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Veröffentlicht: 29.01.2017, 16:38 Uhr

Vermisste Gartenvögel Wo sind Amsel, Drossel, Fink und Star?

Gartenbesitzer sind besorgt: Sie vermissen die vertrauten Gartenvögel. Ornithologen fordern, mehr in den Gärten für die Tiere zu tun.

von , Rhein-Main
© dpa-Zentralbild Typischer Gartenvogel: Die Amsel macht sich dieses Jahr rar.

Mit Beginn des Winters haben beim Naturschutzbund (Nabu) in Wetzlar und bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in der Wetterau die Telefone nicht mehr stillgestanden. „Wo sind all die Vögel hin?“ war die meistgestellte Frage. Viele Gartenbesitzer vermissten das für sie gewohnte Treiben um die Futterhäuschen. Altbekannte Arten wie Meise, Fink und Amsel schienen verschwunden zu sein. Schlimmste Befürchtungen trieben die Hobby-Vogelkundler um. Hatten sie doch in den vergangenen Jahren schon erleben müssen, dass der unscheinbare Haussperling, der früher in jedem Garten zu finden war, mittlerweile auf der Roten Liste bedrohter Tierarten steht, Amseln durch das tropische Usutu-Virus bedroht sind und Grünfinken durch eine Krankheit massenhaft starben. Sollte es nun auch die übrigen Gartenvogelarten getroffen haben?

Mechthild Harting Folgen:

Die Zahl der Anrufe hat mittlerweile nachgelassen. Geblieben ist die Verunsicherung und die Frage, ob sich die heimische Gartenwelt dauerhaft verändert hat. Der Naturschutzbund, die Gesellschaft für Ornithologie und die Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Frankfurt geben jedenfalls keine Entwarnung. „Es gibt Vogelarten wie Star oder Spatz, deren Bestände haben sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren halbiert“, sagt Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie. „Es gibt einen ganz massiven Schwund an Biodiversität.“ Dass es in diesem Winter möglicherweise in dem einen Garten weniger Amseln, im nächsten kaum Kohl- oder Blaumeisen gibt, hat nach Ansicht der Fachleute viele Gründe, weist jedoch noch nicht auf einen Rückgang des Gesamtbestandes hin.

Bucheckern locken die Vögel in die Wälder

Der Dompfaff etwa, den manche auch Gimpel nennen, hat sich früher regelmäßig im Winter auf den Weg aus seiner nordeuropäischen Heimat in Richtung Süden gemacht. Seit einigen Jahren, seit die Winter milder sind, spart er sich das. Stübing vermutet, dass der gedrungen wirkende Vogel, dessen Männchen einen leuchtend roten Bauch haben, um diese Jahreszeit noch in Hamburg und Berlin zu finden ist. Nur in hiesigen Gärten fehlt er. Manche Kohlmeise, sagt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte, mache sich ebenfalls nicht mehr auf den Weg in die hessischen Gärten. Andere wiederum verließen Hessen in Richtung Süden, so dass es tatsächlich so wirken könne, als gäbe es weniger Meisen in den Gärten. Das haben die Beobachtungen bei der „Stunde der Wintervögel“ des Nabu in diesem Jahr bestätigt. Ein Drittel weniger Kohl- und Blaumeisen sind in den Gärten beobachtet worden.

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Vogelarten wie Amseln, Buch- und Bergfink, die Ringeltaube und auch die Blaumeise seien in diesem Winter jedoch nachweislich zu finden, heißt es. Nur würden sie sich weniger in Gärten, sondern zumeist in den Wäldern aufhalten. Denn 2016 ist ein ausgesprochen gutes Mastjahr gewesen, es gibt in den Wäldern Eicheln und Bucheckern in Hülle und Fülle, auch im Frankfurter Stadtwald. Bucheckern seien nahrhaft und locken die Vögel stark an, sagt Hormann. Dafür ließen die Tiere jedes Futterhäuschen stehen.

Vögel leiden unter intensiver Landwirtschaft

Wegen des verregneten Frühjahrs war das vergangene Jahr jedoch auch ein relativ schlechtes Brutjahr für die Gartenvögel. Es könnten also auch deshalb im Vergleich zu anderen Jahren in diesem Winter in den Gärten weniger Vögel zu sehen sein, sagen die Fachleute. Doch beim Gesamtbestand von Amseln, Meisen und Buchfinken sei kein deutlicher und schon gar kein besorgniserregender Rückgang zu erkennen. Zumal seit dem Wintereinbruch Anfang Januar an den Futterhäuschen wieder deutlich mehr los sei. Tausende von Wacholderdrosseln sind derzeit in der Wetterau zu sehen, und obwohl sie, üblicherweise die halboffene Landschaft schätzen, seien sie derzeit sogar in der Frankfurter Innenstadt etwa rund um die Alte Oper unterwegs, so Stübing. Die Tiere liebten keinen Schnee und seien vermutlich deshalb jetzt von Norddeutschland aufgebrochen und bis in die fast schneefreie Gegend um Frankfurt gezogen.

Darüber, dass die Vögel insgesamt unter der intensiven Landwirtschaft leiden, bei der viele Pestizide zum Einsatz kommen, sind sich die Ornithologen einig. Martin Hormann weist jedoch darauf hin, dass viele Bürger nicht sähen, was sie selbst für die Vögel in ihren Gärten tun könnten. Er plädiert dafür, auf Thujahecken, englischen Rasen und Schotter- und Kiesvorgärten zu verzichten. Stattdessen fordert er die Rückkehr zu naturnahen Gärten, in denen Disteln für den Distelfinken wachsen dürften und in denen Sonnenblumen und Heckenrose mit Hagebutten sowie „beerenstarke Sträucher“ wie die Holunderbeere gedeihen könnten. Schließlich sei die Fläche der Gärten in Deutschland mit 12.500 Quadratkilometern genauso groß wie alle Naturschutzgebiete im Land zusammen.

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