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Stadtentwicklung Kein Einkaufszentrum in Friedrichsdorf

02.09.2009 ·  Der Investor Gazit tritt vom Kauf des Milupa-Geländes zurück, weil die erwartete Rendite zu gering ausfällt. Nun muss ein neuer Interessent für das vier Hektar große Gelände in Friedrichsdorf gefunden werden.

Von Bernhard Biener, Friedrichsdorf
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Das wichtigste Projekt der Stadtentwicklung ist gescheitert: Der Investor Gazit Immobilien wird auf dem ehemaligen Milupa-Gelände kein Einkaufszentrum errichten. Das Unternehmen ist vom Kaufvertrag mit dem Säuglingsnahrungshersteller zurückgetreten. Auf dem vier Hektar großen, zentral gelegenen Grundstück sollten für 60 Millionen Euro Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 12.000 Quadratmetern, eine Tiefgarage mit 450 Stellplätzen und Büros entstehen. Ein Partner sollte zudem ein Wohngebiet mit 80 Wohneinheiten entwickeln. Während beim deutschen Ableger Gazit Immobilien in Hamburg die Planungen weit vorangetrieben worden waren, hat jetzt die Konzernzentrale in Tel Aviv das Vorhaben gestoppt.

Nach den Worten von Gazit-Projektleiter Boris Milkov war nicht die Finanzierung durch Banken ausschlaggebend: „Wir hatten genügend Zusagen.“ Zudem sei Gazit ausgesprochen kapitalstark. Auch die Vermietungslage sei gut gewesen. Allerdings habe die erwartete Rendite nicht den gestiegenen Anforderungen des Mutterkonzerns entsprochen. „In guten Zeiten wäre das in Ordnung gewesen“, sagte Milkov, „aber bei der jetzigen Wirtschaftslage müssen die Risiken mit einer höheren Rendite abgedeckt werden.“

Neue Perspektive für Einzelhandel

Friedrichsdorf und der Hochtaunuskreis verfügten zwar über eine weit überdurchschnittliche Kaufkraft. Doch das Grundstück sei nicht ohne weiteres zu bebauen. Die Lage in der Innenstadt und die damit verbundenen Kosten für die Infrastruktur machten die „Galerie Friedrichsdorf“ zu einem „nicht ganz einfachen Projekt“. Für die Straßenanbindung des bisherigen Milupa-Geländes nach der Neubebauung waren fünf Millionen Euro veranschlagt. Davon hätte Gazit nach dem städtebaulichen Vertrag 2,8 Millionen Euro übernehmen sollen.

In Friedrichsdorf sorgte die Nachricht trotz der naheliegenden Skepsis angesichts der Wirtschaftskrise für eine Überraschung. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Erster Stadtrat Norbert Fischer (CDU). Nachdem Verwaltung, Politik und Bürger zwei Jahre lang intensiv an dem Projekt gearbeitet hätten, sei der Rückzug Gazits „nicht gerade schön“. Aber die Stadt halte an dem einstimmig beschlossenen Entwicklungskonzept fest. Es bleibe das Ziel, dem Einzelhandel in der Innenstadt eine neue Perspektive zu geben. „Von diesem Grundkonzept werden wir auch bei der Suche nach einem neuen Investor nicht abweichen“, sagte Fischer.

Auch Wohngebiet kommt vorerst nicht zustande

Gemeinsam mit Milupa will der Baudezernent jetzt nach einem neuen Käufer suchen. Der Babynahrungshersteller hatte vor vier Jahren die Produktion verlagert, weshalb der größte Teil des Stammwerks in Friedrichsdorf nicht mehr benötigt wird. Lediglich die Labore für Qualitätsprüfung, Forschung und Entwicklung bleiben im Eigentum Milupas. 150 Mitarbeiter der Verwaltung, die nach Bad Homburg ausgelagert sind, hätten nach der Bebauung durch Gazit in gemietete Büros nach Friedrichsdorf zurückkehren sollen. Diese Absicht bestehe immer noch, sagte auf Anfrage Milupa-Sprecher Stefan Stohl. Auch wenn sich der Umzug jetzt verzögern werde. Das Unternehmen wolle bei neuen Verhandlungen wie bisher die Vorstellungen der Stadt berücksichtigen. Immerhin habe es während der Gespräche mit Gazit mehrfach Anfragen anderer Investoren gegeben. Das spreche für die Attraktivität des Grundstücks. Milupa werde die Suche nach einem Käufer mit Hochdruck vorantreiben, sagte Stohl. Die umfangreichen Vorarbeiten von Bodenproben bis zu Verkehrsgutachten könnten dabei von Vorteil sein.

Als weniger gravierend bezeichnete er den Umstand, dass das Unternehmen vorerst auf den Verkaufserlös verzichten muss. „Die Erwartung ist schon, dass die Einnahmen nächstes oder übernächstes Jahr kommen.“ Bei allem Bedauern darüber, dass die arbeitsintensiven Planungsleistungen für das Einkaufszentrum vorerst vergeblich waren, sieht auch der Erste Stadtrat Fischer darin etwas Positives: „Wir haben bewiesen, dass wir ein solches Projekt stemmen können.“ Gazit-Projektleiter Milkov bezeichnete die Kooperation mit Friedrichsdorf im Nachhinein als „etwas Besonderes“. Deshalb sei die Entscheidung der Zentrale bedauerlich. „Wir hatten es mit einer sehr kooperativen und leistungsfähigen Verwaltung zu tun.“ Dass sich Gazit unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vielleicht noch zu einem späteren Zeitpunkt in Friedrichsdorf engagieren könnte, schloss er allerdings aus. Mit dem Rückzug Gazits fehlt Friedrichsdorf nicht nur der entscheidende Anstoß zur Entwicklung des Einzelhandels. Auch das Wohngebiet, das Gazit von einem Partner bauen lassen wollte, kommt vorerst nicht zustande.

Zeit der Skepsis

Die gesamte Verkehrsführung in der Innenstadt war auf das Projekt ausgerichtet worden. Selbst der Stadtbücherei ist damit die Aussicht auf größere Räume verlorengegangen. Sie hätte ebenfalls in das Einkaufszentrum umziehen sollen. Seitens der Stadt waren die Vorarbeiten für das Vorhaben abgeschlossen. „In dieser Woche hätten wir die Unterlagen an die städtischen Gremien verschickt“, sagte Fischer. Nachdem sie Ende Juni dem städtebaulichen Vertrag zugestimmt haben, sollten die Stadtverordneten am 24. September den Bebauungsplan beschließen. Mit der parallel vorbereiteten Baugenehmigung wären die Bedingungen seitens der Stadt erfüllt gewesen.

Bis Ende Oktober hätte Gazit Zeit gehabt, sich zu äußern. Deshalb hatte Bürgermeister Horst Burghardt (Die Grünen) bei seiner feierlichen Amtseinführung in der vergangenen Woche gesagt, erst dann herrsche absolute Klarheit, ob der Investor wirklich einsteige. Er hatte nach einer Zeit der Skepsis die Chancen zuletzt wieder besser eingeschätzt. Doch gestern schon bewahrheitete sich seine Warnung vor einer Brache im Zentrum. Am ersten Tag seiner dritten Amtszeit.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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