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Stiftsmuseum „Kunstwerke von europäischem Rang“

 ·  Das Aschaffenburger Stiftsmuseum erhält Cranachs Magdalenenaltar und den Stiftsschatz als Dauerleihgaben von der Kirche. Dafür wird ein Ausstellungsraum als mittelalterliche „Schatzkammer“ hergerichtet.

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Das Aschaffenburger Stiftsmuseum birgt künftig einzigartige Schätze. Vom 21. November an wird dort nicht nur der berühmte Magdalenenaltar aus der Werkstatt Lucas Cranachs, sondern auch der Stiftsschatz präsentiert. Dass die Kirche wie auch der Freistaat dem Museum die Kunstwerke als Dauerleihgaben überlassen, bedeutet eine enorme Aufwertung für das Haus. Das ist auch dem Leiter der städtischen Museen, Thomas Richter, bewusst. Er ist überzeugt, dass der Stiftsschatz wie das Pompejanum oder die Korkmodellsammlung im Schloss zu den kulturellen Höhepunkten in Aschaffenburg zählen wird.

Um die „Kunstwerke von europäischem Rang“ (Richter) angemessen präsentieren zu können, werden im Obergeschoss zwei Räume zu mittelalterlichen „Schatzkammern“ umgebaut. Im Zentrum wird der Magdalenenaltar stehen, den Kardinal Abrecht von Brandenburg 1540 bei seiner Flucht aus Halle mitsamt seinen bedeutenden Kunstsammlungen nach Aschaffenburg gebracht hatte. Laut Richter wird sich das Ausstellungskonzept von der „Schausammlung“ im Stiftsmuseum absetzen. „Wir werden die Höhepunkte inszenieren“, sagte er.

60.000 Menschen besuchten die Cranach-Ausstellung

Der Besucher solle durch eine Art Portal treten und in eine andere Welt eintauchen. „Wir wollen die Menschen verführen, sich auf das Mittelalter einzulassen.“ Dazu dienen auch eine spezielle Lichtführung und eine neue Wandfarbe, die die Ausstellungsstücke zur Geltung bringen sollen. 200.000 Euro kosten Umbau, Einrichtung und Werbung. Der Bezirk fördert das Vorhaben mit 50.000 Euro. Während der Umbauarbeiten bleibt der zweite Stock des Museums geschlossen.

Die Neuausrichtung des Stiftsmuseums als Haus für mittelalterliche Sakralkunst ist der erste Schritt zur Profilierung der Aschaffenburger Museen, wie sie im Museumsentwicklungsplan von 2004 vorgeschlagen worden war. Die Gutachter hatten damals das parallele Angebot von archäologischen Exponaten und Kunstwerken im Stiftsmuseum als „verwirrend“ bezeichnet. Außerdem hatten sie moniert, dass das historische Ensemble von Stiftskirche, Kreuzgang und Stiftskapitelhaus von dem Besucher nicht als solches wahrgenommen werden könne. Den Modernisierungsbedarf für die städtischen Museen schätzten sie damals auf 2,6 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) schwebt als „Vision“ für Aschaffenburg eine Kulturmeile vor, die vom Schloss Johannisburg, das sich künftig auf die Stadtgeschichte konzentrieren soll, über die Kunsthalle Jesuitenkirche bis zur Stiftsbasilika reicht und die alte Fachoberschule an der Pfaffengasse miteinbezieht. Dort soll nach den Vorstellungen der Stadt Platz für ein Schad-Museum, den Neuen Kunstverein und Depoträume sein. Ob Herzogs Museumsmeile Wunschtraum bleibt oder Realität wird, dürfte in erster Linie von der Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen abhängen.

Dass das Stiftsmuseum eine Vorreiterrolle einnimmt, verdankt es der Cranach-Ausstellung vor zwei Jahren, die mehr als 60.000 Menschen besucht hatten. Prunkstück der damaligen Schau war der Magdalenenaltar, der im Münchner Doerner-Institut aufwendig restauriert und dann nach Aschaffenburg gebracht worden war. Freistaat wie auch die Kirche hatten sich schon damals verpflichtet, den Altar dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Auf der Wunschliste Richters hatte auch der Margaretenschrein gestanden, in dem die Gebeine der Lieblingsheiligen Albrechts von Brandenburg liegen sollen. Doch die Kirchengemeinde mochte sich von dem gläsernen Sarg ebenso wenig trennen wie von der „Beweinung Christi“ von Matthias Grünewald. Beide bleiben in der Stiftskirche. Richter hat dafür Verständnis. Schließlich handele es sich nicht um Museumsstücke, sondern um zwei sakrale Werke, die für das Selbstverständnis der Gläubigen von herausragender Bedeutung seien.

Umso dankbarer ist er, dass die Kirche dem Museum den Stiftsschatz überlässt. Dazu gehören die goldgeschmiedeten Reliquienbüsten der Kirchenpatrone Sankt Petrus und Alexander, das „Kreuz des Stiftskapitels“, die kostbare Hostienmonstranz, das berühmte „Aschaffenburger Brettspiel“, das zu den ältesten weltlichen Werken dieser Art zählt, sowie der ebenfalls einzigartige Reliquienkalender Albrechts von Brandenburg. Richter zufolge wird die Kirchengemeinde die beiden Büsten bei besonderen Anlässen nach wie vor nutzen und etwa beim Patronatsfest im Gotteshaus aufstellen können.

Dass sich die aus dem 13. Jahrhundert stammende „Aschaffenburger Tafel“ wie auch das „Brettspiel“ erhalten haben, verdankt sich einem Zufall. Das gotische Altarbild, das ursprünglich zum Hochaltar der Stiftskirche gehörte und lange verschollen war, wurde 1986 bei der Sanierung des Stiftsmuseums entdeckt. Die beiden Eichenholzbretter mit dem Gemälde waren im Fußboden verbaut gewesen. Das Brettspiel war 1852 bei Restaurierungsarbeiten in der Stiftskirche gefunden worden. Es hatte die Jahrhunderte überdauert, weil die reichverzierte Silberschmiedearbeit als Reliquiar zweckentfremdet und in einen Altar eingebaut worden war.

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Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.

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