30.08.2010 · Die Stadt Darmstadt will über ihre Beteiligungsholding Heag AG weitere Anteile am Energieversorger HSE kaufen, der bisher schon zu mehr als der Hälfte der Heag gehört.
Von Jan Schiefenhövel, DarmstadtDie Stadt Darmstadt will über ihre Beteiligungsholding Heag AG weitere Anteile am Energieversorger HSE kaufen, der bisher schon zu mehr als der Hälfte der Heag gehört. Die Heag Holding AG werde dem Energiekonzern Eon seine 40 Prozent an den Aktien der Heag Südhessische Energie AG (HSE) abkaufen, sagte Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) am Montag. Dann gehöre die HSE zu 93 Prozent der städtischen Holding. Als Kaufpreis seien rund 240 Millionen Euro ausgehandelt, dazu komme noch eine Zahlung von rund 65 Millionen Euro an Eon als Ausgleich für Dividenden. Die Übernahme solle zum Beginn des nächsten Jahres wirksam werden. Der Aufsichtsrat der HEAG habe dem Kauf mit großer Übereinstimmung zugestimmt, berichtete der Oberbürgermeister, der dem Gremium vorsitzt. Es fehle noch die Zustimmung der Gremien des Eon-Konzerns und der Darmstädter Stadtverordneten. Der Magistrat und die Fraktionen seien informiert. Die HSE erwirtschaftet mit ihren Tochtergesellschaften, zu denen der Stromanbieter Entega gehört, einen Umsatz von einer Milliarde Euro und beschäftigt 2400 Mitarbeiter.
Mit dem Kauf der HSE-Anteile verfolgt die Holding die Strategie, die die Stadtverordneten 2009 festgelegt hatten, wie Hoffmann sagte. Dank der Aktien gewinne die Kommune mehr Einfluss. Über ihre Tochtergesellschaft Entega biete die HSE Strom aus erneuerbaren Energiequellen, das Unternehmen entwickle sich immer mehr zu einem Anbieter von Ökostrom. Da sei es konsequent, sich von Eon zu trennen, weil dieser Konzern sich an Atomkraftwerken beteilige.
Ein für die Stadt guter Preis
Der Erwerb der HSE-Anteile eröffne der Stadt neue Möglichkeiten, Energiepolitik zu betreiben und die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen zu fördern. Entega biete schon jetzt seinen Ökostrom in ganz Deutschland an und gewinne an Glaubwürdigkeit. Hoffmann denkt auch daran, weitere Städte und Landkreise als Partner zu beteiligen und ihnen HSE-Aktien anzubieten. Schon bisher gehören von fünf der übrigen sieben Prozent der HSE-Aktien Kommunen im Umkreis von Darmstadt, wie Heag-Vorstand Klaus-Michael Ahrend erläuterte. Nach seiner Auffassung gehört die HSE ins das Eigentum der Kommunen, weil diese, anders als ein Konzern oder ein Finanzinvestor, die Interesse der Region verträten.
Beim Erwerb des Aktienpakets handelt sich um einen Rückkauf. Die Anteile am Darmstädter Traditionsunternehmen HSE waren von 2000 an in mehreren Tranchen verkauft worden. Damals sei ein Vorkaufsrecht für die Stadt vereinbart worden, sagte Ahrend. Deshalb habe die Stadt jetzt die „einmalige Chance“, die HSE wieder fast vollständig in ihren Besitz zu bekommen.
Nach Einschätzung des Heag-Vorstands Markus Hoschek ist für den Rückkauf ein für die Stadt guter Preis ausgehandelt worden. Berücksichtige man die Inflation, zahle die Heag etwa soviel wie sie beim Verkauf vor einigen Jahren eingenommen habe. In der Zwischenzeit sei die HSE aber gewachsen und habe an Wert gewonnen. Die Holding erhalte nach dem Rückkauf der Anteile höhere Ausschüttungen als bisher, sagte Hoschek. Eine Bank habe die Finanzierung zugesagt, der Kredit könne aus den Ausschüttungen getilgt werden. Der Heag kämen dabei die zurzeit sehr niedrigen Zinsen zugute. Abgesichert werde das Geschäft mit einer Bürgschaft der Stadt, die deren Haushalt nicht belaste.