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Rheingau Ökoweinbau kommt nur langsam voran

14.01.2010 ·  Der ökologische Weinbau verbreitet sich in den beiden hessischen Anbaugebieten nur sehr langsam. Das hat viele Gründe.

Von Oliver Bock
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Der ökologische Weinbau verbreitet sich in den beiden hessischen Anbaugebieten nur sehr langsam. Das hat viele Gründe. Der Arbeitsaufwand, verglichen mit dem umweltschonenden, „integrierten“ konventionellen Weinbau, ist größer. Die Kosten sind höher, ohne dass die Winzer in der Regel für Ökoweine höhere Preise durchsetzen können. Stattdessen bedeutet eine Einschränkung der verfügbaren Mittel für den Pflanzenschutz auch ein Risiko, das schon vor Jahren die Hessischen Staatsweingüter und das damals größte private Weingut Schloss Reinhartshausen bewogen hatten, ihre Versuche mit Ökoweinbau in Hochheim und auf der Rheininsel Mariannenaue wieder einzustellen.

Von den 3200 Hektar im Rheingau und den 450 Hektar Rebfläche an der Bergstraße werden derzeit nach einer Aufstellung des Eltviller Weinbauamtes nur rund 83 Hektar und damit 2,3 Prozent der Rebfläche zertifiziert ökologisch bewirtschaftet. Das Nachbarland Rheinland-Pfalz ist mit 3600 Hektar Ökoweinbau, das entspricht rund 5,5 Prozent der Rebfläche, deutlich weiter.

Mondstellung und Impulse der Planeten

Das Interesse der Rheingauer Winzer am Ökoweinbau allerdings wächst, wie sich am Mittwoch an der regen Teilnahme an der Winterfachtagung des Rheingauer Weinbauverbands in Kiedrich ablesen ließ. Im fachlichen Teil stand die Zukunft der Bewirtschaftungssysteme auf der Tagesordnung, um, wie es Weinbaupräsident Klaus-Peter Keßler formulierte, den Weinbau ökologischer auszurichten, ohne in Extreme zu verfallen.

Zu den wenigen Rheingauer Weingütern, die bislang schon im biodynamischen Anbau ihre Zukunft sehen, gehört seit zwei Jahren das Oestricher Weingut Peter Jakob Kühn. Sandra Kühn gab allerdings zu, dass der Arbeitsaufwand vor allem in der 36 Monate währenden Umstellungsphase enorm gewesen sei. Es habe nicht nur zweier zusätzlicher Mitarbeiter und eines neuen Traktors bedurft, sondern auch mehr als doppelt so vieler Behandlungen der Weinberge, um die Rebpflanzen vor Pilzerkrankungen zu schützen. Biodynamisch wirtschaftende Winzer wie Kühn ergänzen die ohnehin schon strengen Prinzipien des Ökoweinbaus um weitere verschärfende Elemente wie die Beachtung der Mondstellung und die Impulse der Planeten bei anfallenden Arbeiten, und sie wollen eine möglichst geschlossene Betriebsorganisation erreichen. Mancher Biodynamiker erwägt deshalb sogar wieder die Viehhaltung, um auf eigenen Stallmist bei der Düngung zurückgreifen zu können.

Bis zu sechs Kilogramm Kupfer pro Hektar

Lotte Pfeffer-Müller, Winzerin aus Rheinhessen und Vorsitzende des größten Ökoweinbauverbandes Ecovin, hält dies für die „zukunftsfähigere, notwendigere“ Form des Weinbaus in Deutschland. Den Vertretern des konventionellen umweltschonenden Weinbaus hielt sie vor, dass zwischen der anerkennenswerten Lehre einer integrierten Wirtschaftsweise und dem tatsächlichen Handeln der Winzer in den Weinbergen bisweilen eine große Lücke klaffe. Pfeffer-Müller gab aber ebenso wie der Geisenheimer Weinbauprofessor und Ökowinzer Randolf Kauer zu, dass ohne aktiven Pflanzenschutz in Deutschland auch für Ökowinzer kein Ertragsweinbau möglich ist.

Die Ökowinzer stehen deshalb vor der Wahl, pilzresistente, aber bei Weinfreunden wenig gefragte Rebsorten anzubauen, oder bis zu sechs Kilogramm reinen Kupfers je Hektar und Jahr in Form verschiedener Präparate gegen den Mehltaubefall bei Riesling und Spätburgunder auszubringen. Nach Kauers Worten müssen sich Ökowinzer für den Kampf gegen Pflanzenkrankheiten deshalb sehr gute Fachkenntnisse aneignen. Wer Ökoweine erzeuge, müsse bei bestimmten Wetterlagen in der Lage sein, seine gesamte Rebfläche binnen zwei Tagen mit den Spitzmitteln zu behandeln, um Ertragsausfälle zu minimieren. Das sei für große Weinbaubetriebe sehr schwierig.

Pflanzenschutz Knackpunkt

Den Verzicht auf die „bodenbelastenden Kupferanwendungen“ der Ökowinzer stellte Rudolf Fox von der Weinsberger Lehr- und Versuchsanstalt als großen Vorteil des integrierten Weinbaus heraus, der auf Chemie nicht verzichte, die Verwendung aber auf das „unbedingt notwendige Maß“ begrenze. Wer dieser Strategie folge, komme mit fünf bis sieben Pflanzenschutzanwendungen im Jahr aus. Die Konsequenz daraus seien eine gute Weinqualität, unbelastete Böden und Weine, niedrigere Produktionskosten und konkurrenzfähige Preise.

Auf mehr Geld für ihre Weine dürfen Ökowinzer tatsächlich kaum hoffen, gab Kauer zu, der von spanischen Bioweinen im Supermarkt für 2,49 Euro je Flasche und von deutschem Öko-Rotwein für 3,99 Euro berichtete. Die Umstellung auf ökologischen Weinbau könne nur in wenigen Fällen mit höheren Preisen gekoppelt werden. Die besten Chancen hätten noch die direktvermarktenden Betriebe, die ihre aufwendige Strategie im direkten Kundenkontakt erläutern könnten.

Genau darauf baut auch der konventionell, aber integriert wirtschaftende Hallgartener Winzer Josef Kreis. Er beklagte, dass vielen Kunden nicht bewusst sei, dass die Pflege der Monokultur Weinbau ohne Pflanzenschutz nicht möglich sei. Kreis verwies auf jahrzehntelange Bemühungen im Rheingau, den Weinbau umweltschonend zu gestalten und die Belastung des Grundwassers zu minimieren. Auch als konventionell wirtschaftender Winzer könne er auf die Bekämpfung von Schädlingen durch Insektizide vollständig und auf die Düngung mit Stickstoff nahezu verzichten.

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