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Tierkrematorium Mit Andachtsraum und großer Urnenauswahl

 ·  In Darmstadt hat das erste Tierkrematorium im Rhein-Main-Gebiet eröffnet. Dort werden die Kadaver verbrannt und die Urne mit der Asche dem trauernden Besitzer übergeben.

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Als Carsten Weber 1998 in Darmstadt seine Firma Pax Animalis für Tierbestattungen eröffnete, da war die Fahrt nach Holland zur Einäscherung von Tieren für ihn noch an der Tagesordnung. Denn vor der Jahrtausendwende gab es in Deutschland keine Tierkrematorien. Wer seinen verstorbenen Hund oder seine Katze nicht im eigenen Garten begraben konnte oder auf eine nicht immer billigen Tierfriedhof beerdigen wollte, konnte das Tier entweder zu einem Tierbestatter wie Weber bringen oder zur „Entsorgung“ beim Tierarzt lassen. Was der damit in der Regel machte, weiß Klaus Göck genau, denn bis zu seinem Ruhestand arbeitete der Inhaber der Attiba Tierkrematorium AG selbst als Tierarzt in der Nähe von Karlsruhe: „Er legte es in einen Abfallbehälter, wartete, bis der Entsorgungswagen kam, und gab es dann für die Verwertung mit.“

Über das, was mit dem tierischen Leichnam anschließend geschah, spricht Göck eigentlich nicht gerne. Es ist aber wichtig, um zu verstehen, warum er vor drei Jahren nahe seiner Praxis ein Krematorium eröffnet hat: „In der Tierbeseitigungsanlage wird das tote Tier in einen riesigen Trichter geworfen, in einer Schnecke zerkleinert und alles anschließend in einem Dampfkochtopf unter Druck stark erhitzt. Aus der Masse presst man dann das Fett ab, das in der Industrie verwendet wird, der Rest wird zu Tiermehl verarbeitet, das früher als Futtermittel diente, heute meist an Müllheizkraftwerke geht.“ Die Kapazitäten solcher Anlagen seien mit 80.000 Tonnen und mehr im Jahr enorm.

Kleine Särge aus Holz

Göck hat vor einigen Monaten in Darmstadt ein weiteres Tierkrematorium eröffnet. Es befindet sich in einem Gewerbegebiet an der Pallaswiesenstraße in einem Gebäude, in dem auch Tierbestatter Weber sein Geschäft hat. Der Tierarzt reagierte damit auf Erfahrungen in seiner Praxis, in der er von Menschen immer häufiger nach einer würdigen Alternative gefragt worden sei, und auf die Situation im Rhein-Main-Gebiet: Während es in Deutschland mittlerweile zehn Tierkrematorien gebe, existiere eine solche Anlage in Frankfurt und Umgebung noch nicht.

Pax Animalis als Partner von Attiba hat Ähnlichkeit mit einem herkömmlichen Bestattungsinstitut. Im Schaufenster stehen Urnen, es gibt eine Art Andachtsraum, in der Herrchen und Frauchen vorn dem aufgebahrten toten Tier auf Wunsch Abschied nehmen können, bevor es in den hinteren Gebäudeteil zur Verbrennung gebracht wird. Diese können die Tierhalter in einem separaten Warteraum mitverfolgen, da eine Kamera den Vorgang dorthin überträgt. Auch hier sind kleine Särge aus Holz aufgestellt sowie Urnen in unterschiedlichsten Größen und Materialien auf Regalen gereiht, die alle erworben werden können – von 30 Euro an aufwärts.

„Identitätsstein“ wird totem Tierkörper beigefügt

Die Einäscherungsanlage von Göck ist zugelassen für eine Jahreskapazität von 150 Tonnen, und sie ist, wie der Betreiber sagt, absolut ungefährlich und geruchsneutral. Das tote Tier werde in der Hauptkammer bei großer Hitze verbrannt und die dabei freiwerdenden Gase und der Wasserdampf einer zweiten Brennkammer mit einer Temperatur von mindestens 850 Grad zugeführt. Übrig bleibe eine Mischung aus Asche und Knochenresten: „Das ist alles absolut steril.“

In Darmstadts Tierkrematorium gibt es neben der sogenannten Einzel- auch die Sammeleinäscherung, die mit rund 80 Euro preiswerter ist. „Die meisten Kunden wollen aber die Einzeleinäscherung“, sagt Weber – was einer der Gründe ist, warum im Warteraum die Kameraübertragung angeboten wird. „Wir müssen“, sagt Göck, „in kurzer Zeit bei den Menschen das Vertrauen herstellen, dass es sich bei der Asche auch um die ihres Tieres handelt.“ Garantieren soll dies neben der Kamera der „Identitätsstein“, ein Schamottstein mit Nummer, der dem toten Tierkörper beigefügt wird, bevor er in den Brennofen kommt.

Einäscherung von Pferden

Der Preis für die Einzeleinäscherung fängt bei 186 Euro an und steigt je nach Körpergewicht des Tieres. Der Berner Senn-Hund, den Weber vor kurzem abholte, hat seinen Halter daher einige Euro mehr gekostet. Solche großen Tiere sind aber nicht die Regel. „Uns werden unheimlich viele Katzen gebracht, immer wieder auch Hunde, einen Hamster hatten wir auch schon“, sagt Weber.

Für den Senn-Hund hat die Anlage gereicht, ein Pferd hingegen würde auch die Kapazität von Darmstadts neuem Tierkrematorium übersteigen. Dass Pferde verbrannt und bestattet werden, kommt nach den Erfahrung Göcks keineswegs selten vor. Auch hier habe sich die Einstellung des Menschen zum Tier stark verändert. Sollte es in Darmstadt einen solchen „Trauerfall“ geben und Weber gerufen werden, dann bleibt dem Tierbestatter vorerst wieder nur der Weg nach Holland. Solche Transportdienste gehören aber weiter zu seinem Leistungsangebot.

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