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Sicherheit im Nahverkehr Frankfurter Schaffner als Vorbild für Rhein-Main

20.04.2010 ·  Die Frankfurter Verkehrsbetriebe erproben neue Sicherheitskonzepte in U-Bahnen. So sollen Schaffner eingesetzt werden und Kontrolleure in Uniform auftreten. Auch ist eine enge Kooperation mit der Polizei geplant. Das sorgt auch in Berlin für Aufsehen.

Von Katharina Iskandar
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Schaffner in den U-Bahnen, Kontrolleure in Uniform, abendliche Begleiter in den „Problemzügen“ und eine engere Kooperation zwischen Verkehrsbetrieben und der Polizei: Selten wurden innerhalb so kurzer Zeit so viele neue Ideen für mehr Sicherheit in U-Bahnen entwickelt. Dabei könnte das Modell, das Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) ins Gespräch gebracht hat, bald zum Vorbild für den öffentlichen Nahverkehr in deutschen Großstädten werden – zumindest aber als Beispiel für die Rhein-Main-Region dienen.

Denn mit den uniformierten Kontrolleuren, die seit kurzem in den Zügen mitfahren, habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Sikorski. Stärker als anonyme Technik wie Videokameras vermittelten sie Fahrgästen ein Gefühl von Sicherheit und seien darüber hinaus noch Ansprechpartner. Auch Schaffner sollen nach den Plänen Sikorskis bald wieder im Nahverkehr eingeführt werden. Zudem sei auch die Polizei stärker in das Sicherheitskonzept der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) eingebunden, dadurch habe man einen guten Überblick über die Delikte, die im städtischen Nahverkehr verübt würden.

Berlin verfolgt Frankfurter Vorhaben

In Berlin verfolgen die Verkehrsbetriebe das Frankfurter Projekt mit großem Interesse, wie eine Sprecherin sagt. Auch in der Hauptstadt seien Schaffner gerade in den Zügen, die in die Randbezirke führen, wünschenswert. Allerdings sei das Personal, das für neun dicht getaktete U-Bahn-Linien bereitgestellt werden müsste, nicht bezahlbar. Auch in München gibt es ein derartiges Schaffner-Modell nicht. Die Stadtwerke haben ihren Angaben zufolge stattdessen eine eigene „U-Bahnwache“ aufgestellt.

Dass der Wunsch nach mehr Personal in den Zügen in Frankfurt schon lange besteht, zeigt eine Umfrage des Präventionsrats, die im Mai 2007 bei einem Aktionstag zum Thema „Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr“ durchgeführt worden ist. Demnach fühlen sich viele Fahrgäste vor allem in den Abendstunden unsicher. Rund 68 Prozent haben sich damals für mehr Sicherheitskräfte ausgesprochen. 45 Prozent forderten darüber hinaus eine Ausweitung der Videoüberwachung in den Zügen und an den Haltestellen.

Kameras und Notrufsäulen

Die VGF hatte damals reagiert. Sukzessive wurden die Stationen und neuen Züge mit Kameras und Notrufsäulen ausgestattet. Die dritte Phase des „Sicherheit und Service“-Konzepts soll demnächst beginnen, wie VGF-Sprecher Bernd Conrads sagt. Vor allem aber hat die VGF auf Vandalismus und Gewaltdelikte in den Zügen der „Problemlinien“ U 1, 2, 3 reagiert: Seit einigen Monaten schon fahren von 21 Uhr an auf dem Streckenabschnitt zwischen Heddernheim, Bonames und Nieder-Eschbach verstärkt Sicherheitskräfte der VGF mit. Darüber hinaus besteht eine neue Partnerschaft zwischen VGF und Landespolizei: Streifenwagen fahren regelmäßig die Trasse ab. Somit können die Beamten schnell reagieren, wenn in einer U-Bahn ein Vorfall gemeldet wird, wie Polizeisprecher Jürgen Linker sagt.

Aus Sicht des Präventionsrats, der mit der Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“ für mehr Zivilcourage wirbt, ist das Engagement der VGF vorbildlich im Vergleich zu vielen anderen Großstädten. Der Geschäftsführer des Präventionsrats, Frank Goldberg, fordert derartige Schritte nun auch über den U-Bahn-Verkehr hinaus. „Sinnvoll wäre ein regionales Sicherheitskonzept, das die S-Bahnen mit einschließt“, sagt er. Da am S-Bahn-Betrieb aber gleich drei Parteien beteiligt sind – die Deutsche Bahn, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Bundespolizei –, ist es ungleich schwieriger, Sicherheitskonzepte zu verwirklichen, als im überschaubaren U-Bahn-Verkehr, wo alle Entscheidungen von der Stadt getroffen werden.

Bahn hat Sicherheitspersonal aufgestockt

Dennoch gibt es Ansätze, auch den regionalen S-Bahn-Verkehr sicherer zu machen. Die Deutsche Bahn hat hierfür jüngst ihr Personal bundesweit aufgestockt, was vor allem Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet zugutekommt. Zudem kooperieren Bundes- und Landespolizei sowie neuerdings auch der Zoll in der sogenannten Koordinierungsgruppe Süd eng miteinander und entwerfen gemeinsame Lagebilder. So wurden nach Angaben der Polizei seit August 2009 im Rhein-Main-Gebiet 2026 Straftaten (ohne Schwarzfahren) im S-Bahn-Verkehr erfasst – darunter 166 Körperverletzungen, 600 Sachbeschädigungen und 1060 Diebstähle.

Um derartige Delikte künftig dauerhaft verhindern oder zumindest verfolgen zu können, analysieren die Polizeien gemeinsam mit dem RMV derzeit sämtliche Züge und Stationen mit dem Ziel, diese – wenn es sinnvoll erscheint – mit Videokameras auszustatten. Gerade in Frankfurt, heißt es, habe die Polizei mit Videoanlagen gute Erfahrungen gemacht.

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