Home
http://www.faz.net/-gzl-755bv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Riedstadt Erste Imam-Schule in Deutschland eröffnet

 ·  Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft bildet künftig in Riedstadt im Kreis Groß-Gerau deutschsprachige Imame für ihre Gemeinden aus. Es sei die erste ihrer Art in Deutschland, heißt es.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (9)

Die muslimische Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft bildet künftig in Riedstadt im Kreis Groß-Gerau deutschsprachige Imame für ihre Gemeinden aus. Nun wurde die nach Angaben der Gemeinschaft erste Imamschule in Deutschland eröffnet. Mit der Verlesung von Koranversen wurde das Gebäude am Alten Grenzstein im Riedstädter Gewerbegebiet geweiht. Der mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierte Bau grenzt an die Riedstädter Moschee an, die auch von Ahmadiyya genutzt wird. Innerhalb von sieben Jahren können in der Schule bis zu 120 Studenten zu islamischen Geistlichen ausgebildet werden. Vier Millionen Euro hat Ahmadiyya in das Projekt investiert. Außer dem Lehrgebäude, das über eine Aula, eine Bibliothek und eine Mensa verfügt, umfasst der Gebäudekomplex ein Internat, in dem die Studenten während der Ausbildung leben. Derzeit hat die Schule 80 Studenten und zwölf Lehrer.

Das geistliche Oberhaupt von Ahmadiyya, Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, hat in seiner Rede vor den Schülern die künftigen Imame dazu aufgerufen, auf die Menschen in Riedstadt und Hessen zuzugehen, um ihnen mögliche Ängste zu nehmen. „Wir sind keine Taliban. Der Islam befindet sich nicht im Krieg mit anderen Religionen und Kulturen.“ Ahmadiyya stehe für einen toleranten und friedlichen Islam.

„Meilenstein in Geschichte des deutschen Islams“

“Der Islam ist aus Deutschland und Hessen nicht mehr wegzudenken“, sagte der Staatssekretär im Integrationsministerium, Rudolf Kriszeleit (FDP). Die Imam-Ausbildung im Land sei daher ein wichtiger Schritt zur Integration von Muslimen in die Gesellschaft. Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinden in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, bezeichnete den Bau der Schule als Meilenstein in der Geschichte des deutschen Islams. „Die Studenten sind hier aufgewachsen und verstehen sich als Deutsche.“ So könnten sie Brücken zwischen den Religionen bauen.

Die Studienanfänger sind zwischen 16 und 19 Jahre alt. Die meisten von ihnen sind laut Ahmadiyya in Deutschland aufgewachsen, einige kommen aus anderen europäischen Ländern. In vier bis fünf Klassen studieren die künftigen Imame in Riedstadt den Koran, lernen Arabisch, Englisch, Deutsch und Urdu, die Amts- und Verkehrssprache in Pakistan. Auf dem Lehrplan stehen zudem Vergleichende Religionswissenschaft und deutsche Geschichte. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde in Indien gegründet und ist eine gemäßigte Glaubensrichtung innerhalb des Islams. Mehr als die Hälfte der deutschlandweit etwa 30.000 Mitglieder lebt laut Ahmadiyya in Hessen.

  Weitersagen Kommentieren (12) Merken Drucken

17.12.2012, 23:31 Uhr

Weitersagen
 

Provokationen am wunden Punkt

Von Helmut Schwan

Die Frankfurter Hausbesetzer kritisieren den Leerstand von Gebäuden bei angespanntem Wohnungsmarkt. Damit treffen sie die schwache Stelle einer Politik, die das Feld zu lange dem freien Spiel der Kräfte überlassen hat. Mehr 12 4