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Sorge um Fortbestand des Darmstädter Heinerfestes

 ·  30 blaue Luftballons sind am Mittwoch mittag über dem östlichen Mercksplatz an der Landgraf-Georg-Straße geschwebt. Nicht die Freiheit über den Wolken sollten sie symbolisieren, sondern in etwa das Ausmaß des hier geplanten Hotelbaus demonstrieren.

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30 blaue Luftballons sind am Mittwoch mittag über dem östlichen Mercksplatz an der Landgraf-Georg-Straße geschwebt. Nicht die Freiheit über den Wolken sollten sie symbolisieren, sondern in etwa das Ausmaß des hier geplanten Hotelbaus demonstrieren. Auf 15 Meter Höhe hatten der Heimatverein Heinerfest und der Schaustellerverband die Ballons aufgelassen und damit aber noch nicht die Höhe erreicht, die der fünfgeschossig geplante Bau erhalten soll. "Wir machen das, weil wir in Sorge sind um den Fortbestand des Heinerfestes", sagte Vereinspräsident Günther Metzger. "Das Heinerfest lebt und stirbt mit dem Fortbestand des Standortes in der Innenstadt", fügte er hinzu. Der Mercksplatz und der Weg dorthin über die Landgraf-Georg-Straße als Festflaniermeile gehören nach Auffassung des Vereins und der Schausteller zwingend dazu. Ein Viertel seiner Standgebühren nehme der Verein durch diesen Teil des Innenstadtfests ein, Geld, das unmittelbar in die Finanzierung des Kultur- und Begegnungsprogramms des Heinerfests fließe. Fehle dies, verliere das Fest seinen besonderen Charakter, das ist Metzgers feste Überzeugung.

Der frühere Oberbürgermeister ließ es sich nicht nehmen, "die Politiker" frontal anzugehen: "Wir scheuen uns nicht, bei den nächsten Wahlen unseren Standpunkt offensiv zu vertreten", drohte er. Die Stadt, das seien nicht deren offizielle Vertreter, sondern die Bürger, sprich: die Darmstädter Heiner. Beim Heinerfest werde der Verein in diesem Jahr Unterschriften gegen die Bebauung des Platzes und den Wegfall dieses Standortes sammeln, kündigte er an. Der Magistrat habe alle mit seiner Vorlage überrascht, monierte Metzger, mit keinem der Betroffenen sei vorab geredet worden. Oberbürgermeister Peter Benz (SPD) rede mit den Bürgern ohnehin nur über Belangloses, nie über Wichtiges, schimpfte Metzger. Die Vorlage für die Pläne seien dem Verein "zugesteckt" worden, keineswegs habe man sie ihm offiziell zukommen lassen.

Auch der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Horst Knechtel, der dem Magistrat noch einen knappen Monat als Bürgermeister angehört, äußerte sich kritisch über das schnelle und überraschende Verfahren. In der Vergangenheit sei er nach eigenem Eindruck von der Partei- und Fraktionsspitze bewußt bei der Bebauungsfrage des Mercksplatzes umgangen worden. Im Magistrat habe er dann auch nicht dafür gestimmt, sagte er. "Im vergangenen Jahr hat die Stadtverordnetenversammlung noch einstimmig für die Machbarkeitsstudie der Landesgartenschau gestimmt", sagte Knechtel, da sei von einer Bebauung noch keine Rede gewesen. Metzger wandte gegen die Planungen ein, sie verstießen gegen bekannte Gutachten, die hier eine notwendige Frischluftschneise für die Stadt feststellten.

Der Mercksplatz sei entgegen offizieller Darstellung keineswegs eines der "letzten Trümmergrundstücke der Stadt", fügte Metzger hinzu, sondern er sei Festplatz seit dem Jahr 1909. Das inzwischen 53 Jahre alte Heinerfest habe seit jeher stets mit Festzelt und großen Fahrgeschäften auch hier stattgefunden. Die Verlagerung auf die Landgraf-Georg-Straße sei keine Alternative, so Metzger, weil diese Hauptverkehrsstraße dann für zwei Wochen völlig gesperrt werden müsse. Zu fragen sei auch, was die Straßenverkehrsbehörde bei einer Bundesstraße dazu sage. Ein Alternativstandort im Herrngarten sei undenkbar, eine Verlagerung in die Rudolf-Müller-Anlage wegen des benachbarten Krankenhauses unmöglich.

Auch der Vorsitzende des Darmstädter Schaustellerverbands, Heinrich Hausmann, zeigte sich enttäuscht. "Wir hatten die Hoffnung, dieser Platz sei unantastbar", sagte er. Ein Hotel an dieser Stelle sei bei einer Auslastung der Darmstädter Hotellerie von durchschnittlich 34,6 Prozent ohnehin überflüssig. Der Mercksplatz sei für das Heinerfest ebenso existentiell wie die Theresienwiese für das Münchner Oktoberfest. Der stellvertretende Präsident des deutschen Schaustellerverbands, Lorenz Kalb, wies auf die wirtschaftlichen Folgen hin: 80000 Besucher des Heinerfestes und 250 Beschicker stellten ein großes Wirtschaftspotential dar. Die Besucher brächten über die Ausgaben auf dem Heinerfest hinaus jährlich sechs Millionen als Einnahmen für Darmstädter Betriebe, so Kalb. Mit einem Rückgang der Besucherzahlen wäre die Existenz des ganzen Fests gefährdet. (ziz)

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Von Matthias Alexander

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