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Umwelt Schwere Zeiten für Hessens Wald

26.10.2005 ·  Insekten, Autoabgase und die Spätfolgen des Jahrhundertsommers 2003 haben in diesem Jahr die Kronen der hessischen Bäume weiter gelichtet.

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Insekten, Autoabgase und die Spätfolgen des Jahrhundertsommers 2003 haben in diesem Jahr die Kronen der hessischen Bäume weiter gelichtet.

Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) berichtete am Mittwoch im Forst bei Königstein von dramatischen Blattverlusten vor allem bei alten Eichen, deutlich mehr Mistelparasitenbefall bei Kiefern und einer von 0,4 auf 0,6 Prozent gestiegenen Absterberate aller hessischen Bäume.

Forderungen nach mehr Klimaschutz

Daß unter dem Strich nur eine „leichte Verschlechterung“ der Gesamtlage herauskam, ist vor allem der Anpassungsfähigkeit der hessischen Buchenbestände zu verdanken. Diese mit rund 41 Prozent wichtigste hessische Baumart hat sich nach den Hitzeschäden besonders schnell wieder erholt.

Umweltverbände und Landtagsgrüne wiederholten ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz und Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald machte auch die Personalkürzungen bei Hessens Förstern und Waldarbeitern für die Schäden verantwortlich.

Buchen im Schnitt zu 32 Prozent geschädigt

Nach Dietzels Worten bleibt der durchschnittliche Blatt- und Nadelverlust der hessischen Bäume auf hohem Niveau. Von 25 Prozent im Vorjahr verschlechterte er sich noch mal leicht auf 26 Prozent. Buchen waren im Schnitt zu 32 Prozent geschädigt und konnten sich damit im Vergleich zum Vorjahr (38 Prozent) erholen. Bei Fichten und Kiefern gab es eine leichte Verschlechterung.

Misteln an Kiefern, die als „Schwächeparasiten“ gelten, haben sich seit 2002 fast verdoppelt und sind mittlerweile an fast jeder fünften Kiefer zu finden. Die sprunghaft von 22 auf 34 Prozent gewachsenen Blattverluste bei alten Eichen führt der Bericht vor allem auf den starken Blattfraß von Eichenwicklern und Frostspannern zurück.

Luft- und Bodenschadstoffe zentrale Ursache

Daß sich diese Insekten so stark vermehrt hätten, hänge auch mit dem Jahrhundertsommer 2003 zusammen, sagte der Waldforscher Prof. Johannes Eichhorn vom Landesbetrieb Hessenforst. Vor diesem Hintergrund müsse die von Wissenschaftlern vorhergesagte Erwärmung in Hessen um durchschnittlich 2 bis 3 Grad bis zum Jahr 2050 aufmerksam beobachtet werden. Nach Dietzels Angaben startet das Land dazu im November ein Klimaschutzprogramm. Es gehe darum herauszufinden, welche Folgen die höheren Temperaturen für die Land- und Forstwirtschaft und den Hochwasserschutz haben.

Eine zentrale Ursache der Waldschäden blieben die Luft- und Bodenschadstoffe, sagte der Umweltminister. Die Belastung mit „saurem“ Sulfatschwefel aus Industrieanlagen sei dabei im Verhältnis zur Mitte der 80er Jahre schon um 85 Prozent zurückgegangen. Stickoxide, die aus Auto- und Flugzeugabgasen und Dünger in der Landwirtschaft kämen, belasteten dagegen die Wälder weiter übermäßig. Stickoxide „düngen“ die Bäume und sorgen überirdisch für starkes Wachstum, mit dem die Wurzeln bei Sturm oder Trockenheit oft nicht mithalten können.

„Der hessische Wald wird nicht sterben“

Dietzel sagte, daß das Land an den Kalkungsprogrammen gegen Luftschadstoffe festhalte. Auch im kommenden Jahr würden rund eine Million Euro für Landeswälder ausgegeben. Hinzu komme die Förderung für Privat- und Kommunalwälder von in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro. Die Forstverwaltung achte außerdem auf eine gesunde Mischung der Baumarten und vermeide Kahlschläge. „Wir sorgen uns um den Wald, aber der hessische Wald wird nicht sterben.“

Die Landtagsgrünen nannten Dietzels Versprechen, auf Kahlschläge verzichten zu wollen, „Heuchelei“. Am Frankfurter Flughafen erforderten die geplante A 380-Halle und die neue Landebahn gewaltige Kahlschläge. Außerdem würden die Einschlagpläne gerade für die besonders gefährdete Eiche seit Jahren um 30 Prozent überzogen, bemängelte der Grünen-Abgeordnete Martin Häusling.

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