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Schule Premiere für das Landesabitur

 ·  Das Zentralabitur hat Premiere in Hessen. 19.000 Schüler legen von Freitag an die zentrale Abiturprüfung ab. Damit werde der Abschluss vergleichbar und verlässlich, sagte Kultusministerin Karin Wolff.

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Etwa 19.000 hessische Schüler werden von Freitag an zum ersten Landesabitur mit einheitlichen schriftlichen Aufgaben antreten. Die Prüfungen ziehen sich, nach Fächern gegliedert, insgesamt elf Tage hin, die Nachprüfungen finden vom 19. April bis 4. Mai statt. Mit dem Landesabitur werde der Abschluss vergleichbar und verlässlich, und das Abitur werde sowohl für die Schüler als auch für Arbeitgeber und Hochschulen aufgewertet, sagte Kultusministerin Karin Wolff (CDU) in Wiesbaden.

Das Landesabitur ist eine hessische Sonderregelung, eine Kombination aus zentralen, vom Kultusministerium vorgegebenen Prüfungsaufgaben und dezentralen, von den Schulen zu verantwortenden Prüfungsteilen. Die SPD im Landtag lehnt das Modell ab, weil es zu „Stress, Schulangst und Gleichmacherei“ führe.

Aufgaben kommen per E-Mail in die Schulen

Von Freitag an bis zum 30. März müssen Schüler an 252 öffentlichen und privaten gymnasialen Oberstufen und beruflichen Gymnasien die Landesabiturprüfungen ablegen. Einheitliche schriftliche Aufgaben gibt es für 28 allgemeinbildende sowie für 15 berufsbezogene Fächer. Zentral geprüft werden alle Leistungskurse und die Fächer des dritten schriftlichen Abiturfaches, die Aufgaben dafür werden den Schulen erst am Donnerstag per E-Mail zugestellt.

Für die Gestaltung des vierten, des mündlichen Prüfungsfachs und der fünften Prüfung, für die es eine Wahlmöglichkeit zwischen mündlicher Prüfung, Präsentation oder besonderer Lernleistung gibt, sind hingegen weiterhin die einzelnen Schulen zuständig. Die Geheimhaltung der Aufgaben ist nach Ansicht von Wolff sichergestellt. Das Verfahren sei in drei Testläufen mit allen Schulen erprobt worden. Insgesamt habe das Landesabitur einen Vorlauf von etwa vier Jahren gehabt, so dass die Schüler bereits beim Eintritt in die Oberstufe gewusst hätten, was sie erwarte. Einheitliche Prüfungen an Haupt- und Realschulen in Hessen gibt es in diesem Jahr bereits zum vierten Mal.

Die SPD kündigte an, sie werde im Falle einer Regierungsübernahme im nächsten Jahr das Zentralabitur wieder abschaffen. Es führt nach Ansicht der schulpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heike Habermann, nämlich dazu, dass Schüler in eine Schablone gepresst würden und der Stoff auf den Prüfungslisten stur gepaukt werde. Der von der CDU propagierte „Fetisch der Vergleichbarkeit“, so Habermann, führe in Wirklichkeit zu „Gleichmacherei“.Die FDP hingegen lobte die Vergleichbarkeit des Landesabiturs. Es sei sinnvoll und werde dazu beitragen, die Qualität der schulischen Leistungen zu verbessern, sagte die Landtagsabgeordnete Dorothea Henzler.

Goethes „Faust“ und undichte Bierflaschen

Die Fragen für die schriftlichen Prüfungen des Landesabiturs haben nach Angaben des Kultusministeriums 43 Fachkommissionen mit insgesamt rund 250 Lehrern aus allen Teilen Hessens erarbeitet. Wie bei den bisherigen Abiturprüfungen auch würden die Aufgaben auf Basis der verbindlichen Lehrplan-Inhalte für das jeweilige Fach zusammengestellt. „Das Landesabitur kommt also mitten aus der Schulpraxis“, meint Kultusministerin Karin Wolff (CDU). Seit April 2005 sind auf der Internetseite des Ministeriums (www.kultusministerium.hessen.de) Beispielaufgaben zur Vorbereitung auf das Landesabitur samt Lösungshinweisen zu finden.

Alle Prüflinge erhalten die Möglichkeit, entweder zwischen kompletten Aufgabenvorschlägen oder zwischen Teilaufgaben zu wählen. In den meisten Fächern suchen die Prüfer nach Darstellung des Ministeriums aus drei Aufgabenvorschlägen zwei heraus, zwischen denen sich dann die Prüflinge entscheiden müssen. Das erlaube es den Lehrkräften, Schwerpunkte zu setzen. Die Einlese- und Auswahlzeit betrage in der Regel 30 Minuten, zum Bearbeiten stehen in Grundkursen 180 und in Leistungskursen 240 Minuten zur Verfügung. Zur Korrektur und Bewertung erhalten die Lehrer Hinweise.

Im Deutsch-Grundkurs könnten Schüler beispielsweise eine solche Aufgabe vor sich finden:

Erarbeiten Sie anhand des Goethe-Gedichts „Vor Gericht“ (entstanden 1774/75) das Bild der Frau, ihre Problematik und ihre Haltung gegenüber der Gesellschaft.

Vergleichen Sie diese Konzeption mit Goethes Darstellung von Margarete in der Tragödie „Faust I“ und zeigen Sie anhand von ausgewählten Textstellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf.

Erörtern Sie anhand der Gestaltung einer literarischen Frauengestalt Ihrer Wahl überzeitliche Aspekte in der Rollenproblematik und in den Verhaltensweisen von Frauengestalten gegenüber der Gesellschaft.

Für den Mathematik-Grundkurs wird im Internet folgende Beispielaufgabe genannt (Auszüge):

Eine Bierbrauerei stellt sich beim Verkauf von Flaschenbier vollständig um. Der bisher übliche Kronkorken wird durch einen Bügelverschluss ersetzt. Leider ergeben sich bei der Produktion Probleme mit der neuen Verschlusstechnik. Nicht alle Flaschen sind absolut luftdicht verschlossen.

In einem Getränkehandel steht ein Kasten mit 20 Flaschen Bier, von denen sechs Flaschen nicht korrekt verschlossen sind. Ein Kunde entnimmt dem Kasten drei Flaschen. Stellen Sie den Vorgang in einem Baumdiagramm dar. Mit welcher Wahrscheinlichkeit sind mindestens zwei Flaschen undicht?

Ein Kunde entnimmt dem Kasten fünf Flaschen Bier. Mit welcher Wahrscheinlichkeit sind alle fünf Flaschen nicht richtig verschlossen?

Stündlich werden 100 Flaschen kontrolliert. Steigt der Anteil der undichten Flaschen, so muss der Produktionsprozess gestoppt werden, um entsprechende Korrekturen an den Maschinen vornehmen zu können. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vermehrung des Ausschusses unentdeckt bleibt, obwohl sich die Wahrscheinlichkeit für eine undichte Flasche tatsächlich verdoppelt hat?

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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