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Schule Hessen richtet Deutschklassen für zugewanderte Schüler ein

11.07.2006 ·  Zugewanderte Schulkinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse bekommen in Hessen künftig verpflichtend Deutschunterricht, bevor sie in den Regelunterricht wechseln dürfen. Dafür werden etwa 400 Intensivklassen und -kurse geschaffen.

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Zugewanderte Schulkinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse bekommen in Hessen künftig verpflichtend Deutschunterricht, bevor sie in den Regelunterricht wechseln dürfen. Das Land werde für diese Schüler zum neuen Schuljahr flächendeckend spezielle Intensivklassen und -kurse einrichten, kündigte Kultusministerin Karin Wolff (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an. In den Klassen sollen 12 bis 16 Schüler mindestens 28 Stunden pro Woche unterrichtet werden, in den Kurse höchstens zwölf Schüler mindestens zwölf Wochenstunden.

„Ich möchte, dass alle Kinder und Jugendlichen im Unterricht mitreden können“, sagte Wolff. Das Beherrschen der deutschen Sprache habe nicht nur den Vorteil, dass die Kinder den Unterrichtsstoff verstehen. Sie würden auch selbstbewusster. Der Unterricht in Spezialklassen und -kursen an Schulen ersparen ihnen die Frustration, sich nicht am normalen Unterricht beteiligen zu können, und zeige ihnen, daß auch andere um die Sprache kämpfen müßten.

Wolff rechnet mit bis zu 85 Klassen

Wie viele Kinder für Intensivklassen oder -kurse in Frage kommen, läßt sich laut Wolff noch nicht genau abschätzen. Sie rechnet aber mit 80 bis 85 Klassen und 300 bis 350 Kursen. Im Schuljahr 2004/2005 wurden in Hessen 5206 neu zugezogene Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse gezählt. Die Klassen werden sich nach Einschätzung der Ministerin in großen Städten leichter bilden lassen als in ländlichen Regionen. In ländlichen Gebieten böten sich Kurse an. In den Klassen werden die Kinder ein Jahr unterrichtet und in den Kursen bis zu zwöei Jahre.

Die Klassen und Kurse können schulform- und jahrgangübergreifend sein. Die Teilnehmer sollen an einigen regulären Unterrichtsangeboten wie Sport teilnehmen. Das neue Angebot ergänzt laut Wolff die bisherigen Angebote, mit denen Ausländerkinder möglichst früh Deutsch lernen sollen. Derzeit habe etwa ein Viertel der Jugendlichen einen Migrationshintergrund, das heißt die Kinder selbst, ein Eltern- oder Großelternteil kommt aus dem Ausland. Bei den Kindern bis zu sechs Jahren sei es sogar fast ein Drittel.

Das Kultusministerium fördert alle Angebote der Sprachschulung laut Wolff mit 45 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kämen 15 Millionen Euro für entsprechende Angebote vom Sozialministerium. Das Land habe die Zahl der Lehrerstellen für diese Förderungen im neuen Schuljahr um 48 auf 1013 erhöht. 200 davor würden für die Intensivklassen und - kurse bereitgestellt.

SPD, Grüne und FDP bescheinigen „richtigen Ansatz“

Zu den Fördermaßnahmen gehört die 2002 flächendeckend eingeführten neunmonatigen Vorlaufkurse vor der Einschulung, mit denen Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse - auch aus deutschen Familien - für die Schule fit gemacht werden sollen. Bisher haben 22.385 Kinder solche Kurse besucht. Außerdem gibt es unter anderem Sprachkurse für Kinder, die bei der Einschulung zurückgestellt wurden, und Sprachförderungen in der Grundschule. Laut Wolff zeigen sich bereits Erfolge. Die Zahl der Nichtversetzungen sei eklatant zurückgegangen.

SPD, Grüne und FDP sprachen von einem richtigen Ansatz, der aber nicht ausreiche. SPD und FDP forderten erneut ein verpflichtendes Vorschuljahr vor Beginn der Grundschule. Die Grünen forderten Wolff erneut auf, sie solle sich ein Beispiel an dem CDU-regierten Nordrhein-Westfalen nehmen, wo es einen Aktionsplan Integration gebe. Er sehe unter anderem Familienzentren für Zuwandererfamilien, den Abschluss von Bildungsvereinbarungen mit Ausländer-Organisationen und eine verstärkte Einstellung von Lehrern mit Migrationshintergrund vor. Die Grünen wollen das Programm des Nachbarlandes in dieser Woche dem hessischen Landtag vorlegen.

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