16.04.2009 · Das von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) verhängte Anbau- und Verkaufsverbot für gentechnisch veränderten Mais ist nach Meinung des Gießener Pflanzenforschers Wolfgang Friedt sachlich nicht gerechtfertigt.
Von Thorsten WinterDas von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) verhängte Anbau- und Verkaufsverbot für gentechnisch veränderten Mais ist nach Meinung des Gießener Pflanzenforschers Wolfgang Friedt sachlich nicht gerechtfertigt. Genmais sei unbedenklich für die Umwelt, sagte der Professor für Pflanzenzüchtung an der Gießener Universität der Rhein-Main-Zeitung und bekräftigte seine im vergangenen Jahr geäußerte Ansicht (Pflanzenforscher: „Genmais ist unbedenklich für die Umwelt“). Er sehe sich durch neue Untersuchungen in seiner Meinung bestärkt. Der Pflanzenforscher hatte 2007 im Auftrag des Bundessortenamts, das für die Zulassung von Pflanzensorten zuständig ist, in Groß-Gerau gentechnisch veränderten Mais der nun verbotenen Variante Mon 810 geprüft. Ein weiterer Versuch war im Jahr darauf von militanten Gentechnik-Gegnern in der Nähe von Gießen vereitelt worden.
Friedt führte für seine Kritik an Aigner eine auf zwei Jahre angelegte Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft an, für die Kühe mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert worden seien. Dabei habe es „keinerlei Hinweise auf irgendwelche Wirkungen oder Nachweise in der Milch oder was auch immer“ gegeben. Auch sei der - gegen den Schädling Maiszünsler resistente - Genmais für andere Insekten weniger schädlich als ein herkömmliches Pflanzenschutzmittel. Die Ministerin hatte dagegen auf Studien verwiesen, nach denen Mon 810 zu einer höheren Sterblichkeit von Larven des Zweipunktkäfers führen könne. Friedt gibt aber zu bedenken, es gebe „Varianzen von Versuch zu Versuch“.
Vor diesem Hintergrund meint Friedt, die Landwirtschaftsministerin nutze die von der Europäischen Union eröffnete Möglichkeit, Schutzklauseln gegen gentechnisch veränderten Mais zu schaffen. Dazu genügten neue oder zusätzliche Informationen, die einen „berechtigten Grund zu der Annahme liefern, dass von dem Genmais eine Gefahr ausgeht“. Mehr habe Aigner auch nicht zur Begründung angeführt. „Und ich wüsste nicht, welche Untersuchungen das sind, die sie dazu bewogen haben, so zu entscheiden“, sagte der Pflanzenforscher. Gentechnisch veränderter Mais sei „besser untersucht als vieles, was wir täglich zu uns nehmen“. Aus seiner Sicht sei das Anbauverbot ein Politikum, aber kein grundsätzliches Votum gegen die hierzulande umstrittene grüne Gentechnik, die Kritiker als Gefahr für den Ökolandbau ansehen. „Nach der Europawahl sieht das alles wieder anders aus“, meinte Friedt.