14.10.2009 · Der Eon-Konzern hat erstmals Zweifel erkennen lassen, dass er das Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg wie beabsichtigt erweitern wird. Der geplante Bau des Blocks 6 wird überprüft, wie die Rhein-Main-Zeitung erfuhr.
Von Manfred KöhlerDer Eon-Konzern hat erstmals Zweifel erkennen lassen, dass er das Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg wie beabsichtigt erweitern wird. Der geplante Bau des Blocks 6 werde überprüft, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Energiekonzerns auf Anfrage. Er verwies auf die Wirtschaftskrise, die auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach Strom habe, und auf die deutlich gestiegenen Baukosten solcher Anlagen.
Staudinger zähle zu einem größeren Kreis von Kraftwerksbauten des Konzerns, bei denen noch einmal genauer hingeschaut werde, wann der richtige Investitionszeitpunkt gekommen sei. Der Sprecher bestätigte, eine solche Überprüfung könne sowohl zum Ergebnis haben, dass das Vorhaben wie geplant durchgezogen werde, wie auch einen späteren Baubeginn oder gar einen Verzicht auf den Neubau.
„Kein Zusammenhang mit Kernkraftwerken“
Ausdrücklich wies der Eon-Sprecher die Vermutung zurück, es bestehe ein Zusammenhang mit der absehbaren Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken durch die künftige Koalition aus CDU, CSU und FDP im Bundestag. Einen solchen Zusammenhang hatte am Dienstag das Aachener Stadtwerke-Netzwerk Trianel hergestellt.
Dort war argumentiert worden, ein Ausstieg aus dem Atomausstieg werde in Deutschland Milliardeninvestitionen in konventionelle Kraftwerke verhindern. Da die überalterten Kraftwerke dringend erneuert werden müssten, sei eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ein falsches Signal – und für die Umwelt kontraproduktiv, da alte Kohlekraftwerke mit niedrigen Wirkungsgraden weiterliefen.