mainova Strom Direkt“ für 3500 Kilowattstunden gut 708 Euro, mit einer solchen hingegen lediglich knapp 697.
Ob es klug ist, einen etwas höheren Preis zu zahlen und sich dafür eine Preisgarantie für einen mehr oder weniger langen Zeitraum zu erkaufen, ist eine Mentalitätsfrage. Die Süwag hat zuletzt im Taunus massiv für einen „Garant“-Tarif geworben, bei dem zwei Jahre lang eine weitere Erhöhung - nach der besonders saftigen zum 1. Januar 2008 - ausgeschlossen ist. Es ist wie an der Börse: Ob der Kunde damit richtig lag, wird er erst im Nachhinein wissen. Vergleicht man den „Garant“-Tarif mit dem günstigsten, der im Taunus zu haben ist, dem aktuellen Angebot der Flexstrom GmbH, so sieht man die beachtliche Ausdifferenzierung der Preismodelle mit einem Schlag. Die Berliner Gesellschaft unterbietet alle anderen, verlangt aber Vorauskasse für ein Jahr, was nicht jedermanns Sache ist. Gekauft wird damit ein bestimmtes Kontingent, im Beispiel sind es 3600 Kilowattstunden. Wer doch mehr verbraucht, zahlt drauf, wodurch der Preisvorteil rasant schmilzt.
Ökostrom aus Wasser - und aus dem Ausland
Ökostrom ist zur ernsthaften Konkurrenz geworden. Fast alle Versorger haben heute entsprechende Tarife - auch die, die selbst Kohlekraftwerke betreiben oder gar mit Konzernen verbunden sind, die weiterhin auf Atomenergie setzen. Wer mag, kann eine Parallele zum Boom der Bioware sehen, die es ja auch längst in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Dass bei den günstigen Ökotarifen der Strom nach den Angaben im Internet zumeist zu 100 Prozent aus Wasserkraft stammt, verweist auf die Strategie der Energieversorger. Sie kaufen diesen Strom im Ausland, in Schweden etwa oder in Österreich, wo es an Talsperren nicht mangelt. Wie dann aber wiederum derjenige Strom erzeugt wird, der in diesen Ländern den mit Wasserkraft erzeugten ersetzt, ist schwer zu sagen. Beim Bund für Umwelt und Naturschutz ist man längst skeptisch gegenüber dieser Art von „Billig-Ökostrom“ und mag dessen Bestellung allenfalls als politisches Signal akzeptieren.
Nicht die unwichtigste Frage ist, wie lange man sich vertraglich an einen neuen Versorger bindet. Auch hier fehlt es nicht an Varianten. Im zu Ende gehenden Jahr hat sich so viel am Strommarkt getan - warum sollte es 2008 anders sein? So ist die Vertragslaufzeit auch wieder so eine Wette, bei der der Kunde erst hinterher weiß, ob er klug gehandelt hat.