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Rheinbrücke Zittern vor der Unesco: Das Mittelrheintal will nicht sein Dresden erleben

Grünes Licht von der Unesco: Die Weltkulturorganisation hat offenbar nichts gegen den Bau einer Brücke im Mittelrheintal einzuwenden. Die Flusslandschaft ist Unesco-Welterbe. Eine Gefährdung dieses Gütesiegels soll tunlichst vermieden werden.

© Franz Bischof Vergrößern Von der Unesco zum Welterbe erklärt: das Mittelrheintal, hier bei Kaub mit der Burg Pfalzgrafenstein

Die Weltkulturorganisation Unesco hält im Mittelrheintal zwischen Rüdesheim und Koblenz eine Rheinquerung sowohl durch einen Tunnel als auch eine Brücke offenbar grundsätzlich für möglich. Bei ihrer Tagung in Kanada hat die Unesco eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die möglichen Varianten und zudem eine neuere Verkehrsstudie verlangt. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Nachricht aus Quebec gutgeheißen und angekündigt, die Brückenoptionen als auch die Tunnelvariante vertieft zu prüfen.

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Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) sagte dieser Zeitung, es sei überaus positiv, dass die Unesco die Brücke weiter für möglich halte, obwohl der Kommission ablehnende Empfehlungen vorgelegen hätten. Das Land werde sich nun auf die favorisierte Variante bei Wellmenich konzentrieren. In einer Verkehrsuntersuchung werde man der Unesco die Notwendigkeit darlegen und die Art und Weise, wie das Land gleichwohl den Durchgangsverkehr aus dem Tal fernhalten wolle.

Seit Jahren wird in Hessen und Rheinland-Pfalz über die Notwendigkeit einer festen Rheinquerung diskutiert, weil zwischen Wiesbaden und Koblenz auf einer Distanz von rund 100 Kilometern lediglich sechs Fähren den Wechsel von einer Stromseite auf die andere ermöglichen. Vor allem die Wirtschaft hält das nicht für ausreichend. Die Variante einer Brücke zwischen Rüdesheim und Bingen ist aber vom Tisch, seit der Kreis Mainz-Bingen von dem Vorhaben abgerückt ist.

Keinesfalls das Unesco-Gütesiegel aufs Spiel setzen

Die reizvolle Flusslandschaft ist seit 2002 anerkanntes Unesco-Welterbe. Die Kulturorganisation würdigte damals das 620 Quadratkilometer große und 65 Kilometer lange Tal als „eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit“. Sie weise einen außergewöhnlichen Reichtum an kulturellen Zeugnissen auf. Vor allem die rheinland-pfälzische Landesregierung aber ist grundsätzlich bereit, den Forderungen der Wirtschaft nach einer festen Querung nachzugeben. Allerdings will das Land – das Beispiel Dresden und die Diskussion um die Waldschlösschenbrücke vor Augen – keinesfalls das Gütesiegel aufs Spiel setzen, von dem man sich touristische Impulse verspricht.

Rheinland-Pfalz hatte deshalb frühzeitig die Unesco und den Internationalen Rat für Denkmalpflege in seine Überlegungen einbezogen und gehofft, von der Unesco grünes Licht für eine Brücke oder zumindest für einen Tunnel zu bekommen. Die Kosten für eine Brücke werden bisher auf rund 40 Millionen Euro, für einen Tunnel auf mindestens 70 Millionen Euro geschätzt. Wirtschaftsminister Hering sprach dennoch von einem „guten Tag für das Mittelrheintal“. Die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung wäre ohnehin notwendig gewesen. Es gebe daher auch keinen Zeitverlust. Die Unterlagen sollen bis Februar der Unesco vorliegen, im Sommer nächsten Jahres werde dann die endgültige Entscheidung fallen.

Drei Brückenvarianten und eine Tunnellösung

Der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) sagte der Deutschen Presseagentur, die Gestaltung einer Brücke solle in einem weltweiten Wettbewerb ausgeschrieben werden. Danach könne die Diskussion beginnen. Im Februar hatte Rheinland-Pfalz den Beratern der Unesco drei Brückenvarianten und eine Tunnellösung vorgestellt. Laut Hofmann-Göttig hatten die Berater dem Welterbe-Komitee daraufhin eine Empfehlung vorgelegt, in der nur noch von einem Tunnel die Rede war.

Der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal hat in einer Stellungnahme bedauert, dass sich die Unesco nicht zu einer Brücke durchringen konnte. Es dürfe nun keine weiteren Verzögerungen geben.

Quelle: F.A.Z.

 
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