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Tierfriedhof „Legal trauern“

22.07.2009 ·  Was tun, wenn das Haustier gestorben ist? Wer keinen eigenen Garten für die Beerdigung hat, kann den Tiefriedhof in Rödelheim nutzen. Auch Wiesbaden will nun eine Begräbnisstätte für Tiere errichten.

Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden
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Die Malteserhündin ihrer Eltern sei wie ein Mitglied der Familie, sagt die Stadtverordnete Astrid Wallmann. Wenn ein solches Tier sterbe, wolle man „legal trauern“. Marion Petri, umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Wiesbadener Rathaus, zeigt sich davon ebenfalls überzeugt. Sie erinnert sich noch genau an die Jahrzehnte zurückliegende Beerdigung ihres Wellensittichs.

Dritter im Bunde ist Andreas Knüttel. Der Ortsvorsteher im Stadtbezirk Südost stammt vom Land und scheint im Umgang mit Zwei- und Vierbeinern etwas nüchterner zu sein als seine beiden CDU-Parteifreundinnen. Aber deren politisches Ziel unterstützt auch er: ein Tierfriedhof in Wiesbaden.

80 Euro für die Beerdigung eines kleinen Hundes

Die Idee sei in ihrer Fraktion sicher mehrheitsfähig, glaubt Petri. Aber bevor sie einen entsprechenden Antrag für den Umweltausschuss formulieren könne, müsse geklärt sein, wie realistisch das Vorhaben sei. Eben diesem Zweck sollte ein Besuch dienen, den das Trio dem Tierfriedhof im Frankfurter Stadtteil Rödelheim abstattete. Dabei interessierten Skurrilitäten wie etwa ein Chinchilla, der gemäß dem Wunsch der Hinterbliebenen „mit Blick auf den Taunus“ beerdigt wurde, die Besucher allenfalls am Rande. Ihnen kam es auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an.

In Frankfurt wurden sie 1997 geschaffen. Die Stadt reagierte auf das Drängen des Tierschutzvereins 1841, indem sie ihm eine etwas abgelegene, zum Teil bewaldete Brachfläche in der Nähe der Ludwig-Landmann-Straße zur Pacht anbot. Auf einem Hektar sind dort inzwischen 3000 Tiere beerdigt worden. Der Tierschutzverein ist der alleinige Gesellschafter der Tierfriedhof Frankfurt GmbH. Diese erwirtschaftet nach den Angaben der Geschäftsführerin Bärbel Wegener immerhin so viel Geld, dass sie eine Vollzeitstelle für einen Gärtner finanzieren kann.

Die Einnahmen lassen sich anhand der Preisliste aufschlüsseln. Danach kostet beispielsweise die Einzelbestattung einer Katze oder eines kleinen Hundes 80 Euro. Der dazu passende Holzrahmen schlägt mit 70 Euro zu Buche. Die Stelle muss mindestens drei Jahre lang gepachtet werden – für insgesamt 235 Euro. Zehn Euro für den Schlüssel zum Tor kommen hinzu. Weil das Gelände sich abschließen lässt, haben Vandalen keine Chance.

Grablegung auch im Garten möglich

Acht bis zehn Verträge schließt Wegener nach ihren Angaben im Schnitt in einem Monat ab. Die Fläche werde noch mindestens zehn Jahre ausreichen. Das Einzugsgebiet reicht nach ihren Worten von Aschaffenburg bis Mainz. In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gibt es zwar eine vergleichbare Einrichtung, aber die steht nur den Mitgliedern des örtlichen Tierschutzvereins offen.

Die Wiesbadener Nachbarn bleiben damit vorerst auf die anderen, vom Gesetzgeber präzise vorgeschriebenen Möglichkeiten der „Tierkörperbeseitigung“ angewiesen. Wer ein Grundstück besitzt, das nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt, darf sein Tier dort begraben. Die Erdschicht darüber muss aber mindestens eine halben Meter dick sein.

Wenn man keinen geeigneten Garten hat, kann auch den Veterinär mit der Entsorgung beauftragen. Außerdem wächst im Rhein-Main-Gebiet die Zahl der gewerblichen Tierbestatter. Die Firma Abendrot in Hofheim beispielsweise berechnet für die Einäscherung eines Hundes, der nicht mehr als 25 Kilo wiegt, 149 Euro. Angesichts der Alternativen und der Dunkelziffer für heimliche Begräbnisse lässt sich der quantitative Bedarf für einen Tierfriedhof in Wiesbaden kaum ermitteln. Petri sagt lakonisch: „Es gibt ihn. Punkt.“

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