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Studentische Unternehmensberater Zwischen Vorlesung und Businessplan

12.05.2009 ·  Studentische Unternehmensberater sind in der Wirtschaft gefragt: Ihre Vorschläge sind originell und günstiger als die der Profis. Und mittlerweile herrscht auf dem Markt der studentischen Unternehmensberatung geradezu Konkurrenz.

Von Alexander Sturm
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Eiskalte Geschäftsleute im Nadelstreifen, die Powerpoint-Präsentationen gespickt mit Anglizismen an die Wand projizieren, Tag und Nacht arbeiten und jedes Unternehmen nach Optimierungspotential durchleuchten – so oder so ähnlich lauten die Klischees über Unternehmensberater. Doch an hiesigen Universitäten gibt es auch eine andere Spezies der „Consultants“: Dort machen sich nach Vorlesung, Seminar oder Bibliotheksbüffelei immer mehr Studenten auf, um Geschäftsprozesse zu verbessern oder Vertriebsstrategien zu erstellen.

Seit zehn Jahren schon gibt es die „Berater e.V.“. Bei der studentischen Beratung der Universität Mainz arbeiten 30 Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen: Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Mathematiker, Physiker, Mediziner, Psychologen und sogar Musikwissenschaftler schaffen für die Kunden „Mehrwert“ – ohne Berührungsängste, wie Isabell Scheringer, stellvertretende Vorsitzende versichert. „Uns alle verbindet die Neugier an wirtschaftlichen Themen“, sagt Scheringer, die im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Die Kunden sind laut dem Vorsitzenden Simon Weißeno meist kleine und mittelständische Unternehmen und Neugründungen. Große Konzerne blieben die Ausnahme.

200 Euro für einen „Manntag“

Die Erstellung von Marktanalysen, Marktforschungen und Businessplänen, auch das Optimieren von Vertriebsstrategien seien klassische Aufgaben, die viele kleine Unternehmen allein nicht stemmen könnten, sagt Weißeno. Zudem entwickeln die Mainzer eigenständig Studien für andere Dienstleister. Eine Studie über die Finanzmarktrichtlinie MiFID ging etwa an eine Frankfurter Unternehmensberatung, eine Werbeagentur wollte wissen, wie das Einarbeiten von Fachleuten sich auf das Unternehmensergebnis auswirkt. Ein Vorteil für die Auftraggeber sind die Kosten: Mainzer „Berater“ verlangen je „Manntag“, also je Kopf und Tag, 200 Euro – etwa ein Zehntel dessen, was professionelle Unternehmenberater veranschlagen. Doch auch das unkonventionelle Denken der Studenten sei ein Grund, sie zu engagieren, sagt Weißeno.

Haben die Berater ein Projekt an Land gezogen, müssen sich die Mitglieder intern dafür bewerben, bevor je nach Erfahrung ein Team zusammengestellt wird. Obwohl die Kunden in der Klausurenzeit Rücksicht nehmen, gibt es für die Teilnehmer Stressphasen mit bis zu 20 Stunden Arbeit in der Woche neben dem Universitätsalltag. Rund 85 Prozent des Umsatzes werden an die Jungberater ausgezahlt. Das Geld indes ist für die Mainzer nicht die einzige Motivation. Für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften arbeiten sie, ehrenamtlich, wenn auch nicht ganz uneigennützig, an einem Marketing-Konzept, um den Ruf der Mainzer Ökonomen aufzupolieren.

„James Consulting“ an der EBS

An der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel sieht Matthias Dahm, Geschäftsführer der studentischen „James Consulting“, einen klaren Vorteil im unvoreingenommenen Denken der rund 30 studentischen Berater. Auftraggeber der an der privaten Wirtschaftshochschule ansässigen „Jamsler“ sind meist kleine und mittelständische Unternehmen. Diese hätten wenig Umgang mit Beratern und stünden ihnen deshalb oft skeptisch gegenüber. „Die wollen Klartext hören statt Floskeln von Big Business“, sagt Dahm. „Und Studenten reden eben auch mal ins Blaue hinein.“ Dass bei einem Satz von 150 Euro je Tag und Mitarbeiter das Risiko einer Fehlinvestition für den Kunden gering sei, trage selbstverständlich auch zum Erfolg bei. Wenn die „Jamsler“ große Unternehmen berieten, dann seien diese oft daran interessiert, auf diesem Weg Nachwuchs zu rekrutieren.

