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Schlappeseppel Eine schöne Geschichte

12.04.2009 ·  Deutschland hat gewählt. Allerdings wurde jüngst nicht über die Zukunft von Politikern abgestimmt: Die Mitglieder des 1998 gegründeten Pro-Bier-Clubs waren sich einig, dass das beste Bier Deutschlands aus Aschaffenburg kommt. Sie erkannten den bundesweit einmaligen Preis dem „Schlappeseppel Special“ zu.

Von Agnes Schönberger
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Deutschland hat gewählt. Allerdings wurde jüngst nicht über die Zukunft von Politikern abgestimmt, sondern Deutschlands Bierexperten durften zum elften Mal entscheiden, welcher Gerstensaft sich mit dem Prädikat „Bier des Jahres“ schmücken darf. Die Mitglieder des 1998 gegründeten Pro-Bier-Clubs waren sich einig, dass das beste Bier Deutschlands aus Aschaffenburg kommt. Sie erkannten den bundesweit einmaligen Preis dem „Schlappeseppel Special“ zu. Brauerei-Inhaber Friedbert Eder, dem die „hohe“ Auszeichnung in der Traditionsgaststätte „Schlappeseppel“ von Pro-Bier-Club-Gründer Matthias Kliemt überreicht wurde, sagte, der Preis erfülle ihn mit Stolz. Denn er sei ihm nicht von „Weißkittelträgern“ oder Bier-Sommeliers verliehen worden, sondern von Biertrinkern „in einem demokratischen Verfahren“ erkoren.

Jedes der 5500 Club-Mitglieder testet Monat für Monat ausgewählte Bierköstlichkeiten einer Spezialitätenbrauerei, die ihm per Post zugestellt werden. Dieses „Überraschungsei für Erwachsene“ enthält immer neun Flaschen. Im vergangenen Oktober war das „Schlappeseppel Special“ unter 7000 deutschen Biermarken zum „Bier des Monats“ gekürt und bundesweit verköstigt worden. 4000 Mitglieder beteiligten sich an der Abstimmung. Eder nahm die Auszeichnung zum Anlass, die neue „Schlappeseppel“-Bierdeckel-Edition des Karikaturisten-Duos Greser & Lenz vorzustellen, die 2003 erstmals erschienen war. Die beiden Spottvögel, die seit Jahren in Aschaffenburg leben, sind bekannt dafür, sich regelmäßig kreative Anregungen in der Gaststätte mit den langen Biertischen und zünftigen Portionen zu holen. Über das „Schlappeseppel“-Bier wissen sie nur Gutes zu berichten. Es befördere die Kommunikation und überraschende Einsichten von Stammtischkollegen, die sie später in einen Witz umwandeln könnten.

Erinnerung an den Einmarsch der Schweden 1631

Das „Schlappeseppel Special“ war 2006 als „mildsüffiges Spezialbier“ gebraut worden, um an den Einmarsch des Schwedenkönigs Gustav Adolf in Aschaffenburg im Jahre 1631 zu erinnern. Damals soll ein Soldat namens Lögler, der wegen seines lahmen Fußes der „schlappe Seppel“ genannt wurde, für den König ein meisterhaftes Bier gebraut haben. Weil es dem Mann in Aschaffenburg gefiel, wurde er sesshaft und schloss sich nicht mehr dem Heerestross an.

Ursprünglich hatte die Familie Eder den 375. Geburtstag des Bieres groß feiern wollen. Doch ausgerechnet zu jener Zeit tobte in Aschaffenburg eine Auseinandersetzung um historische Genauigkeit. Stadtarchivar Hans-Bernd Spies bezeichnete die angebliche Geburtsstunde der Traditionsbrauerei im Jahr 1631 und die Geschichte vom fußkranken Soldaten als eine „Erfindung“. Zwar hätten die Schweden die Stadt eingenommen. Doch es habe niemals einen Hermann Lögler gegeben, der zum genialen Braumeister aufgestiegen sei. Demzufolge habe es auch kein „Schlappeseppel“-Bier und kein Brauhaus gegeben. Der Historiker konnte belegen, dass eine „Wirtschaft zum Schlappeseppel“ erstmals 1925 namentlich erwähnt wurde. Spies zufolge könnte die Bezeichnung darauf hindeuten, dass der Wirt die Gäste in Hausschuhen, sogenannten Schlappen, bedient habe.

„Ein Bier, so echt wie seine Geschichte“

Der Stadtarchivar hatte zuvor schon eine weitere beliebte Aschaffenburger Legende ins Reich der Fabel verwiesen. Danach stimmte auch die Geschichte über den tapferen Kapuzinerpater Bernhard von Trier nicht, der dem Schwedenkönig 1631 mutig entgegengetreten sein soll. Die Kommune hatte die Heldentat des Paters 300 Jahre später mit einem Denkmal unter der Mainbrücke gewürdigt. Spies wollte eine Korrektur des Tafeltextes erreichen. Doch während die Familie Eder klein beigab, auf die Jubiläumsfeier verzichtete und auf den Flaschenetiketten nicht länger den Aufdruck „Seit 1631“ verwendet, wollten sich die Aschaffenburger Stadträte die schöne Geschichte nicht nehmen lassen. Sie lehnten einen belehrenden Zusatz an dem Denkmal ab.

Auch die Brauerei wirbt längst wieder mit dem Slogan „Seit Jahrhunderten in aller Munde“ für ihre bekannteste Biermarke. Der Zusatz „Ein Bier, so echt wie seine Geschichte“ ist im Lichte der neuen Erkenntnisse aber leicht kontraproduktiv.

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