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Verkehr „Qualitätsscouts“ für saubere und pünktliche Busse

22.07.2009 ·  Der Verkehrsverband Hochtaunus hat aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und will jetzt die Fahrgäste mitreden lassen.

Von Bernhard Biener, Hochtaunuskreis
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Der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) will stärker auf Wünsche und Anregungen seiner Nutzer hören. Dazu hat der Vorstand des Zweckverbands, der den Nahverkehr im Kreisgebiet organisiert, einen Kundenbeirat einberufen. Die 20 Gründungsmitglieder haben sich in der vergangenen Woche zum ersten Mal getroffen. Vertreten sind organisierte Gruppen wie der Fahrgastverband Pro Bahn, die Fahrgastlobby Hochtaunus oder der Kreiselternbeirat, aber auch Einzelpersonen, die sich für die Interessen von Schülern, Senioren oder Tagestouristen einsetzen sollen. Um Mitglieder für den Kundenbeirat zu gewinnen, hatte sich der VHT-Geschäftsführer Arne Behrens an die 13 Kommunen des Hochtaunuskreises gewandt, die zugleich Gesellschafter des Zweckverbands sind, und um Hinweise auf entsprechend engagierte Personen gebeten.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) bezeichnete die Kommunikation mit den Fahrgästen als ein wichtiges Anliegen. „Wir haben aus den Schwierigkeiten bei der Umstellung des Busverkehrs gelernt“, sagte Krebs als Vorsitzender des Verbandsvorstands. Der VHT, bis dahin wegen der erfolgreichen Wiederbelebung der Taunusbahn eine anerkannte und geschätzte Gesellschaft, war Ende vergangenen Jahres mit der Neuvergabe der Buslinien in schwere See geraten. Als Ergebnis der vom Wettbewerbsrecht geforderten Ausschreibung waren die Linienbündel an zwei unterschiedliche Unternehmen vergeben und viele Linien neu geordnet worden.

Fahrplan müsse „entschlackt“ werden

Mit der Umstellung des Fahrplans kamen Schüler nicht mehr zum Unterricht, andere verpassten beim Umsteigen den Bus, einige Linien wurden von Anrufsammeltaxis bedient, die aber unterschiedliche Rufnummern hatten, und hinter dem Taunuskamm mussten oft ortskundige Einheimische die Fahrer zur richtigen Haltestelle lotsen. Der Protest war so massiv, dass der damalige Geschäftsführer sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat. Mehrfach hat der VHT inzwischen nachgebessert, und um den Busverkehr ist es mittlerweile ruhiger geworden.

Der erst seit Mai amtierende Behrens hat sich nach eigenen Worten die Arbeit mit den „Zielgruppen“ ins Stammbuch geschrieben. Der Geschäftsführer weiß, dass im Kundenbeirat durchaus unterschiedliche Interessen aufeinanderstoßen. Bisher sei der Busverkehr stark auf die Schulen ausgerichtet, die natürlich einen Schwerpunkt bildeten. „Aber die Interessen der Schüler sind nicht dieselben wie die von Pendlern, und Tagestouristen haben wieder andere Bedürfnisse“, sagte Behrens.

Zum Vorsitzenden des Gremiums wurde der Regionalvorsitzende von Pro Bahn, Helmut Lind, gewählt. Dieser äußerte sich auf Anfrage zufrieden darüber, dass beim VHT eine Interessenvertretung der Nutzer geschaffen worden sei. Während Geschäftsführer Behrens für den Beirat eine Größe von 15 bis 20 Personen für sinnvoll hält, will er insgesamt weit mehr Kunden einbinden. Er denke an etwa 50 Leute, die als „Qualitätsscouts“ die Linien im Auge hätten. Sie sollten über ihre täglichen Erfahrungen im Personennahverkehr berichten. Andere wiederum hätten vielleicht eine Haltestelle direkt vor der Haustür und könnten sehen, ob der Bus pünktlich komme. „Uns geht es um den subjektiven Blick, denn wir haben immer die Brille des Verkehrsvertrags auf“, sagte Behrens.

Er glaubt nicht, dass er zu hohe Erwartungen weckt, die dann nicht erfüllt werden können. Im Kundenbeirat oder auch mit Veranstaltungen in den Rathäusern will er darüber informieren, wo die Grenzen des Systems liegen: „Wie teuer ist der Nahverkehr, wie ist er organisiert?“ Das Schulgesetz zum Beispiel sehe nur die unentgeltliche Beförderung bis zur nächstgelegenen Schule vor. „Wenn Gonzenheimer Kinder in die Philipp-Reis-Schule nach Friedrichsdorf wollen, können wir nur die Kosten bis zur Bad Homburger Gesamtschule erstatten.“

Behrens hat konkrete Ideen für die Fahrplangestaltung. Zum Wechsel im Dezember will er flächendeckend Nachtbusse im Kreisgebiet einführen. Grundlegende Änderungen seien erst zum Fahrplanwechsel 2010/2011 möglich. Dann sollten Bahn und Schulen „stabil und robust“ an die Buslinien angebunden werden. Das könne im Einzelfall zwar eine Wartezeit von sieben statt zwei Minuten bedeuten, dafür aber könnten die Anschlüsse in jedem Fall eingehalten werden. Nach den vielen Nachbestellungen seit der Neuvergabe müsse der Fahrplan jetzt „entschlackt“ werden. Dabei sei die Gesamtleistung begrenzt: Der auf acht Jahre geschlossene Vertrag mit den Busunternehmen lasse beim Volumen nur je zehn Prozent Spielraum nach unten oder oben.

Wer sich im Kundenbeirat oder als Qualitätsscout engagieren will, kann sich unter der E-Mail-Adresse info@verkehrsverband-hochtaunus.de oder der Telefonnummer 061 72/999 44 44 beim VHT melden.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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