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Rückzieher Radeberger verzichtet auf Umzug nach Bad Vilbel

 ·  Der geplante Umzug der Binding-Brauerei von Frankfurt nach Bad Vilbel droht zu scheitern. Nach Informationen der F.A.Z. wird die Radeberger-Gruppe vermutlich nicht den Unternehmenssitz ihrer in Frankfurt Sachsenhausen ansässigen Tochterfirma nach Bad Vilbel verlagern.

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Der geplante Umzug der Binding-Brauerei von Frankfurt nach Bad Vilbel droht zu scheitern. Nach Informationen der F.A.Z. wird die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe vermutlich nicht – wie noch vor fünf Monaten bekanntgegeben – den Unternehmenssitz ihrer in Frankfurt Sachsenhausen ansässigen Tochterfirma in das Gewerbe- und Industriegebiet „Im Quellenpark“ nach Bad Vilbel verlagern.

Das Scheitern des Umzugs könnte dem Vernehmen nach mit Schwierigkeiten der Oetker-Gruppe zusammenhängen, die unter der Wirtschaftskrise insbesondere in ihrer Schifffahrtsparte leidet. Konzernchef August Oetker soll vor vier Monaten seine Führungskräfte angewiesen haben, Projekte, die sich belastend auf die Liquidität des Konzerns auswirken, zurückzustellen.

Suche nach Grundstück

Die Radeberger-Gruppe und die Stadt Bad Vilbel hatten Anfang Juni mitgeteilt, dass für die Binding-Brauerei eine neue Braustätte östlich der Bundesstraße 3 und westlich der Main-Weser-Bahnlinie errichtet werde, die bis 2012 ihren Betrieb aufnehmen könne. Geplant waren auch ein neues Verwaltungsgebäude und ein Logistikzentrum. Ein notarieller Kaufvertrag war bereits unterzeichnet worden, und die Bad Vilbeler Stadtverordnetenversammlung hatte noch am Tag der Vertragsunterzeichnung den Weg für das Projekt frei gemacht, in dem sie einstimmig für den Verkauf des etwa 22 Hektar großen Grundstücks votierte. Inzwischen wurde das Gewerbe- in ein Industriegebiet umgewandelt und wurden bereits archäologische Untersuchungen veranlasst, um den Baubeginn vorzubereiten.

Mit dem Scheitern des Umzuges nach Bad Vilbel nimmt die Geschichte um die neue Zentrale der Radeberger-Gruppe abermals eine neue Wendung. Im größten deutschen Brauereikonzern bestehen seit längerem Pläne, den Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen zu verlassen. Als Argument wird vom Management die Nähe zu einem Neubaugebiet mit Wohnungen angegeben. Der Konzern, der einstmals als Binding firmierte, hatte zunächst nach einem Grundstück in Frankfurt gesucht, nach und nach aber die verschiedenen Standorte, die von der Stadt ins Gespräch gebracht worden waren, verworfen. Zuletzt war von einem früher vom amerikanischen Militär genutzten Grundstück in Rödelheim die Rede gewesen. Schließlich hatte sich Radeberger für das weitläufige Areal in Bad Vilbel entschieden.

Umsatzrückgang durch Schifffahrtssparte

So schwierig die Standortsuche auch war, so wenig hatte die Konzernspitze jemals Raum für einen Zweifel gelassen, dass es ihr mit dem Bauvorhaben als solchem ernst sei. Die Rede war von einer neuen Unternehmenszentrale, einer überschaubar großen Brauerei, sogar einem Museum, vor allem aber von einem riesigen Logistik-Zentrum. Denn der Konzern mit seinen zahlreichen Brauereien und Biermarken muss sowohl die Kisten mit vollen als auch die mit leeren Flaschen oftmals umladen. Alles in allem geht es um 500 Arbeitsplätze, auch um Gewerbesteuerzahlungen in Millionenhöhe.

Im Januar hatte Radeberger wissen lassen, dass er 2008 den Umsatz um 30 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro erhöht habe; dieser Anstieg ergab sich aber vor allem durch den Kauf eines Getränkefachgroßhändlers in Lingen. Ohne den Zukauf war der Umsatz lediglich um ein Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich entwickelte sich das in Frankfurt gebraute Bier der Marke Schöfferhofer, dessen Umsatz um 17 Prozent stieg. Der Konzern hatte aber auch schon damals wissen lassen, dass er alles in allem mit einem Umsatzrückgang im laufenden Jahr rechne. Das liege jedoch nicht an den Brauereien, hatte es geheißen, sondern an der Schifffahrtssparte. Allein die Container-Reederei Hamburg Süd trägt nahezu die Hälfte zum Konzernumsatz bei.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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