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Steinau an der Straße Wo man die Brüder Grimm noch „erleben“ kann

08.04.2010 ·  In Steinau an der Straße verbrachten die Märchenerzähler ihre Kindheit. Das Grimm-Museum ist aber nicht die einzige Attraktion der Stadt.

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Das Städtchen hat einen Dom, eine Kapelle und einen Bienenkorb. Das Besondere an den drei Attraktionen – sie verstecken sich unter der Erde in einer 2,5 Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle. Der „Dom“ ist 16 Meter hoch, in der „Kapelle“ gibt es schleierförmige Tropfsteingebilde, der „Bienenkorb“ ist ein mächtiger Stalagmit. Im vergangenen Jahr besuchten rund 15 000 Gäste die Steinauer „Teufelsmühle“, die im Wald in einem Naturschutzgebiet liegt.

Norbert Korhammer, der Hausherr der Höhle, gehört zur neuen Initiative Tourismus Steinau, in der Verkehrsbüro, Museen und Erlebnispark gemeinsam um Tagesgäste werben. 2009 sei „einigermaßen erfolgreich“ gewesen, bilanziert Bürgermeister Walter Strauch (SPD). Die Besucherzahlen in den Museen seien gestiegen, während die Zusatzveranstaltungen zu den Steinauer Puppenspieltagen nicht so sehr gefragt gewesen seien. Jetzt wolle man früher für das Ereignis werben: Zu den 18. Puppenspieltagen „Viva La Musica“ werden vom 25. September bis zum 6. Oktober Bühnen aus ganz Deutschland in der Brüder-Grimm-Stadt erwartet.

Kaum Restaurants, kein Hotel

Im vergangenen Jahr gab es rund 400 Stadtführungen. Strauch hofft, die Zahl halten zu können. Stadtführungen gibt es zu verschiedenen Themen, auch in englischer und französischer Sprache. Von April bis Oktober bieten die Führer an jedem ersten Sonntag im Monat Märchenführungen.

Steinau ist ein beliebtes Ziel für Tagesbesucher. Strauch beklagt, dass es in der Kommune zu wenig Restaurants gebe, außerdem fehle ein Hotel. Dies sei ein großes Manko. Dabei sei Steinau die einzige Stadt, in der Besucher die Brüder Grimm noch „erleben“ könnten. In dem Städtchen, das an der Deutschen Märchenstraße und an der Deutschen Fachwerkstraße liegt, verbrachten die Sprachforscher und Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm ihre Kindheit. Die Familie lebte von 1791 bis 1796 im Amtshaus im mittelalterlichen Stadtkern. Das einstige Amtsgebäude und Wohnhaus beherbergt ein Museum zu Leben, Werk und Wirken der weltberühmten Brüder. Das Erdgeschoss widmet sich der Familie und dem Leben der Grimms in der Region. Im Obergeschoss wird das Thema „Märchen im europäischen Kontext“ präsentiert. Einen weiteren Akzent bildet das Werk des Bruders Ludwig Emil Grimm, der ein bedeutender Maler und Radierer war. Vom 22. Mai bis 1. August werden in der Sonderausstellung „Ink trifft Grimm“ die Arbeiten von Ink, Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce, und Ludwig Emil Grimm gegenübergestellt. Die Malerin, die 2009 den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises erhalten hatte, beschäftigt sich mit Menschen, Tieren und der Natur. Ludwig Emil Grimm (1790–1863) hatte oft ein paar Münzen in der Tasche, um Menschen dafür zu entlohnen, dass er sie skizzieren durfte.

Informationen auch über das Internet

Vom 10. Oktober bis 7. November ist die Frankfurter Künstlergesellschaft zu Gast im Brüder-Grimm-Haus, und vom 14. November bis 27. Februar zeigt das Museum eine Retrospektive zum 85. Geburtstag Klaus Meyer-Gasters. Der Künstler, der seit vielen Jahren in Steinau lebt, porträtierte unter anderem Personen und Persönlichkeiten für die „Frankfurter Gesichter“ dieser Zeitung.

Gegenüber dem Brüder-Grimm-Haus liegt das Museum Steinau, das 2006 in der Scheune des Amtshauses eröffnet wurde. Das Museum stellt die Stadt Steinau an der Straße als eine Station an der alten Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig vor. Die Straße prägte Steinau, unzählige Personen sind über die Straße gezogen, mussten in einer der zahlreichen Herbergen übernachten, haben ihre Wagen reparieren und die Pferde neu beschlagen lassen. Eine Abteilung des Museums zeigt die Töpferei. Funde aus mittelalterlicher Zeit und aus dem 17. Jahrhundert belegen die Entwicklung des Töpferhandwerks. Das Museum Steinau präsentiert demnächst als erstes in Deutschland ein Multimedia-Guide-System. Dabei werden die Handys der Besucher zum Museumsführer. Auf der Webseite www.museum-steinau.de/audio sind mehrsprachige Informationen mit den Ausstellungstexten verknüpft und können mit dem Mobiltelefon abgerufen werden. Die Bilder und Texte stehen auch im mobilen und stationären Internet zur Verfügung. Besucher können sich damit bereits zu Hause auf die Ausstellung vorbereiten oder den Museumsbesuch noch einmal Revue passieren lassen.

Marionetten spielen Märchen

Seit 55 Jahren verzaubern „Die Holzköppe“ in Steinau die Besucher. Das Marionettentheater, das Karl Magersuppe vor 85 Jahren gegründet hatte, ist seit drei Generationen im Familienbesitz. Auf dem Programm stehen die Grimmschen Märchen „Rotkäppchen“, „Hänsel und Gretel“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“. „Die Holzköppe“ haben ihr Domizil seit 1955 im ehemaligen Marstall des Schlosses. Dort ist eine Sammlung alter Theaterfiguren aus aller Welt zu sehen.

Das Schloss Steinau war seit 1278 die Nebenresidenz der Herren und späteren Grafen von Hanau. Die Anlage ist eine Mischung aus mittelalterlicher Burg, Renaissancewohnschloss und Festung. Bei den Führungen stehen auch die Brüder-Grimm-Gedenkstätte sowie die Sammlung des Marionettentheaters auf dem Programm.

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