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Schießerei in Eiscafé „De Rocco“ in Rüsselsheim „Wegen nix" getötet

10.03.2010 ·  Im Prozess um die blutige Auseinandersetzung zwischen Angehörigen türkischer Familien vor der Rüsselheimer Eisdiele „De Rocco“ am 12. August 2008 hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch langjährige Haftstrafen gefordert.

Von Heidi Müller-Gerbes, Darmstadt
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Im Prozess um die blutige Auseinandersetzung zwischen Angehörigen türkischer Familien vor der Rüsselheimer Eisdiele „De Rocco“ am 12. August 2008 hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch langjährige Haftstrafen gefordert: Für den 29 Jahre alten Erkan K. beantragte Staatsanwalt Knut Happel wegen Mordes und Mordversuchs „aus niedrigen Beweggründen“ eine lebenslange Gesamtfreiheitsstrafe, für den 33 Jahre alten Erdal E. und für seinen zehn Jahre jüngeren Bruder Serdal wegen Mordversuchs zehneinhalb und acht Jahre.

Bei der gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Angehörigen zweier türkischer Familien waren drei Menschen getötet worden: der 26 Jahre alte Denis E., ein Bruder der beiden Angeklagten Erdal und Serdal E., der 29 Jahre alte Erkan K. ein Cousin des Angeklagten Taylan K., sowie die völlig unbeteiligte 55 Jahre alte Griechin Anna K.

„Das war aber kein Abend, um Missverständnisse aufzuklären“

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bestätigte die langwierige Beweisaufnahme die Anklagevorwürfe im Wesentlichen. Auf die Hintergründe der Bluttat ging der Staatsanwalt nur vage ein. Von Streitereien in der Türsteherszene war die Rede und von Handgreiflichkeiten vor Diskotheken. Beide Seiten, so Happel, hätten die Auseinandersetzung trotz Schlichtungsversuchen älterer Familienmitglieder nicht auf sich beruhen lassen wollen. Letztlich seien die drei Menschen wohl „wegen nix“ zu Tode gekommen, zitierte der Staatsanwalt einen der Angeklagten.

Am Abend des 12. August 2008 hatten sich die Parteien in dem Eiscafé getroffen, angeblich um sich auszusprechen. „Das war aber kein Abend, um Missverständnisse aufzuklären“, sagte Happel; vielmehr sei von Anfang an klar gewesen, dass beiden Seiten die Oberhand hätten behalten wollen. Das anfangs scheinbar ganz normale Beisammensein sei unversehens „schrecklich eskaliert“. In Bruchteilen von Sekunden hätten sich die Beteiligten entschlossen, von der verbalen zur körperlichen Attacke überzugehen und schließlich zum Angriff mit Waffen.

Mit dem Willen, zu töten

Erdal E. habe auf Erkan K. eingestochen, woraufhin dieser mehrere Schüsse auf den Angreifer abgegeben habe. Und als Serdal E. in Begleitung von Freunden aus dem Eiscafé geflohen sei, habe der Angeklagte Taylan K. hinter den Flüchtenden hergeschossen, allerdings ohne zu treffen.

Mit dem Willen zu töten, habe K. sich anschließend wieder dem Eiscaf zugewandt und mindestens drei Schüsse auf die dort miteinander Kämpfenden abgegeben. Erdal E. sei von ihm abermals getroffen worden, versehentlich aber habe er auch seinem Cousin Erkan K. todbringende Verletzungen zugefügt. Bevor dieser jedoch gestorben sei, habe er noch Deniz E. und Anna K. erschossen. Serdal E. schließlich sei mit seinen Freunden zum Tatort zurückgekehrt und habe „aus Rache für seinen Bruder“ 14 Mal auf den noch lebenden K. eingestochen.

Alle Angeklagten müssten damit leben, auch „einen kleineren oder größeren Beitrag“ zu Tod der Anna K. geleistet zu haben, sagte Happel abschließend. Am Mittwoch soll die Hauptverhandlung mit den Plädoyers der Nebenklage fortgesetzt werden.

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Jahrgang 1944, freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

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