16.10.2007 · Im Tarifkonflikt des hessischen Einzel- und Versandhandels droht die Gewerkschaft Verdi mit Streiks bis ins Weihnachtsgeschäft. Verdi fordert für rund 150.000 Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Geld und den Erhalt diverser Zuschläge.
Im Tarifkonflikt des hessischen Einzel- und Versandhandels droht die Gewerkschaft Verdi mit Streiks bis ins Weihnachtsgeschäft. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir bis in den November und Dezember hinein streiken“, sagte Verdi-Tarifsekretär Hans Kroha am Dienstag der dpa. Damit wollen die Beschäftigten einen Tarifabschluss erreichen.
Der nach der Sommerpause wiederaufgenommene Arbeitskampf wurde am Dienstag in Hanau fortgesetzt. Dort legten nach Verdi-Angaben etwa 500 Beschäfte der Galeria Kaufhof und des Versandhauses Schwab ihre Arbeit nieder. „Es herrscht absoluter Stillstand, das ist ein voller Erfolg“, sagte Kroha. Auch beim Möbelhaus Ikea in Wallau setzten rund 70 Arbeitnehmer ihren am Montag begonnenen Streik fort.
Die Gewerkschaft fordert für rund 150.000 Beschäftigten des hessischen Einzel- und Versandhandels 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber eine Lohnerhöhung von 130 Euro. Darüber hinaus will Verdi ein Mindesteinkommen von 1500 Euro in der Branche durchsetzen.
Die Arbeitgeber haben Lohnerhöhungen an eine Reduzierung der Spätzuschläge geknüpft. So soll unter anderem die Spätzulage künftig erst ab 20.00 Uhr statt 18.30 Uhr gezahlt werden, die Nachtzulage erst ab 22.00 Uhr. Bislang haben die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt. Die Verhandlungen in Hessen waren im Juli geplatzt.
„Es gibt derzeit keinerlei Kontakte zu den Arbeitgebern, es ist kein Verhandlungstermin in Aussicht“, sagte Kroha. Die Situation sei festgefahren. Der Abbau von Zulagen und eine Lohnerhöhung unterhalb der Inflationsrate seien inakzeptabel. Ob und in welchem Umfang in den kommenden Tagen Geschäfte bestreikt werden, will die Gewerkschaft kurzfristig bekannt geben.
Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft vor, durch das Ausklammern der Zulagenfrage die Verhandlungen zu blockieren. Mit dem Arbeitskampf verhärte Verdi die Fronten, kritisierte Rainer Marschaus, Vorsitzender der Tarifkommission des hessischen Einzelhandelsverbandes.
„Wir lassen uns nicht an den Verhandlungstisch zurückstreiken, wenn wir wesentliche Positionen aufgeben müssen.“ Der Einzelhandel sei notfalls auch für Streiks während des Weihnachtsgeschäfts gewappnet. Wenn Verdi die Forderungen der Arbeitgeber als Gesprächsgrundlage akzeptiere, könne man sich jederzeit kurzfristig zu Verhandlungen treffen.