Die Menschen, die es vor 14.000 Jahren in der Region um Hanau gab, waren Überlebenskünstler. In der Epoche der sogenannten Würmeiszeit war es nicht nur kalt, auch die Vegetation war meist karg in den sich ausbreitenden Steppen und Tundren. Außerdem lauerten überall mächtige Feinde. Wären sie nicht schon gut mit Waffen, Kleidung sowie Utensilien zum Entfachen des Feuers ausgestattet gewesen, wäre Homo sapiens hier bald ausgestorben.
Fleisch gab es zwar reichlich, doch die eiszeitlichen Jäger mussten die Tiere mühsam und oft unter großer Gefahr für Leib und Seele erlegen. Kritisch wurde es etwa, wenn sie einem mächtigen Höhlenbär gegenüberstanden. Dessen Körper lieferte Kleidung und Nahrung in Fülle, der Bär war in seinen Ausmaßen aber so gewaltig, dass sicher nur die blanke Not dem Menschen den Mut gab, sich mit ihm anzulegen.
Waffen bei Bauarbeiten am Bruchköbeler Kreuz gefunden
Nach einem Rundgang durch die Ausstellung „Jäger der Eiszeit“ im Museum Schloss Steinheim erlangt der Besucher zumindest eine Ahnung davon, wie schwer es den Vorfahren einst gefallen sein muss, das Überleben zu sichern. Im Marstall des Steinheimer Schlosses beeindruckt beispielsweise die Nachbildung eines mächtigen, buckligen Höhlenbärs den Betrachter. Exemplare wie er bevölkerten einst die Höhlen in Europa und waren auch in unseren Breiten durchaus vertreten. Auch die Begegnung mit dem Riesenhirsch, der mit seinem ausladenden Schaufelgeweih seinem Gegner Furcht einflößte, mit dem Wolf, dem Höhlenlöwen oder dem Wollnashorn, die im Marstall dem Bär Gesellschaft leisten, dürfte für die eiszeitlichen Jäger kein Vergnügen gewesen sein.
Immerhin waren sie schon in der Lage, wirkungsvolle Waffen und Werkzeuge anzufertigen, wie sie im Jahr 1980 bei Bauarbeiten am Bruchköbeler Kreuz zutage gefördert wurden. Angefertigt wurden die Schaber, Kratzer, Pfeilspitzen und Widerhaken aus Quarzit, das in der Gegend reichlich vorkam. Diese Funde, aufbewahrt im Museum Schloss Steinheim, gaben Museumsleiterin Sabine Hengster den Anstoß, die Zeit, aus der sie stammen, einmal genauer zu beleuchten. Für die Ausstellung „Jäger der Eiszeit“ trug das Museum Leihgaben zahlreicher regionaler Museen zusammen.
Gebrauchs- und Jagdutensilien des eiszeitlichen Menschen
Vor allem konnte es auf die reiche Sammlung des Münchner Tierpräparators Dieter Luksch zurückgreifen, aus dessen Werkstatt rund 20 lebensgroße Nachbildungen und Originalpräparate stammen. Neben den Tiernachbildungen, darunter ein riesiger Mammutkopf, und fossilen Knochen sind erste kleine Kunstwerke aus Knochen, Kalkstein oder Stoßzähnen sowie Gebrauchs- und Jagdutensilien des eiszeitlichen Menschen zu sehen. Angefertigt wurden damals nicht nur Fruchtbarkeitsstatuen und Tierdarstellungen, teils als Waffenzubehör, sondern schon erste Musikinstrumente wie kleine Flöten aus Schwanenknochen.
Weitere Attraktion ist der Abguss eines Mammutkalbs, das in einem Schlammloch ums Leben gekommen ist und dessen Überreste dort natürlich konserviert wurden. 1977 fand man es in Sibirien. Einen anschaulichen Blick in die Menschheitsgeschichte gewährt auch der Nachbau einer Zelthütte, wie sie den umherziehenden Eiszeitmenschen als vorübergehende Heimstatt diente. Im Innern gestützt von einer einfachen Holzkonstruktion, bildeten Felle das Dach, während Stützen aus Mammutknochen dem Ganzen Halt verliehen.

