Home
http://www.faz.net/-gzl-136w5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

„Rücksichtsloser Umgang mit Mensch und Natur“ Geplante Ikea-Erweiterung in Wallau stößt auf Kritik

16.07.2009 ·  Gegen die geplante Erweiterung der Ikea-Deutschland-Zentrale in Hofheim-Wallau hat sich Widerstand formiert. So lehnt der Bund für Umwelt und Naturschutz den Ausbau der Gewerbeflächen wegen „vermeidbaren Flächenverbrauchs und der Zerstörung des regionalen Grünzugs“ ab.

Von Heike Lattka, Hofheim
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Gegen die geplante Erweiterung der Ikea-Deutschland-Zentrale im Hofheimer Stadtteil Wallau hat sich Widerstand formiert. So lehnt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Ausbau der Gewerbeflächen wegen „vermeidbaren Flächenverbrauchs und der Zerstörung des regionalen Grünzugs“ ab. Hier werde rücksichtslos auf Kosten von Mensch und Natur eine Planung durchgezogen, kritisiert Manfred Guder, Vorsitzender des BUND-Kreisverbands Main-Taunus. Unterstützung erhält der Naturschützer von einer neu gebildeten Interessengemeinschaft Wallau, die sich insbesondere gegen die im Zuge des Ikea-Projekts notwendige Umsiedlung der Kleingärtner in den Wiesengrund richtet. Dies sei das einzige fußläufig erreichbare Naherholungsgebiet dieser Art für die Wallauer, beklagt Initiativsprecherin Kyra Luft. Den Wallauern würde damit ein großes Stück Lebensqualität genommen.

Die Stadtverordneten hatten, wie berichtet, im September mit großer Einmütigkeit den Aufstellungsbeschluss für die 42 Millionen Euro teure Investition gefasst. Allein die Grüne Offene Hofheimer Liste (Gohl) stimmte gegen die Pläne, die nahezu eine Verdoppelung der Verkehrsflächen vorsehen. Auf 27.000 Quadratmetern ist der Bau dreier weiterer zwei- bis dreigeschossiger Häuser geplant. Ikea will dort Platz schaffen für ein bisher in Nordenstadt untergebrachtes Lager und weitere Büros. In einen sogenannten „Homepark“ sollen zusätzlich Märkte für Elektrowaren, Medien, Babysachen und Fahrradzubehör einziehen.

„Ideenlose“ Anordnung der Parkplätze

Ein „einziges Ärgernis“, gar einen „Sündenfall“ nennt Guder das Vorhaben. Flächensparendes Bauen sei möglich, wie am Beispiel der Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums, das nahezu ohne Neuversiegelungen auskomme, zu belegen sei. Dagegen würden sich die Gewerbeflächen bei Ikea im Falle der Realisierung fast verdoppeln. Schuld daran sei die „ideenlose“ Anordnung der Parkplätze auf ebener Erde. Guder stößt sich nicht nur an der Versiegelung, gleichzeitig würden die bestehende Kleingartenanlage und ausgewiesene Naturschutzflächen verdrängt. Damit seien weitere Konflikte mit der Landwirtschaft programmiert.

Ebenso bescheinigte Guder dem Projekt handwerkliche Mängel: Es fehle dem schon ausliegenden Bebauungsplan jedwede Bilanzierung der Natureingriffe. Die vorgeschlagenen Verbesserungen rund um den Wickerbach seien angesichts der großflächigen Zerstörung „klar unzureichend“. Als rechtlich und fachlich indiskutabel bezeichnete Guder die ersatzlose Streichung der durch Planfeststellungsbeschlüsse gesicherten Ausgleichsflächen östlich des Wickerbachs. Diese in den Genehmigungen der ICE-Strecke Frankfurt/Köln getroffene Festlegung für die Umgehung Wallau habe auch dann Bestandskraft, wenn die Grundstücke an die Stadt Hofheim verkauft würden.

Grundstücke im regionalen Grünzug

Diese Rechtsauffassung teilt die Interessengemeinschaft Wallau. Wenn die bisherigen Ausgleichsflächen entlastet würden, um die Kleingärtner darauf anzusiedeln, stelle dieses Vorgehen den gesamten Planfeststellungsbeschluss in Frage, sagt Luft. Hinzu komme, dass ein Teil der Grundstücke zum regionalen Grünzug gehöre, weshalb eine Umwidmung nicht in Frage komme. Es biete sich aber eine Lösung an, die alle zufriedenstellen könnte: Wenn Ikea Parkhäuser statt Stellflächen errichte, blieben genügend Flächen für den geplanten Homepark.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1960, Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr