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Studium Umworbene Studenten

 ·  Mit Prämien und Begrüßungsgeld lockt Gießen Studenten, damit sie ihren Hauptwohnsitz dort nehmen. Die Stadt erwartet vom Einwohnerzuwachs mehr Zuschüsse.

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Die ungewöhnliche Aktion war nach Ansicht des Magistrats erfolgreich. Mit dem Slogan „Studenten, wir schenken euch ein kostenloses Studium“ hatte die Stadt in den zurückliegenden Monaten unter anderem mit Plakataktionen unter den Kommilitonen für Gießen als Hauptwohnsitz geworben. Jeder Student, der den Erstwohnsitz in die mittelhessische Hochschulstadt verlegte oder sich als Neuankömmling gleich auf den Hauptwohnsitz Gießen festlegte, nahm an einer Verlosung teil.

Dem Gewinner, der dieser Tage ermittelt wurde, überweist die Stadt einen Betrag von 4000 Euro. Zudem bekam jeder als eine Art Begrüßungsgeschenk das Semesterticket erstattet. Tatsächlich lag der Anteil der Studenten an den Neubürgern von Anfang September bis Ende Dezember bei rund 50 Prozent. In den Spitzenmonaten der Einschreibung, im Oktober und November, waren es sogar etwa zwei Drittel aller Neubürger. Im Vergleichszeitraum des Jahres zuvor, als es noch kein solches Lockangebot gab, lag die Quote bei deutlich weniger als 50 Prozent.

Die Stadt bekommt für jeden Einwohner Geld

Im letzten Drittel des zurückliegenden Jahres haben der Statistik der Stadtverwaltung zufolge 1047 Studenten den Hauptwohnsitz in Gießen angemeldet. Unverändert hoch ist zwar weiterhin die Zahl der Studenten, die sich am Studienort mit Nebenwohnsitz anmelden. Mit 976 neu gemeldeten Zweitwohnungen für den Zeitraum von September bis Jahresende ist diese Zahl aber erstmals geringer als die der Neuanmeldungen mit Erstwohnsitz. Dass Gießen vor allem Studenten mit Vergünstigungen lockt, kommt nicht von ungefähr.

Der Anteil der Studenten an der Einwohnerzahl ist in Gießen so hoch wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Mit rund 74.000 Menschen wird Gießen in der Einwohnerstatistik geführt. An der Gießener Universität und der Fachhochschule sind etwa 26.000 Studenten eingeschrieben. Bei fast zwei Drittel der ungefähr 10.000 Zweitwohnsitze – Gießen erhebt keine Steuer für Nebenwohnsitze – handelt es sich nach Angaben aus der Stadtverwaltung um Unterkünfte von Studenten. Unter dieser Klientel befinde sich also das Hauptreservoir für Umwidmungen zu Hauptwohnsitzen, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung.

Für die Stadt sei der Erstwohnsitz von Studenten wichtig, denn die Einwohnerzahl stehe in direktem Zusammenhang insbesondere mit den Schlüsselzuweisungen, die das Land aus dem kommunalen Finanzausgleich an Gießen zahle, sagt Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU). Zahlen vermochte der Rathauschef allerdings nicht zu nennen. Er begründete dies damit, dass sich die Bemessungsgrundlagen für die Zuweisungen ständig änderten. Auf jeden Fall aber bekomme die Stadt für jeden Einwohner zusätzliches Geld. Nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erhält jetzt jeder Student, der den Hauptwohnsitz in der Stadt anmeldet, einen Betrag von 100 Euro überwiesen.

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Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

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