16.03.2006 · Das Bundesverkehrsministerium prüft den Bau der ICE-Strecke von Frankfurt nach Mannheim. Hessens Verkehrsminister Alois Rhiel unterstützt das Bauvorhaben. „Dieses Projekt hat oberste Priorität“.
Von Christian SiedenbiedelDie ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke von Frankfurt nach Mannheim, deren Planung wegen der Subventionskürzungen vor zwei Jahren auf Eis gelegt worden war, könnte eine neue Chance bekommen. Wie gestern im Bundesverkehrsministerium zu erfahren war, prüft man derzeit, ob die Strecke wieder in die mittelfristige Finanzplanung des Bundes aufgenommen wird. Nach Informationen der F.A.Z. sollen entsprechende Gespräche zwischen Ministerium und Bahn noch in der ersten Jahreshälfte stattfinden.
In Wiesbaden unterstützt man die Pläne, wie Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) dieser Zeitung sagte: „Für die Hessische Landesregierung hat dieses Projekt oberste Priorität. Entsprechend intensiv sind die Gespräche mit dem Bund, der Bahn und der Stadt Darmstadt.“
Die Kosten für den Ausbau der Strecke werden mit 1,6 Milliarden Euro veranschlagt. Die Bahn verspricht sich davon eine Entlastung der sogenannten Riedbahn zwischen dem Rhein-Main- und dem Rhein-Neckar-Raum, auf der sich bislang Fernverkehrs-, Nahverkehrs- und Güterzüge weite Streckenabschnitte teilen müssen.
Anbindung der Städte fraglich
Die Bahn hatte die Planungen für den Ausbau der Strecke nach dem Abschluß des sogenannten Raumordnungsverfahrens eingestellt, weil sie befürchtete, auf den Planungskosten sitzenzubleiben. Die Kosten für die noch ausstehenden Planungsarbeiten werden auf 16,5 Millionen Euro geschätzt, rund 30 Millionen Euro wurden schon investiert.
Zwei äußerst heikle Fragen kommen damit wieder auf die Tagesordnung: Sowohl bei Mannheim als auch bei Darmstadt ist umstritten, ob die neue Strecke die Hauptbahnhöfe anbinden oder an den Städten vorbeiführen soll. Die Bahn hatte im Raumordnungsverfahren die schnellste Verbindung von Frankfurt nach Stuttgart ohne Halt in Darmstadt und Mannheim („Direttissima“) befürwortet.
Die Regierungspräsidien in beiden Bezirken jedoch hatten aus Gründen der sogenannten Raumverträglichkeit eine Anbindung der Städte verlangt. In einem Planfestellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt - das wäre der nächste Planungsschritt - wäre die Bahn nicht an die Vorgaben der Regierungspräsidien gebunden. Ein Vorgehen gegen die Regionen würde die Planung jedoch zweifellos erschweren.
Druckmittel
Ein Referent von Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) sagte gestern, man arbeite „mit Anstrengung“ an einem Kompromiß. In Baden-Württemberg gab es Gerüchte, die Landesregierung könnte nach der Wahl am 26. März einer Umfahrung Mannheims unter Umständen zustimmen. Das Schreiben eines Ministerialdirektors auf eine Anfrage der Grünen wurde entsprechend interpretiert.
Für die Bahn gibt es im offenbar schwierigen Verhandlungsprozeß ein Druckmittel: Die neue ICE-Strecke Nürnberg-München macht es möglich, Hochgeschwindigkeitszüge von Frankfurt über Würzburg, Nürnberg und Ingolstadt nach München zu führen - statt über Mannheim. Einige ICE-Linien im Nord-Süd-Verkehr könnten deshalb verlegt werden.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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