13.07.2007 · Ministerpräsident Roland Koch reist nach Tibet und China - um sich ein Bild von der Lage im besetzten Tibet zu machen und sich bei den chinesischen Machthabern für die Rechte des Landes einzusetzen.
Von Ralf EulerRoland Koch und der Dalai Lama, das ist die Geschichte einer Männerfreundschaft, die selbst für engere Parteifreunde des Ministerpräsidenten schwer zu verstehen ist: der Katholik und der Buddhist, der Machtpolitiker und der Mönch, der Kopfmensch und der Herzensmensch. Seit zwei Jahrzehnten, seit sie sich 1987 in Hofheim erstmals trafen, hat Koch konsequent und gegen alle Widerstände für das Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung gestritten.
Am Samstag bricht der Hesse zu einer zehntägigen Reise nach Tibet und China auf, ein diplomatischer Drahtseilakt auf dem Dach der Welt, der das ersehnte Ziel – direkte Gespräche zwischen dem kommunistischen Regime in Peking und dem geistigen und weltlichen Oberhaupt eines seit fast 60 Jahren seiner Freiheit beraubten Volkes – ein Stück näher bringen soll.
„Verehrung“ für den Dalai Lama
„Er ist ein echter Freund“, sagt der Dalai Lama über den hessischen Regierungschef, und der wiederum spricht, wenn er sein Verhältnis zum Dalai Lama beschreibt, unumwunden von „Verehrung“. Inzwischen haben sich die beiden Männer viele Male getroffen, der CDU-Politiker hat den Freiheitskampf der Tibeter gegen die Machthaber in Peking, die das Hochland seit 1950 besetzt halten, zu seiner eigenen Sache gemacht und nimmt dabei kaum diplomatische Rücksichten.
Ob seiner offenen Kritik anfangs von den chinesischen Staatsführern beargwöhnt, haben ihn diese mittlerweile als unbequemen Gesprächspartner akzeptiert. Am Ende einer einwöchigen Rundreise durch China im vergangenen Jahr stand dann die offizielle Einladung, Koch möge sich doch selbst einmal ein Bild von der Lage in Tibet machen.
In der nächsten Woche ist es so weit. Der Dalai Lama befürworte seine Reise, sagte Koch im Gespräch mit der F.A.Z.. Seine Tour sei Herzenssache, „keine Inspektion“, sondern Ausdruck des Respekts vor der tibetischen Kultur, über deren Entfaltungsmöglichkeiten er sich informieren wolle. Dass ihn die chinesischen Machthaber dabei nur einen ausgesuchten Teil der Wirklichkeit sehen lassen wollen, ist dem Ministerpräsidenten bewusst. „Das ist ein wenig wie ein Gang durch ein Aquarium.“
Politische Gespräche „mit unbequemer Offenheit“
Den Dalai Lama wird Koch bei seiner Reise nicht treffen. Der musste 1959 aus seiner Heimat fliehen, lebt seitdem im Exil in Indien, setzt auf passiven Widerstand und fordert mehr Autonomie Tibets innerhalb der Volksrepublik China, die seine Bestrebungen allerdings als Separatismus geißelt. Die tibetische Kultur wird systematisch ausgelöscht, gezielt siedelt das Regime Chinesen in der Bergregion an, alles Tibetische soll nach und nach untergehen.
Kochs Besuch ist deshalb eine hochbrisante Angelegenheit. Er hat sich intensiv auf den Aufenthalt vorbereitet, die Zusammenstellung seines Programms bezeichnet er als fair. Doch er weiß auch, dass er nicht auf offene Gespräche mit den Einheimischen hoffen darf, weil diese dann unweigerlich Repressionen fürchten müssten. „Man kann in Tibet nur sehen, nicht hören.“
Fünf Tage soll die Visite dauern. Auf dem Programm stehen Besichtigungen von Klöstern, historischen Stätten und der Universität in Lhasa, außerdem informiert sich der Ministerpräsident über eine Kulturvereinigung und ein Aufforstungsprogramm. Anschließend folgen politische Gespräche in Peking – mit dem Risiko, diplomatisches Porzellan zu zerschlagen. „Aber mit unbequemer Offenheit“, so hat Koch bei seinen bisherigen Treffen mit den chinesischen Führern gelernt, „kommt man manchmal weiter als mit geheuchelter Höflichkeit.“