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Umwelt Meßstation fehlt: Keine Feinstaub-Werte für Gießen

31.03.2005 ·  Die Belastung der Luft mit Feinstaub wie Dieselruß beruhigt auch in Hessen Kommunalpolitiker und Umweltschützer. Doch nicht überall wird anhand nachprüfbarer Daten argumentiert und gewarnt. In Gießen zum Beispiel.

Von Thorsten Winter
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Auch wenn Wirtschaftsminister Wolfgang Clement inzwischen „hysterische Züge“ in der Debatte sieht: Die Belastung der Luft mit Feinstaub wie Dieselruß beruhigt auch in Hessen Kommunalpolitiker und Umweltschützer. Schließlich droht mancherorts die von der Europäischen Union gesetzte Grenzwert bald überschritten zu werden. Doch nicht überall wird anhand nachprüfbarer Daten argumentiert und gewarnt. In Gießen zum Beispiel.

An höchstens 35 Tagen im Jahr dürfen sich mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft wiederfinden. Seit Jahresbeginn ist der Grenzwert in Frankfurt und Darmstadt an jeweils 25 Tagen überschritten worden, in Kassel an 17 und in Hanau an 15 Tagen (F.A.Z. vom 30. März). Auch das an der vielbefahrenen Bundestraße 49 liegende Wetzlar ist unangenehm aufgefallen. Dagegen taucht das von einem Autobahnring umgebende Gießen nicht auf der Liste der mit Feinstaub besonders belasteten Kommunen auf. Der Grund: Derzeit weiß niemand, in welchem Maße die Luft verunreinigt ist. Es mangelt schlicht an einer Meßstation, die brauchbare Daten ermitteln kann.

Stadt und Landesamt uneins über neuen Standort

Noch vor einem Jahr befand sich eine solche Einrichtung am Rand des Innenstadtrings. Die Station fiel aber dem Bau eines Einkaufszentrums zum Opfer. Seitdem kann die Luftgüte im Gießener Raum nur in der Nachbargemeinde Linden gemessen werden: auf freiem Feld zwischen zwei Ortsteilen. Die dort ermittelten Werte können folglich nicht auf die Innenstadt von Gießen übertragen werden.

So sucht die Stadtverwaltung nach einem Standort für eine neue Meßstation. Die vor Monaten geäußerte Idee, den Container mit den Instrumenten an den Stadtrand zu setzen, ist inzwischen vorworfen worden. Zum einen zieht das Landesamt für Umwelt und Geologie einen Platz in der Innenstadt vor, zum zweiten legt die Feinstaub-Debatte dies nahe, wie Alexander Steiß, Referent von Stadtbaurat Thomas Rausch (CDU) dieser Zeitung sagte. Nur: Wo die Luftgüte künftig ermittelt werden soll, sei unklar.

Meßstation kostet bis zu 400.000 Euro

Der vom Landesamt geäußerte Vorschlag, die Meßstation neben einem nahegelegenen Parkhaus zu errichten, stößt wiederum bei der Verwaltung auf wenig Gegenliebe. Der Container könnte zum Hindernis für Blinde werden und würde sich zudem kaum ins Stadtbild einpassen, obwohl er das baurechtlicher Regeln wegen müßte. Einen anderen geeigneten Platz als jenen beim Parkhaus sieht das Landesamt gleichwohl nicht, wie der zuständige Mitarbeiter Matthias Büchen sagte. Die Meßstation müsse an einem Ort stehen, der repräsentativ für die Innenstadt sei.

Im übrigen suche eigentlich die Behörde einen Standort aus, den sie dann der Kommune mitteilte. Schließlich investiere das Landesamt die 300.000 Euro bis 400.000 Euro für die Station, nicht die Stadt. „An sich sieht es dumm aus, keine Meßstation in Gießen zu haben“, meint Büchen. Luftverschmutzung und Verkehrsprobleme gebe es aber auch anderswo. Und die Geduld des Amtes sei nicht unendlich.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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