Drei Tage nachdem das Fluchtfahrzeug des gesuchten Gewaltverbrechers Thomas Wolf in einem Waldstück bei Harpstedt im Landkreis Oldenburg entdeckt worden ist, konzentrieren sich die Ermittlungen der Frankfurter Polizei auf die niedersächsische Region. Wie Polizeisprecher Jürgen Linker mitteilte, wurden inzwischen 70 Fahndungsplakate in dem Landkreis und in der unmittelbaren Umgebung verteilt.
Es sei sehr wahrscheinlich, dass dort jemand Thomas Wolf gesehen oder zumindest verdächtige Beobachtungen gemacht habe. Die Fahnder sehen gute Chancen, den Gewaltverbrecher zu fassen, der am 27. März die Frau eines leitenden Bankmanagers aus Wiesbaden entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst hatte. „So nahe wie jetzt“, sagt Linker, „waren wir noch nie an ihm dran.“
Durch Jäger aufgeschreckt
Die Ermittler der zuständigen Sonderkommission wissen nicht nur, wo sich Wolf in den vergangenen Tagen aufgehalten hat, sondern können möglicherweise auch herausfinden, wohin er reisen wollte. Denn neben einem Koffer mit Kleidung und Waschutensilien sowie mehreren tausend Euro wurden in dem Fluchtwagen auch Papiere und Karten gefunden, die derzeit ausgewertet werden und Aufschluss darüber geben könnten, wo Wolf untertauchen wollte.
Dass der Entführer das Fluchtauto samt Inhalt bewusst in dem Waldstück hinterlassen hat, um eine falsche Fährte zu legen, hält die Polizei nicht für wahrscheinlich. Wolf gelte zwar als akribischer Planer, der seine Taten bisher immer gut vorbereitet habe. In diesem Fall aber hatte er erwiesenermaßen das Auto kurz vor seiner Entdeckung verlassen, was auf eine überstürzte Flucht hindeutet, wie Linker sagt. Möglicherweise sei Wolf am frühen Morgen durch Jäger aufgeschreckt worden, die er für Polizisten gehalten habe. Daraufhin sei er nervös geworden, nicht zuletzt wohl auch wegen des hohen Fahndungsdrucks. „Wenn wir Glück haben“, sagt Linker, „macht er früher oder später einen Fehler. Und dann haben wir ihn.“

