Nach langen Gesprächen und schwierigen Verhandlungen ist der Trägerwechsel perfekt: Die Wiesbadener "Dr. Horst Schmidt Klinik" übernimmt vom Land Hessen das aus zwei Kliniken bestehende "Zentrum für Rheumatologie" in Schlangenbad. Ein Kaufpreis fließt nicht, vielmehr fördert das Land die Übernahme sogar noch mit einem Zuschuß von 18,5 Millionen Euro. Zwölf Millionen Euro von dieser Summe sind für Umbau, Sanierung und Modernisierung der beiden Mitte der siebziger und Mitte der achtziger Jahre eröffneten Kliniken gedacht. Weitere 1,5 Millionen Euro sind zur Auflösung eines Investitionsstaus vorgesehen, rund fünf Millionen Euro sollen dazu dienen, die erwarteten Anlaufverluste aufzufangen.
Mit einem Personalüberleitungsvertrag wurde geregelt, daß die insgesamt 139 Beschäftigten der Klinik ohne Nachteile den Arbeitgeber wechseln können. Zudem wurde der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen innerhalb der nächsten fünf Jahre vertraglich festgeschrieben. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Schmidt-Kliniken, Detlev Bendel, äußerte die Erwartung, mit der vom Land ermutigten Übernahme der beiden Kliniken das Angebot seiner Gesellschaft "abrunden" zu können. Der Vertreter des Landes Hessen, Kai Wieczorek, sprach von besseren Aussichten für die Zukunft und für den Erhalt der Arbeitsplätze.
Die heutige KlinikI war 1975 als Kurheim mit medizinischer Abteilung erbaut worden, die KlinikII als Erweiterung im Jahr 1985. Damals hatte die "Reha-Welle" ihren Höhepunkt. Die insgesamt 234 Betten waren noch im Jahr 1995 mit bis zu 96 Prozent gut ausgelastet, ehe 1998 im Zuge der Gesundheitsreform der Einbruch erfolgte und die Belegung auf 50Prozent zurückging. Alle Versuche des Landes, dieser Entwicklung zu begegnen, schlugen fehl.
Nun wird die Klinik bis zum Jahresende eine Baustelle werden. Schon Ende März soll mit dem stufenweisen Umbau begonnen werden, der möglichst bis Januar 2006 abgeschlossen sein soll, denn dann wird die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte wieder mit der jetzt ausgesetzten Belegung der Klinik beginnen.
Statt 234 wird es dann aber nur noch 120 Reha-Betten geben, dazu 20 "akut-rheumatologische" Betten, weitere 25 vollstationäre Betten der neuen Abteilung für Psychosomatik und weitere 15 Plätze in einer psychosomatischen Tagesklinik. Das Personal, das zu den besten Zeiten der Klinik fast 200 Kräfte umfaßte, muß übergangsweise Kurzarbeit hinnehmen. Einige Mitarbeiter werden aber auch an anderen Einrichtungen der Schmidt-Kliniken beschäftigt.
Für das Land ist damit die Abwicklung des Staatsbades am Standort Schlangenbad nahezu abgeschlossen, nachdem die Gemeinde im April 2004 Thermalbad, Kurpark und Kurverwaltung übernommen hat, und ein privater Betreiber des Parkhotels soll sich in absehbarer Zeit entscheiden, ob er das Hotel vom Land endgültig übernimmt. Wieczorek sieht dafür durch die Zukunftssicherung der Klinik den Weg geebnet. Er selbst steht damit allmählich vor der Vollendung seiner Aufgabe: die sechs hessischen Staatsbäder aus der Trägerschaft des Landes zu lösen, die als ehemals preußische Kureinrichtungen auf das neu gegründete Land Hessen übergegangen waren. Wieczorek geht davon aus, daß er deshalb in absehbarer Zeit wieder in die Finanzverwaltung des Landes zurückkehren kann. obo.

