11.06.2010 · Die Stadt Mainz will Mitte 2011 eine Umweltzone einführen, die es zum Beispiel in Frankfurt schon gibt. Ein Gutachten soll verlässliche Daten mit Blick auf Ausnahmeregelungen liefern.
Von Markus Schug, MainzAls erste Stadt in Rheinland-Pfalz erwägt Mainz die Einführung einer Umweltzone, die aber wohl frühestens Mitte 2011 eingerichtet werden kann. Vor allem wegen der an der Luftmessstation Parcusstraße ermittelten Stickstoffdioxidwerte, für die zum großen Teil der Kraftfahrzeugverkehr verantwortlich gemacht wird, sei die Stadt zum Handeln gezwungen, sagte Pressesprecher Ralf Peterhanwahr.
Mit dem 2009 in Bahnhofsnähe erhobenen Jahresmittelwert von 61 Mikrogramm Stickstoffdioxid je Kubikmeter Luft werde der von der Europäischen Union vorgegebene Grenzwert von 40 Mikrogramm deutlich überschritten. Weshalb die Stadt vom Landesumweltamt aufgefordert worden sei, für eine merkliche Reduzierung der Belastung zu sorgen. Daran ändere auch nichts, dass bei Stickstoffdioxiden und Feinstaub die aktuell gemessenen Werte viel niedriger seien als noch vor zehn bis 20 Jahren.
In Frankfurt seit 2008
Wiesbaden plant für 2011 ebenfalls die Ausweisung einer Umweltzone, wie es sie bundesweit schon in etwa 40 Städten gibt; in Rheinland-Pfalz sind Ludwigshafen und Koblenz weitere Kandidaten. So wie es in Frankfurt, Stuttgart und Berlin bereits seit 2008 praktiziert wird, dürfen Autofahrer dann nur noch in die Innenstadt fahren, wenn ihr Wagen über eine Feinstaub-Plakette verfügt, die dem Halter je nach Schadstoffausstoß seines Wagens in den Farben Rot, Gelb und Grün zugeteilt wird. Wer ohne eine solche Kennung erwischt wird, muss mit einem Bußgeld und einen Punkt im Verkehrszentralregister rechnen.
Vorschläge dazu, wie die Mainzer Umweltzone im Idealfall zugeschnitten sein sollte und welche Ausnahmeregelungen, etwa für Anwohner und Handwerker, es geben könnte, erhofft sich die Verwaltung von einem Gutachten, für das 10.000 Euro bewilligt wurden. Mit den Ergebnissen wird laut Peterhanwahr noch in diesem Jahr gerechnet. Man erwartete sich mehrere Szenarien und Modellberechnungen, um die Wirkung verschiedener Varianten miteinander vergleichen zu können. So ist noch offen, ob neben Neu- und Altstadt künftig auch die Oberstadt und der Stadtteil Hartenberg-Münchfeld nur mehr „mit Plakette“ anzusteuern sein werden, wie es Umweltdezernent Wolfgang Reichel (CDU) für wahrscheinlich hält; auch weitere Vororte könnten noch hinzukommen.
Zusätzliche Straßenreinigungen
Während die Luftmessungen an den Stationen Mombach, Goethestraße und Zitadelle meist keinen Grund zur Besorgnis geben, sieht die Sache entlang der Verkehrsachsen Große Langgasse, Rheinallee und Parcusstraße spätestens bei Inversionswetterlagen anders aus. Trotz zusätzlicher Straßenreinigungen wurden die Feinstaubgrenzwerte 2009 allein an der Parcusstraße 28 Mal überschritten; wobei dies bis zu 35 Mal per anno erlaubt ist.
Die von der Stadt angekündigte Initiative stößt nicht überall auf Gegenliebe. So wartet der ADAC bundesweit auf Angaben darüber, ob die Umweltzonen die erwünschten Erfolge haben. Die Mainzer Handwerkerschaft forderte Ausnahmeregeln für Firmen, die über ältere Autos verfügen. Auch mancher Anwohner fragt sich, ob er seinen Wagen früher verschrotten muss. Nicht zuletzt sehen sich die Gegner des 05-Stadions bestätigt: Weil das teure Prestigeobjekt auf den als Kaltluftseen wirkenden Feldern bei Bretzenheim hochgezogen werde, müsse die Stadt eine Umweltzone einrichten, um noch Luft zum Atmen zu haben.