Dass so viele seiner Kommilitonen sich bei den „Jamslern“ beteiligen wollen, liegt laut Dahm an einem „gewissen Sexappeal“ der hochbezahlten professionellen Unternehmensberater: Von der EBS gehe ein Drittel der Absolventen zu Unternehmensberatungen. Außerdem wachse der Druck auf Studenten, die sich für Beratung interessierten, schon früh entsprechende Praxiserfahrung zu sammeln. Von der Entlohnung für ihre Projekte sehen die „Jamsler“ nichts. Das Budget reicht laut Dahm gerade aus, um die laufenden Kosten zu decken. Neben der Büroausstattung sind das externe Schulungen mit renommierten Unternehmensberatungen und Workshops direkt an der EBS.

„Jung, motiviert, günstig“

Mittlerweile herrscht auf dem Markt der studentischen Unternehmensberatung geradezu Konkurrenz: Kevin Kiesling, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Studentischer Unternehmensberater (BDSU), zählt mittlerweile rund 80 in ganz Deutschland. Alleine unter dem BDSU und dem zweiten großen Dachverband „Junior Consultant Network“ sind 50 davon organisiert. Insgesamt zählen sie 3500 Mitglieder. „Die Nachfrage der Studenten nach Neugründungen ist groß“, bestätigt Kiesling. Alleine im vergangenen Geschäftsjahr hatte er zehn Anfragen. „Studenten sind jung, motiviert, günstig und bringen das neueste Wissen von den Universitäten mit. Das schätzen Unternehmen; dementsprechend gut ist die Auftragslage.“

Die vor fünf Jahren gegründete „Green Finance Consulting“, die studentische Beratungsfirma der Goethe-Universität Frankfurt, ist im Gegensatz zu vielen anderen nicht auf Mittelständler, sondern auf Konzerne wie UBS, Commerzbank und Pricewaterhouse Coopers spezialisiert. Dank des Standortvorteils des Finanzplatzes Frankfurt bilden die 50 Mitglieder von Green in Deutschland die einzige studentische Beratung für Finanzthemen, wie Vorstandsvorsitzender Dominik Klimmek betont. Für eine Frankfurter Bank entwickelten die Berater eine Strategie, um türkischsprachige Kunden zu gewinnen. Nach einer Umfrage am Frankfurter Flughafen und bei türkischen Vertretungen in Deutschland richtete die Bank eine Internetseite auf Türkisch ein. Derzeit seien vor allem Arbeiten zu Bilanzierung und Risikoanalyse gefragt.

„Was wir hier lernen, hilft uns im Leben“

Bei anspruchsvollen Projekten setzen die Studenten schon mal ein Semester aus oder verzichten auf einen Teil ihrer Klausuren. „In keinem Praktikum können Studenten so schnell praktische Verantwortung übernehmen wie hier“, begründet Klimmek die Einsatzbereitschaft. Außerdem stünden gerade die Bachelor-Studenten immer stärker unter Druck, sofort nach Studienbeginn Berufserfahrung zu sammeln, bevor sie in höheren Semestern Chancen auf Praktika in der freien Wirtschaft hätten. Doch wer bei Green mitarbeiten will, muss zuerst ein Assessment Center und Schulungen beim BDSU durchlaufen. Nur die zehn besten Prozent des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften werden aufgenommen.

Das Engagement der Studenten zahlt sich aus. Viele der Jungakademiker erhalten dank ihrer Erfahrung und Kontakte direkt nach dem Abschluss ein Jobangebot bei Unternehmensberatungen, berichten die Berater einstimmig. Isabell Scheringer von den Mainzer Beratern geht noch weiter: „Was wir hier lernen, hilft uns nicht nur im Berufsalltag, es ist eine Vorbereitung für das ganze Leben.“

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