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Schienenverkehr Darmstadt bekommt ICE-Anschluss

02.02.2007 ·  Darmstadt wird an die geplante ICE-Neubaustrecke Mannheim-Frankfurt angeschlossen. Ab 2014 sollen ICE-Züge stündlich am Darmstädter Hauptbahnhof Halt machen.

Von Rainer Hein
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Das Land Hessen, die Stadt Darmstadt und die südhessischen Landkreise haben sich mit der Deutschen Bahn AG auf eine Anbindung Darmstadts an die geplante ICE-Neubaustrecke Mannheim–Frankfurt geeinigt. Der von Bahnchef Hartmut Mehdorn, Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU), Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) und Vertretern der umliegenden Landkreise vorgestellte Kompromiss sieht die schon im vergangenen Jahr von der Bahn in die Diskussion gebrachte Bypass-Lösung vor, die jetzt als „Konsenstrasse“ firmiert. Dabei handelt es sich um einen eingleisigen Abzweig, über die der Darmstädter Hauptbahnhof an die Hauptstrecke angebunden werden soll, die entlang der Autobahnen 5 und 67 geplant ist.

In der schriftlich fixierten Vereinbarung garantiert die Bahn, dass der Darmstädter Hauptbahnhof „mindestens einmal pro Stunde und Richtung“ von ICE-Zügen angefahren wird. Diese Garantie nannte Rhiel das „wesentliche Ergebnis“ des Abstimmungspapiers, an dem bis zuletzt gefeilt worden ist. Der Kompromiss sei ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Bau der Strecke.

2014 soll die Trasse den Betrieb aufnehmen

Nur wenn Bahn, Land und Kommunen an einem Strick zögen, gebe es die Chance, dass das auf zwei Milliarden Euro geschätzte Neubauprojekt durch das aktuelle Investitionsprogramm des Bundes finanziert werde, äußerte der Minister. Auch Hoffmann und Mehdorn bezeichneten die Einigung auf die Konsenstrasse als eine gute Lösung. Nach Angaben des Bahnchefs kann die Stadt nach Inbetriebnahme der 75 Kilometer langen Haupttrasse zwischen Mannheim und Frankfurt täglich von mehr als 210 durchfahrenden Güterzügen entlastet werden. Der Bypass könne durch das nördliche Stadtgebiet Darmstadts so geführt werden, dass keine aufwendigen Ingenieurbauwerke nötig würden.

Die Bahn wiederum komme ihrem Ziel näher, bestehende Engpässe auf den vorhandenen Strecken, insbesondere der hoch belasteten Riedbahn und der Main-Neckar-Bahn, zu beseitigen und Reisenden, die Darmstadt nicht anfahren wollten, eine gute Verbindung anzubieten. Die nun vereinbarte Lösung enthalte daher für alle Beteiligten wichtige Vorteile. Mehdorn verwies darauf, dass die ausgehandelte Streckenführung Varianten entspreche, die die Bahn auch auf den Strecken Nürnberg–München oder Frankfurt–Köln mit Erfolg praktiziere. „Es gibt gar keinen Grund zum Misstrauen. Wir wollen da fahren, wo die Menschen sind.“

Über die Anbindung Darmstadts an die geplante Hochgeschwindigkeitstrasse, die nach Angaben Mehdorns 2014 in Betrieb gehen könnte, war es in den vergangenen Jahren zu einem Verhandlungsstillstand gekommen. Eine Diskussion entspann sich erst wieder im vergangenen Herbst, als Hoffmann nach Gesprächen in Berlin von der Bypass-Variante berichtete. Diesem Vorschlag stand der Oberbürgermeister aufgeschlossen gegenüber, Darmstadts Kommunalpolitiker verwiesen indes auf die politische Beschlusslage, die die im Raumordnungsverfahren als Variante III bezeichnete Trassenführung bevorzugt. Sie schreibt hingegen vor, den Gesamtverkehr über den Darmstädter Hauptbahnhof zu führen.

„Meilenstein für die Zukunft der Region“

Die von den Fraktionen formulierten Kriterien für eine mögliche Abweichung von dieser Variante sieht Hoffmann in der jetzt getroffenen Vereinbarung weitgehend berücksichtigt. Er verwies auf die Zusage der Bahn, dass sich weder Land noch Region, noch Stadt finanziell an den Bau- oder Planungskosten beteiligen müssen. Darüber hinaus sei schriftlich fixiert, dass sowohl die Haupttrasse Mannheim–Frankfurt wie der Abzweig zum Hauptbahnhof Darmstadt gleichzeitig zu bauen seien. Schließlich habe sich die Bahn einverstanden erklärt, in den Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren die Konsenstrasse im Vergleich zur Variante III zu bewerten. „In den Verhandlungen hat sich die Situation für uns deutlich verbessert. Wir haben jetzt die historische Chance, die Stadt anzubinden. Jahre dauernde Diskussionen können wir uns nicht mehr leisten, sonst werden wir abgehängt.“

Gleichzeitig sprach Hoffmann von einer „Reihe von Problemstellungen“, die noch abzuarbeiten sei. Dazu dürfte zum Beispiel die von der Bahn zugesagte Analyse der künftigen „Verkehrsentwicklung im Korridor Rhein/Main-Rhein/Neckar“ und die Möglichkeit einer Direktverbindung vom Darmstädter Hauptbahnhof zum Flughafen Frankfurt gehören.

Der Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, Alfred Jakoubek (SPD), sprach von einem „Meilenstein für eine gute Zukunft der Region“, verwies aber auch darauf, dass durch die geplante Trassenführung ein Teil des Zugverkehrs aus der Stadt in den Landkreis verlagert werde. Betroffen seien davon insbesondere Weiterstadt, Griesheim und Pfungstadt. Er hoffe, entsprechende Anregungen und Bedenken der betroffenen Kommunen würden Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens. Von der Bahn erwarte er, dass sie insbesondere etwas gegen die Lärmbelastung unternehme. Von der Bahn war zu erfahren, dass die neue Bahnlinie auf Weiterstädter und auf Griesheimer Gebiet in einen Tunnel gelegt werden soll.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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