Im Grunde wäre die Louisenstraße in Bad Homburgs Innenstadt einer dieser Doppelstandorte. Auf Höhe des Kurhauses betreibt die Commerzbank hier seit jeher ihre eigene Filiale – kaum Hundert Meter weiter hat bislang die Dresdner Bank ihre Kundschaft bedient. Doch anders als anderswo fällt in der Kurstadt nun nicht eine der beiden Zweigstellen dem Zusammenschluss beider Banken zum Opfer.
Zu attraktiv ist die Kundschaft im wohlhabenden Vordertaunus. Deswegen baut die Bank ihre Privatvermögensverwaltung hier nun kräftig aus und macht aus der ehemaligen Dresdner-Bank-Filiale in der Louisenstraße 66 das Zentrum für die Beratung hessischer vermögender Kunden. Frankfurt und Wiesbaden werden zwar weiter als eigene Standorte geführt, die Mitarbeiter in der Landeshauptstadt bedienen zusätzlich die Kunden in Mainz und Saarbrücken. Doch das „Team Hessen“, wie die Commerzbank es nennt, wird von Bad Homburg aus neben dem Hochtaunus, dem Main-Taunus-Kreis und der Wetterau fortan auch die Regionen Wetzlar und Kassel bedienen.
Dresdner Bank ehedem aktiver
Im Geschäft mit betuchter Kundschaft war die Dresdner Bank vor der Übernahme weit aktiver als ihre neue Eigentümerin. In Bad Homburg hat sie sogar ein so genanntes Family Office betrieben, also eine Einheit, die besonders vermögende Kunden rundum betreut. Die Commerzbank hat dieses Geschäft bislang von Frankfurt aus geführt. Auch wenn es kleine Zahlen sind, wird mit der Zusammenlegung die Abteilung in Bad Homburg doch fast verdreifacht, von bislang vier Mitarbeitern auf nun elf. Zusammen mit den Standorten Wetzlar und Kassel unterstehen Geschäftsführer Christof Harwardt fortan 20 Angestellte, die insgesamt 500 Kunden mit einem Gesamtvermögen von einer Milliarde Euro betreuen.
Die Konsumforscher der GfK-Gruppe haben dem Hochtaunuskreis auch 2010 wieder die höchste Kaufkraft in Deutschland zugeschrieben, mehr noch als den Landkreisen Starnberg und München. Allein die Zahl der Einkommensmillionäre wird in dem Kreis mit 191 beziffert. So ist er seit jeher besonders attraktiv für die Privatvermögensverwaltung der Banken.
Die Commerzbank will im Wettstreit mit Konkurrenten wie UBS Sauerborn oder dem Bad Homburger Vermögensverwalter Feri vor allem auf den guten Draht zu wohlhabenden Unternehmern über ihre Mittelstandsbank setzen. Sie sollen künftig auch stärker für die private Vermögensverwaltung des Hauses gewonnen werden.
58.000 Privat- und Geschäftskunden
Die Leitung des Privat- und Geschäftskundensegments übernimmt zum 1. Juli Peter Stamm, der bislang die Bad Homburger Filiale der Dresdner Bank geleitet hat. In der Region, die auch Bad Nauheim, Friedrichsdorf, Bad Vilbel, Friedberg und Oberursel umfasst, kommt die zusammengeschlossene Bank nach eigenen Angaben auf 58.000 Privat- und Geschäftskunden, 20 000 davon zähle allein die Bad Homburger Filiale. Der bisherige Chef der Zweigstelle der Commerzbank, Thomas Franz, übernimmt ein Geschäftskundencenter in der Frankfurter Innenstadt.
Um das Geschäft mit Unternehmern in Bad Homburg und der Region weiter auszubauen, soll auch hier ein solches Geschäftskundencenter neu aufgebaut werden. Die Firmenkundenabteilung wird ebenfalls aufgestockt, wie es von Seiten der Bank heißt. Spiegelbildlich zur Privatvermögensverwaltung hat bislang nur die Commerzbank eine solche Abteilung in der Kurstadt gehabt, die Dresdner Bank hat ihre Firmenkunden von Frankfurt aus bedient. Die Mitarbeiter sollen ebenfalls in der ehemals grünen Filiale in der Fußgängerzone unterkommen. Von außen ist schon alles neu – im gelben Design der Commerzbank.

